Anjas und Winfrieds Reiseseite
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Der Westen Kanadas

vom 20. Juli bis 06. August 2006

Tag 28 - Freitag 04. August 2006

Victoria

Der letzte volle Tag ist angebrochen. Wir schlafen etwas länger und der Wecker reißt uns erst um 7.30 Uhr aus unseren Träumen. Das Aufstehen ziehen wir auch noch ein wenig hinaus, da wir nicht im Hotel frühstücken wollen. Wir möchten gerne in einem Coffeeshop in der nahen Stadt gemütlich unser Frühstück einnehmen. So erledigen wir ganz langsam unsere morgendliche Reinigungsprozedur und um 9.00 Uhr marschieren wir kamerabewaffnet los.
Es ist wunderschönes, wolkenfreies Wetter und die Luft ist bereits angenehm warm. Wir bummeln die Belleville Street oberhalb des Hafenbeckens entlang und nehmen das Parlamentsgebäude auf. Danach ist der Gedenkstein für das ehemalige Fort Victoria dran. An dieser geschützten Stelle wurde 1843 von der Hudson Bay Company eine Befestigung errichtet, aus der dann später diese Stadt hervorging. Danach besichtigen wir das Fairmont Hotel „The Empress“. Alle Sehenswürdigkeiten liegen sehr fotogen im Licht der weichen Morgensonne. Wir biegen auf die Gouvernment Street ab und suchen hinter der Gabelung mit der Wharf Street einen Coffeeshop. Leider entdecken wir zwischen den vielen überladenen Souvenirläden keinen einzigen. Etwas enttäuscht und mittlerweile hungrig laufen wir filmend und fotografieren weiter bis zum Kaufhaus „The Bay“.
Hier muss es doch eine Gelegenheit geben, alle Kaufhäuser hier haben doch einen so genannten „Foot Court“. Zuerst suchen wir alle Stockwerke an der Gouvernment Street ab, finden hier aber nichts. Also wieder runter und in den hinteren Teil des Kaufhauses. Eine Verbindung zwischen den zwei Teilen gibt es nämlich nicht. Ganz im oberen Stockwerk finden wir dann die gesuchte Fressmeile. Einige Läden haben sogar schon auf und wir bestellen uns ein normales, amerikanisches Frühstück mit Toast, Ei und Speck. Dazu gibt es einen Pappbecher Kaffee. Die Fressmeile hat sogar eine Dachterrasse und wir setzten uns mit unseren Tabletts nach draußen. Das war eine sehr gute Idee, denn es ist nach wie vor schönes, warmes Wetter und wir genießen die frische Luft und den Sonnenschein während des Frühstücks. Von unserem Toastbrot erbetteln sich ein paar freche Spatzen einige Krümel, die wir ihnen auch gerne geben.
Nach dem wir gefrühstückt haben, setzen wir unseren Gang durch das Kaufhaus fort. Ich suche nach DV-Kassetten, aber kein Laden führt diese kleinen Videobänder für meine Kamera. Ich kann nur hoffen, dass das letzte Band noch reicht. Ich hatte 25 Bänder mit einer Laufzeit von je einer Stunde mit und es sind nur noch ein ganzes und ein halbes Band übrig. OK - 25 Stunden aufgenommenes Material erscheinen zuerst recht viel. Wenn man sich für den späteren Schnitt nur die besten und gelungensten Szenen heraussucht, relativiert sich das schon wieder. Ich habe z.B. den Hubschrauberflug „durchgefilmt“, das heißt, die Kamera immer laufen lassen und nur zum Akkuwechsel kurz abgeschaltet. Die zweitägige Zugfahrt mit dem Rocky Mountaineer hat vier Kassetten verschlungen. Ich beschließe also, der Rest des Bandmaterials hat zu reichen. Dann gehen wir weiter in die Abteilung für Ledertaschen. Anjas kleiner Lederrucksack, in dem sie recht sicher ihre Wertgegenstände transportiert, ist kaputt. Sie benötigt einen Neuen. Nach längerem Suchen ohne jegliche Bedienung, hier in Kanada sind die Verkäufer ähnlich wie bei uns immer fast unsichtbar, finden wir einen sehr guten, aber auch sehr teueren Lederrucksack. Zufällig findet Anja auch noch eine kleine Ledertasche für den stilvollen Konzert- oder Theaterbesuch. Alles zusammen haut ein schönes Loch in ihre Reisekasse. Wir gehen zu einer Kasse und da wird eine Verkäuferin auf uns aufmerksam. Sie versprüht alle Energie auf einmal an uns, die sie vorher eingespart hat.
