Anjas und Winfrieds Reiseseite
www.wurzelsreisen.de
 

 

Der Westen Kanadas

vom 20. Juli bis 06. August 2006

Tag 20 - Donnerstag 27. Juli 2006

Lake Louise- Columbia Icefield - Jasper

Piep, Piep. Es ist 6 Uhr am Morgen, auch wieder viel zu früh für einen Urlaubstag. Aber hier am Lake Louise gibt es eben eine Besonderheit. Die frühe Sonne bestrahlt den See und die dahinter liegenden Berge mit den Gletschern besonders malerisch. Mit etwas Bammel stehe ich auf und lüfte vorsichtig den Vorhang des Fensters. Ich kann meine Enttäuschung nur sehr schwer verbergen. Gestern Abend war noch das schönste Wetter, aber jetzt hängen dichte Wolken über den Bergen. Da hat ein frühes Aufstehen keinen Zweck. Also lege ich mich wieder hin und gebe meiner lieben Frau das Zeichen für Entwarnung. Auch sie kann noch etwas liegen bleiben. Aber nach einer halben Stunde ist es mit der Ruhe doch vorbei, Einschlafen geht nicht mehr und so mache ich mich fertig und überlasse Anja das Bad. Ich schnappe mir meine Kamera und verlasse das Hotel durch den Ausgang zum See.
Ich setze mich auf eine Bank und warte auf die Sonne oder wenigstens ein kleines Loch in der Wolkendecke, um schnell einen Schnappschuss anzubringen. Aber alles Warten nützt nichts. Es ist dunkel und grau und die Bilder geben nichts her. Um 7.30 Uhr sind wir im Zimmer fertig und machen uns gemeinsam auf den Weg zum See. Vielleicht haben wir jetzt das Glück, dass die Wolkendecke aufreißt. Ganz kurz lichten sich einmal die Wolken, die Sonne lugt aber nur teilweise hindurch. Dadurch entstehen aber schöne, punktuelle Lichtspots auf den Flanken der Berge. Mit dieser Ausbeute müssen wir uns eben zufrieden geben. Um 8.20 Uhr sind wir zurück auf dem Zimmer. Wir schnappen selbst unser Gepäck, marschieren zur Rezeption und checken aus. Wir dürfen für das Bier gestern Abend und die eine Nacht im Parkhaus für unser Auto insgesamt 65,92 Dollar bezahlen. Ohne Steuern sind das nur für das Auto 25 Dollar Parkgebühr – Unverschämt! Die Preise für das Frühstück in diesem Hotel wollen wir uns daher erst gar nicht ansehen. Ich hole das Auto aus dem vergoldeten Parkhaus und fahre vor das Hotel. Wir verzichten dankend auf die Hilfe der Gamsbarthutträger, da wir uns diese jetzt nicht mehr leisten können und fahren etwas verstört ab.
Um 8.30 Uhr stehen wir im Ort Lake Louise neben der Tankstelle vor einem Restaurant und hier gibt es auch Frühstück. Es sieht sehr rustikal aus, aber wir versuchen es trotzdem. Die freundliche junge Dame gibt uns einen Fensterplatz und die Karte. Das Mountain Breakfast mit Eggs any Style, Toast, Beacon und Hash Browns hat es uns angetan und es war sehr gut. Auch der Kaffeesupport klappte ohne weitere Aufforderungen. Die Wahl, hier zu frühstücken, war gut getroffen. Das Wetter schwächelt immer noch und so haben wir alle Zeit der Welt. Wir fahren um 9 25 Uhr vom Restaurant los und sind bereits 10 Minuten später am Kontrollhäuschen des Banff Nationalparks. Hier beginnt der berühmte Icefields Parkway. Diese Straße wird nur für Touristen zugelassen. LKW’s und sonstiger Lastverkehr haben hier nichts zu suchen. Es sind ein Auto, ein Motorrad und ein Radfahrer vor uns und es dauert keine Minute bis wir dran sind. Der junge Mann winkt uns freundlich durch, da wir den Zettel mit dem Parkpass an der Windschutzscheibe angebracht haben. Wieder fünf Minuten später sind wir auf dem Parkplatz am Herbert Lake. Hier habe ich 2002 bei bestem Wetter wunderschöne Aufnahmen von diesem See gemacht. Die Berge