Anjas und Winfrieds Reiseseite
www.wurzelsreisen.de
 

 

Der Westen Kanadas

vom 20. Juli bis 06. August 2006

Tag 23 - Sonntag 30. Juli 2006

Wells Gray PP - Whistler

Um 7 Uhr piept der Wecker. Wir sind beide noch sehr müde, aber es nützt alles nichts. Wir müssen heute weiter. Mit Anjas Fuß geht es so lala, dass Auftreten fällt ihr schwer, aber die Bänder sind wohl ganz geblieben. Glück im Unglück. Dennoch benötigen wir einen Verband und irgendeine Salbe. Aber zuerst wird das Badezimmer benutzt. Bei Anja dauert das natürlich etwas länger. Ich versuche schon mal die Koffer zu packen und bringe auch schon Sachen in unser Auto. Um 8.30 Uhr fahren wir dann zum Frühstück. Noch einmal den glitschigen Holzbohlenweg nach oben und dann mit dem geprellten Fuß geht gar nicht. Ich setze Anja direkt vor der Tür der Lodge ab und sie humpelt schon mal vor. Nachdem ich das Auto geparkt habe, komme ich nach. Das Frühstück bekommen wir oben im Restaurant. Es ist ein seltsames Buffet aufgebaut. Es gibt pappiges Brot und viel Marmelade. Keine Wurst und keinen Käse. Erst auf hartnäckige Nachfrage bekommen wir in einer Schale etwas Cream Cheese gereicht, der aber nur für eine Scheibe Brot reicht. Da Heute Sonntag ist und wir nur durch schöne Natur nach Whistler fahren müssen, haben wir Zeit, jede Menge Zeit, und so kommen wir mit einem deutschen Ehepaar aus dem Westerwald ins Gespräch. So bleiben wir noch fast 45 Minuten länger beim Frühstück. Es ist eine sehr nette Unterhaltung, leider vergisst man meist, sich Namen oder gar Anschriften zu notieren. Wir fahren mit dem Auto wieder zum Zimmer und packen hier die restlichen Sachen, die auch sofort im Fahrzeug verstaut werden. Um 10.10 Uhr stehe ich wieder an der Rezeption und checke aus. Ich muss für Abendessen und Frühstück 88 Dollar bezahlen. Jetzt ist eine andere Dame hier und ich erkundige mich nach einer Pharmacy in Clearwater. Am Safety-Supermarkt soll es eine geben und ich bekomme sogar eine kleine Wegskizze gemacht. Ich verabschiede mich nett und steige ins Auto zu meiner wartenden Frau.
Ich setze mich hinter das Steuer und sinniere, dass ich wohl den Rest des Urlaubs fahren muss, je nach dem was mit Anjas Fuß los ist. Eine halbe Stunde später sind wir in Clearwater und finden auch den beschriebenen Supermarkt. Wir parken und müssen aber leider feststellen, dass heute Sonntag ist. Der Supermarkt hat zwar auf, aber die Pharmacy hat geschlossen. Wir gehen trotzdem in den Supermarkt, vielleicht haben die wenigstens eine Salbe gegen die Schmerzen. Anja humpelt mit durch den Laden, aber außer 8 Päckchen Papiertaschentüchern für 4 Dollar erstehen wir nichts. Wieder im Auto halten wir Kriegsrat. Was können wir tun? Wir brauchen wenigstens einen strammen Verband und etwas Salbe. Heute ist Sonntag und in den kleinen Orten auf der Strecke nach Whistler wird es uns ebenso wie in Clearwater ergehen. Da entdecke ich auf der Straßenkarte Kamloops. Die größte Stadt nach Vancouver hier in British Columbia wird bestimmt einen großen Supermarkt mit einer offenen Pharmacyabteilung haben. Es sind über 100 Kilometer Umweg, aber es bleibt uns nichts anderes übrig und da das Wetter immer noch schlecht ist, fällt es uns auch nicht zu schwer.