Nach dem Bezahlen verlassen wir das Kaufhaus wieder zur Gouvernment Street und gehen noch bis zur Johnson Street. Hier biegen wir links ab und stehen nach wenigen Metern vor einem alten Fabrikgebäude. Eine Frau spricht uns an und gibt uns den Tipp, dass dies eine sehr schöne Einkaufspassage sei. Da fallen uns erst die Schilder auf: „Market Square – The Heart of Old Town“. Direkt am Eingang steht ein wundervoll restaurierter Brunnen mit vielen Goldeinlagen. Im Innenhof gibt es viele kleine Läden in zwei Etagen. Wir gehen die Stufen hoch und umrunden den oberen Gang der Ladenpassage. Im Innenhof stehen alte Bäume, die den Gästen auf den Bänken Schatten spenden. Nachdem wir den oberen Wandelgang umrundet haben, stehen wir wieder auf der Johnson Street und haben Durst.
Kurz vor der Kreuzung zur Wharf Street entdecken wir ein kleines Kaffee mit umzäunter Terrasse. Ein Holzschild nennt uns seinen Namen: „Willie’s Bakery & Cafe“. Es hat einen schönen Brunnen und auch einen überdachten Bereich in einem Innenhof. Anja gönnt sich ein Eis, welches ziemlich groß ausfällt, so dass ich auch einmal in den Genus komme, lecken zu dürfen. Ich begnüge mich mit einer großen Tasse Kaffee. Anja räumt ihre alte, kaputte Ledertasche aus und alle Utensilien in die neue Tasche ein. Alles passt prima. Den kaputten Rucksack geben wir nach dem Besuch in der Bäckerei in einen geeigneten Müllcontainer. Genau gegenüber sehen wir an einem Gebäude den Schriftzug „Grand Pacific Hotel“. Das Haus sieht ziemlich heruntergekommen und auch unbewohnt aus. Es ist bestimmt der Vorgänger unseres schönen Hotels und wartet auf eine neue Bestimmung.
Wir laufen jetzt auf der Wharf Street wieder zurück in die Richtung unseres Hotels. In einer Verbindungsgasse, dem Bastion Square, gibt es zahlreiche Stände mit kunstgewerblichen Artikeln zu sehen. Wir können nicht widerstehen und kaufen für Martin eine Krawatte mit vielen gedruckten Handys darauf. Daneben stehen zwei ältere Straßenmusikanten, ein Mann mit Gitarre und eine Frau mit Geige, und spielen innbrünstig das Lied „Here Comes the Sun“ von den Beatles. Keine fünf Meter weiter hat ein Puppenmacher zwei Puppen ausgestellt. Einen Flötenspieler und ebenfalls einen Geiger, ein köstlicher Anblick.
Bald sind wir wieder am Hafen. Es ist unmerklich schon 13 Uhr geworden und mittlerweile ist die Uferpromenade voller Künstler, die ihre Stücke zum Verkauf anbieten. Artisten bieten gegen Geld ihre Künste an und Maler portraitieren die Touristen um die Wette. Plötzlich hören wir vom Parlamentsgebäude Musik herüberschallen und bewegen uns dort hin. Mehrere Militärmusikkapellen spielen marschierend ihre Stücke. Besonders gut gefallen uns zwei Dudelsack-Kapellen. Die Eine übt in einer Mauerecke, die Andere marschiert vor dem Gebäude musizierend auf und ab. Nach einer Weile vereinigen sich beide Kapellen und bilden einen großen Kreis und beginnen mit dem Spielen. Leider kenne ich den Namen des Stückes nicht, es kommt mir aber sehr bekannt vor. Einen der Dudelsackbläser nehme ich mit Zoom ganz nah auf. Seine Wangenhaut ist vom vielen Dudelsackblasen schon so ausgeleiert, das sich bei jedem Blasvorgang seine Wangen so verformen, als habe er ganze Eier im Mund. Das sieht sehr lustig aus.