spiegelten sich messerscharf im kristallklaren Wasser und man konnte dicke Baumstämme tief unten auf dem Grund des Sees sehen. Heute ist es sehr bewölkt und grau und die Aufnahmen wirken überhaupt nicht. Deshalb fahren wir auch schnell weiter und stoppen am Crowfoot Gletscher kurz vor dem Bow Lake. Auch der Gletscher sieht bei diesem Wetter grau aus. Seinen Namen bekam er von den ersten Entdeckern, da seine Form an eine Krähenzehe erinnert. Leider ist das für uns nicht mehr so gut zu sehen, da vor etlichen Jahren die untere Zehe abgebrochen ist. Kurz hinter dem Gletscher, direkt sehr idyllisch am Bow Lake gelegen, halten wir an der Num-Ti-Jah Lodge und schauen uns ein wenig um. Leider wird nach kurzer Zeit diese wunderbare Stille durch einen Touristenbus gestört. Die schnatternden Japaner sind nicht das Schlimmste, aber der Busfahrer lässt wieder den Motor mit voller Drehzahl wegen der Klimaanlage laufen. Also ist wieder Abfahrt und so schleichen wir im Urlaubertempo bis zur Saskatchewan Crossing. Hier stoppen wir und halten Kriegsrat. Bis zum Cline River Heliport am Abraham Lake sind es gute vierzig Kilometer. Der prüfende Blick gen Himmel sagt uns, wir können es zumindest einmal versuchen. Inzwischen ist es wieder etwas wärmer und es sind vereinzelte Wolkenlücken zu sehen. Die vierzig Kilometer haben wir in einer guten halben Stunde geschafft und um 12.15 Uhr sind wir am Heliport. (Reisebericht nur über diesen Flug mit mehr Informationen und mehr Bildern - hier klicken)
Es ist nichts los, wir sind das einzige Auto auf dem Parkplatz. Aber die Tür steht auf und so muss jemand da sein. Wir betreten das Office und zwei sehr junge Ladies strahlen uns an. Da der einstündige Flug für zwei Personen sehr teuer ist, erkundigen wir uns zuerst nach den Wetterkonditionen am Columbia Icefield. Das ist einige Kilometer weg und dort in den Bergen kann das Wetter ganz anders sein als hier draußen vor dem Gebirge. Eine der jungen Ladies telefoniert mit irgendwem und erzählt uns, dass beste Flugkonditionen herrschen, nur die Gipfel des Snow Dome und des Mount Columbia seien wenige Meter in den Wolken. Also werden wir es wagen und das viele Geld für den Hubschrauberflug ausgeben. Ich bin bei der Bundeswehr und später auch auf der Düsseldorfer Kirmes mit einem Hubschrauber geflogen und fand es ganz toll. Für Anja war es das erste Mal. Nachdem die Formalitäten erledigt sind, müssen wir unsere vollständigen Personalien angeben. Wofür wohl :-) ??? Dann fragen uns die netten Ladies, ob wir einen deutschsprachigen Piloten bevorzugen, was wir sehr gerne annehmen. Wir haben noch 10 Minuten Zeit und ich filme die Helikopter und das schmucke Holzhaus mit dem Office. Dann hören wir plötzlich eine Stimme, die mit französischem Akzent fragt: „Sind Sie bereit?“ Es ist Fabrice, ein sehr gut aussehender Elsässer aus Colmar mit einem gewinnenden Lächeln. Sogleich ist unser mulmiges Gefühl in der Magengegend weg. Dieser sympathische Mensch wird uns schon sicher und heil wieder zurückbringen. Er gibt uns direkt in seinem Akzent die Sicherheitsbelehrung für den Hubschrauber. Wir müssen immer gebeugt auf das Fluggerät zu- und wieder weggehen. Der Rotor ist je nach Wind nicht immer waagerecht unterwegs. Auch dürfen wir auf gar keinen Fall den Hubschrauber nach hinten verlassen, da gibt es den gefährlichen Heckrotor, der wie ein Mixer alles zerkleinern würde. Nach dieser Belehrung müssen wir uns vor den Hubschrauber stellen und werden fotografiert. Danach steigen wir ein. Fabrice hat vorher bestimmt, dass Anja vorne neben ihm sitzt, der Charmeur, und ich darf - muss :-(( nach hinten. Wir krabbeln in die Maschine und schnallen uns an. Von außen sieht der Helikopter recht geräumig aus, hinten ist er jedenfalls sehr eng. Fabrice startet die Turbine und der Rotor beginnt langsam mit seinen Umdrehungen. Nach ca. drei Minuten haben die Rotorblätter ihre volle Leistung und um 12.40 Uhr heben wir ab.