Es ist jetzt 11.10 Uhr und ich starte unseren Geländewagen. Benzin ist noch genug im Tank und so fahre ich auf den Highway in Richtung Kamloops. Es regnet immer mal wieder, aber es gibt auch ein paar freundliche Abschnitte zwischendurch. Ansonsten verläuft die Fahrt recht ereignislos und der Verkehr ist leicht zu bewältigen, da ja Sonntag ist. Es hat eben alles einen Vorteil und einen Nachteil. Um 13 Uhr sind wir in Kamloops. Vor der Stadt halte ich an und studiere die Straßenkarte. Ich kann mich noch dunkel daran erinnern wie der Bus vom Bahnhof zum Hotel gefahren ist. Hier könnten wir an der Rezeption nach einem Supermarkt mit Pharmacy fragen. Den Bahnhof finde ich recht schnell und auch die kleinen grauen Zellen lassen mich ab hier nicht mehr im Stich. Sogar einen Parkplatz bekomme ich direkt vor dem Hotel. Die freundliche Frau an der Rezeption erklärt mir auf meinem Stadtplan den Weg zu einem Safeway-Supermarkt. Ich bedanke mich brav und ich fahre los. Der Supermarkt und ein Parkplatz sind schnell gefunden und die Abteilung mit den Arzneimitteln ebenfalls. Leider findet Anja die gute Schmerzsalbe nicht, die sie 2004 in Alaska gekauft und gut geholfen hatte. Eine Bandage finden wir. In dieser Abteilung gibt es sogar eine Info-Theke und einen Apotheker. Dem schildern wir Anjas Problem und fragen nach einer Salbe. Aber davon hält der gute Mann überhaupt nichts. Er gibt Anja nur den Rat, die Stelle am Fuß immer möglichst gut zu kühlen, dann würde der Schmerz schon bald nachlassen. Zur Untermauerung seiner Behauptungen schenkt er Anja noch ein gefrorenes Coolpack.
Wir bedanken uns artig und gehen zu einer Theke mit Esswaren. Es ist 13.30 Uhr und nach dem dürftigen Frühstück verspüren wir etwas Hunger. Wir lassen uns zwei Roastbeef-Sandwichs machen und nehmen noch Apfelsaft mit. Beides verspeisen wir im Auto. Anja legt sich gleich ihr Coolpack auf den Fuß und das verschafft ihr auch sofort Linderung. So gestärkt und medizinisch versorgt fahre ich nun noch zu einer Tankstelle. Hier werden wir wieder 72 Dollar los und um 14 Uhr sind wir wieder auf dem Highway. Die Wegstrecke hat sich natürlich drastisch geändert und ich muss immer wieder auf die Karte sehen, um den richtigen Weg zu finden. Der erste Teil der Fahrt nach Whistler führt durch sehr karge, fast wüstenartige Landschaften. Links und rechts der Straßen nur braune oder graue Erde, die hie und da durch einen dürren Busch verziert wird. Zuerst fahren wir ein Stück auf dem Highway Nr. 1 und in Cache Creek auf den Highway Nr. 97 in nördliche Richtung. Dann zweigen wir ab auf die Straße Nr. 99, wo wir bei der Ortschaft Pavillon auf den noch jungen Fraser River treffen. Ab hier wird die Landschaft wieder etwas interessanter. Tief hat sich der Fluss in das Gelände eingegraben und die Straße führt immer parallel oben am Rand des Tals entlang. Immer wieder ergeben sich spektakuläre Ausblicke auf den Fluss mit seinen vielen Klippen und Stromschnellen. Auch eine Eisenbahnlinie schmiegt sich an den Hang, immer dem Flusslauf folgend.