Nach den verschiedensten Musikdarbietungen gehen wir noch einmal kurz zum Hafen hinunter. Ich habe mich entschlossen, ein Souvenir zu kaufen. Eigentlich bin ich mit solcherlei Staubfängern eher vorsichtig, aber eine sehr nette, freundliche First Nation Frau bietet selbst gemachte Dream Catcher an. Da kann ich nicht widerstehen und habe ihr für 25 kanadische Dollar einen 30 Zentimeter großen abgekauft. Ein Stein mit indianischen Ornamenten als Anhänger für Martin muss auch noch mitgenommen werden. Um 14 Uhr sind wir wieder ziemlich geschafft von der mittlerweile herrschenden Hitze in unserem Hotel. Wir bestellen für 20 Uhr im hoteleigenen Restaurant „The Mark“ einen Tisch für unser Abschiedsessen. Anschließend steuern wir noch zu einem Geldwechselschalter in das Untergeschoss. Hier tauscht Anja ihre restlichen Traveler - Cheques noch gegen Bargeld um.
Jetzt freuen wir uns aber auf eine kleine Siesta in unserem Zimmer. Leider werden wir enttäuscht. Der Zimmerservice ist noch nicht fertig und wir sollen uns noch eine halbe Stunde gedulden. Neben der Bank war ein kleines Bistro und so fahren wir wieder ins Untergeschoss. Hier kaufen wir uns einen eisgekühlten Saft und einen Schokokeks. Gemütlich und im Sitzen warten wir die 30 Minuten ab. Um 14.30 Uhr gehen wir wieder hoch und unser Zimmer ist tatsächlich fertig. Ich schließe sofort die Ladegeräte an, um meine Akkus zu laden. Wir ziehen die Vorhänge zu und halten unsere Siesta bis ca. 16 Uhr. Anja will noch einmal kurz zum Hafen, um noch ein Geschenk zu kaufen. Danach beginnen wir sofort damit, die Koffer um- und einzupacken. Wir haben jetzt ja drei Koffer für die Rückreise. Wie ich die alle morgen transportieren soll ist mir schleierhaft. Aber irgendwie wird es schon gehen. Unsere Klamotten passen jedenfalls nicht mehr in nur zwei Koffer. Dieser Vorgang erschüttert mich in jedem Jahr bei jeder Abreise. Zurück ist nie so viel Platz wie hin.
Gegen 17.45 Uhr ist alles gepackt und wir gehen in die Tiefgarage. Wir müssen unseren schönen Leihwagen entrümpeln. Das mit dem entrümpeln ist zwar zu hoch gegriffen, aber wir haben noch einen vier Liter Kanister Wasser und einige Plastikbeutel und Verpackungen im Wagen. Den Kanister füllen wir um und entsorgen ihn trotz Pfand in einem Abfallbehälter. Auch die restlichen unbrauchbaren Utensilien verschwinden darin. Das Auto ist wieder pikobello sauber. Danach bummeln wir noch kurz durch den Hafen. Hier gibt es zu jeder Tageszeit etwas ungewöhnliches zu sehen. Um 18.15 Uhr sind wir wieder im Hotel. Ich dusche mir sofort den Schweiß des Tages herunter, es war ganz schön heiß und anstrengend in der Stadt. Danach überlasse ich Anja für ihr Verschönerungsvorhaben das Bad. Anschließend stylen wir uns mit Krawatte, Anzug, Kostüm und allem, was die Koffer noch so an guten Klamotten hergeben.
Gegen 19.51 Uhr setzen wir uns in Bewegung. Mit dem Glasaufzug fahren wir zunächst in die Lobby und dann schreiten wir weiter über den Marmorfußboden in das fünf Sterne Restaurant „The Mark“. Es gibt zwei gute Gründe für dieses „Essen“. Zum Einen habe ich zu meinem letzten Geburtstag einen Gutschein von Anja für ein Essen meiner Wahl bekommen (was sehr leichtsinnig von Ihr war, angesichts des Preisniveaus des Restaurants) und zum Zweiten gibt es immer ein gutes Abschiedsessen am Ende jeder großen Reise. Wir betreten das Restaurant und werden an einen sehr schönen Tisch in der Nähe der Tür platziert. In diesem Restaurant gibt es nur eine schummrige Beleuchtung. Öllampen erhellen die Tischfläche, ansonsten gibt es nur gedämpfte, indirekte Beleuchtung von dem Wänden. Wir werden stilvoll platziert und bestellen zunächst einen kalifornischen „Cabernet Souvignon“ aus dem Jahr 2003. Das ist eine sehr gute Wahl, der Wein ist ausgezeichnet. Gespannt warten wir auf die Speisekarte. Die kommt sofort und wir können uns nach längerem Studium der aufgeführten Köstlichkeiten kaum für eine der Speisen entscheiden. Schließlich fällt unsere Wahl auf die Sommererbsensuppe mit Käseklößchen als Vorspeise. Danach bekommen wir ein Brett mit verschiedenen Brotsorten mit einer noch nie gesehenen Dekoration. Als Hauptgang entscheiden wir uns für ein Tenderloin-Steak mit Kroquette und frischen Vegitables. Alle Speisen werden sehr stilvoll von einem sehr gut ausgebildeten jungen Ober förmlich kredenzt. Überflüssig ist es zu erwähnen, dass alle Speisen hervorragend schmecken und in einem sehr geschmackvollen Geschirrdesign serviert werden. Auch zum Nachtisch werden wir uns nicht lumpen lassen. Ich nehme einen Mexican Yukatan Hochland Kaffee, serviert in einem kleinen Bodum - Kaffeebereiter und ein Schokoladeneis. Anja wählt einen Espresso und einen Calvados, der auf einem Cognacschwenker mit heißem Wasser serviert wird. Insgesamt dauert unser Besuch im „The Mark“ bis 22.45 Uhr. Sollten wir noch einmal nach Victoria kommen und auch hier im Grand Pacific Hotel wohnen, werden wir diesen Besuch mit Sicherheit wiederholen. Soviel kann ich aber schon jetzt verraten: Auch 2008 sind wir am Ende unserer Reise wieder in diesem Hotel, nachzulesen dann in dem entsprechenden Reisebericht.
Als wir das Restaurant schweren Herzens verlassen, treffen wir noch die Tischanweiserin des Restaurants. Sie spricht uns an, denn sie ist ehemalige Kölnerin, aber schon viele Jahre hier in Kanada. Sie freut sich anscheinend, einmal wieder ihre Muttersprache sprechen zu können. Andererseits gibt es in diesem Hotel und in dieser Ecke Kanadas tausende von Deutschen, die hier Urlaub machen. Sie hat vielleicht Heimweh und möchte gern etwas von Deutschland hören. Wir tun ihr den Gefallen und unterhalten uns bestimmt 15 Minuten mit ihr. Zurück im Zimmer stellen wir fest, dass noch zwei Dosen Bier übrig sind, die vernichtet werden müssen. Also Stühle auf den Balkon und mutig an die Glasscheibe vor dem Abgrund gesetzt. Aber die Luft ist gegen 0.00 Uhr raus. Irgendwie haben uns das gute Essen und der Alkohol müde gemacht. In der Flimmerkiste läuft noch der Film „Arabesque“ mit Sophia Loren und Gregory Peck. Anja schaut noch etwas, aber ich bin nach wenigen Minuten eingeschlafen.





 

 

 

 



Klick für große Bilder:


Das Parlament bei Tag


Gedenktafel Fort Victoria


The Empress Hotel


Market Square

 

 


Brunnen im Market Square

 

 


Bastion Square

 

 


Straßenmusikanten

 

 

Portraitmaler im Hafen

 

 

Dudelsackspieler

 

 

Militärkapelle

 

 

First Nation

 

 

Lobby des Grand Pacific

 

The Mark 1

 

The Mark 2

 

The Mark 3

 

The Mark 4