Leider haben wir wieder eine Pause im Zugverkehr erwischt. Im Ort Lillooet überqueren wir um 16.35 Uhr den Fraser River und machen an einer Tankstelle 20 Minuten Pause. Danach fahren wir weiter auf der Straße 99 nach Pemperton. Dieser Straßenabschnitt ist besonders zu erwähnen. Immer durch dichte Wälder, bergauf und wieder hinab auf steilen Rampen, über Bäche mit einspurigen Brücken und meistens lange Zeit ohne ein anderes Auto. Einfach ein Genuss, so fahren zu dürfen. Hinter Pemperton halten wir noch an einem idyllischen Bergsee mit Alpenpanorama, an dessen Ausfluss sich jede Menge Treibholz angesammelt hat. Von hier sind es nur noch 50 Kilometer nach Whistler, wo im Jahr 2010 die alpinen Disziplinen der nächsten Olympischen Spiele ausgetragen werden sollen. Um 19 Uhr habe ich es geschafft. Die lange Fahrt ist vorbei. Es war teilweise eine wunderschöne Strecke und mit so einem bequemen Fahrzeug ist sie in der Länge auch alleine gut zu bewältigen. Dennoch bin ich froh, jetzt endlich am Ziel zu sein.
Wir stehen vor dem „The Fairmont Chateau Whistler“. Unser zweites sehr gutes Hotel. Unterwegs hatten wir vorsichtshalber schon unsere wichtigen Sachen gepackt, aber hier war die Sorge umsonst. Alles lief zivilisiert ab. Wir dürfen unser Gepäck selbst ausladen, es wird aber von einem Boy auf eine der üblichen Karren mit den Messingbügeln geladen. Das Auto bekommen wir ebenfalls ins Parkhaus gefahren. Wir gehen zur Rezeption und checken ein. Hier gefällt es uns wesentlich besser als im Fairmont Hotel Lake Louise. Das Personal ist viel freundlicher und wirkt nicht so krampfhaft aufgesetzt freundlich wie dort. Auch ist es hier viel ruhiger, keine Horden von Touristen, die staunend durch die Lobby laufen. Gut, ich gebe zu, 2002 haben wir das auch gemacht als wir durch das „Fairmont Chateau Frontenac“ in Quebec getrampelt sind. Man sieht einige Sachen eben manchmal von verschiedenen Seiten.
Wir bekommen Zimmer 603 und fahren mit dem Aufzug in den sechsten Stock. Es ist ein sehr weiter Weg, genau bis an das andere Ende des Hotelgebäudes. Wir öffnen die Tür und staunen nicht schlecht. Wir haben ein sehr schönes, großes Eckzimmer mit Fenstern zu zwei Seiten, zwei riesige Betten und ein großes Badezimmer. Schade nur, das wir erst so spät hier sind und nicht mehr viel davon haben. Es klopft und der Boy bringt unser Gepäck. Auch diesmal lassen wir uns den Behälter mit Eis füllen. Anja legt sich etwas auf ihr Bett, um den Fuß zu schonen und ich schnappe mir die kleine Kamera und erkunde das Hotel von außen und von innen. Zu einer Ortsbesichtigung ist Anjas Fuß noch nicht in der Lage. Es wird schon langsam dunkel und deshalb hole ich Anja um 20.30 Uhr zum Abendessen ab. Wir setzen uns in die Bar "The Mallard" und bestellen uns erst einmal jeder ein dunkles Ale. Danach nimmt Anja eine Käseplatte und ich einen Burger. Im folgenden hat Anja noch einen Campari Orange und ich noch ein dunkles Bier. Zwischendurch filme ich den Klavierspieler, der uns den Abend über mit seiner einschmeichelnden Musik begleitet hat. Das große Erwachen kommt mit der Rechnung. Vier Getränke und zwei kleine Essen kosten hier 82 Dollar. Auch das packen wir dann auf unsere Kreditkarte. Da es hier sehr gemütlich ist, bleiben wir bis 22.30 Uhr sitzen und gehen erst danach zu Bett.


 

 

 

 



Klick für große Bilder:


Karge Landschaft


Nur Felsen und Wasser


Ein einsamer Truck


Lillooet und der junge Fraser River

 

 


Der Highway 99...

 

 


...wird immer schmaler...

 

 

...und landschaftlich spektakulärer.

 

 

Eingang des Fairmont in Whistler

 

 

Unser schönes Eckzimmer im 6. Stock

 

 

Gediegene Einrichtung im Badezimmer

 

 

...und abends ins Mallard.