Zuerst steigen wir langsam und schweben rückwärts. Kurz danach fliegen wir nun immer schneller werdend vorwärts zwischen See und Highway entlang. Kurz vor der Mündung des Cline River in den See biegt unser Pilot nach rechts ab und fliegt ganz langsam an Höhe gewinnend den Fluss entlang. Nach wenigen Minuten haben wir die Flughöhe von 3000 Metern erreicht. Es ist ein wunderbar ruhiger Flug ohne hektische Bewegungen in irgendeine Richtung. Über unsere Kopfhörer können wir alle mit Fabrice sprechen und hören auch seine Erklärungen über die Landschaft unter uns. Der Höllenlärm der Turbine direkt über uns und der Rotorblätter wird durch die Kopfhörer sehr gut gedämmt. Die ersten Minuten fliegen wir immer den Cline River entlang. Am Cataract Creek fliegt Fabrice eine leichte Rechtskurve. Hier sehen wir aus der Luft die Felsformationen der aufgeschichteten Erdplatten, die so vor hunderttausenden von Jahren ein Gebirge entstehen ließen. Danach überfliegen wir den Icefields Parkway und den Saskatchewan Gletscher. Wir sehen die schmale Eiszunge und können aus der Luft hier oben sehr gut sehen, bis wohin dieser Gletscher in seiner besten Zeit gereicht hatte. Es ist erschreckend, was hier in der Natur vor sich geht.
Kurz danach sind wir über dem Columbia Icefield. Rechts zweigt der Athabasca Gletscher ab, auf dem wir 2002 mit einer Snow Coach waren. Das Eisfeld ist bis zu 300 Meter dick und hat gewaltige Ausmaße. Geradeaus erahnen wir den nur leicht verhüllten Gipfel des 3520 Meter hohen Snow Dome Berges. Hier macht unser Pilot eine leichte Linkskurve und fliegt jetzt in südliche Richtung. Der höchste Berg ist der Mount Columbia mit 3750 Metern, der jetzt rechts von uns zu beobachten ist. Wir fliegen nun südöstlich immer auf der Grenze zwischen Alberta und British Columbia entlang bis zum Lyell Icefield und am 3505 Meter hohen Mount Lyell vorbei. Hier dreht Fabrice wieder auf nordöstliche Richtung und der Rückflug beginnt. Es geht wieder über den Parkway, wir sehen einige hochalpine Seen und wunderschöne Wasserfälle. Hinter dem Minster Mountain sind wir wieder im Tal des Cline River und ganz in der Ferne ist bereits wieder der Abraham Lake zu erkennen. Leider ist eine Stunde mit diesen tollen Erlebnissen sehr schnell vorbei. Fabrice fliegt eine leichte Kurve und nähert sich ganz langsam seinem Landeplatz am Heliport. Insgesamt gibt es hier drei Hubschrauber für Rundflüge. Die Bodencrew ist auch schon da und unser Pilot setzt die Maschine unmerklich auf den Boden auf. Die Crew öffnet für uns die Türen und schirmt den hinteren Weg zum Heckrotor ab. Gebückt verlassen wir die Landezone und gehen noch zum Office. Hier bekommen wir jeder noch eine Urkunde mit der geflogenen Route und wir können ein A 4 großen Druck des Digitalfotos kaufen. Stolze 20 Dollar soll es kosten, aber gegen den Flugpreis sind das jetzt nur noch „Peanuts“. Wir trinken einen Kaffee und nehmen ein paar Kekse, die hier als Service angeboten werden. Fabrice gesellt sich zu uns und wir unterhalten uns noch zehn Minuten mit ihm. Dann muss er aber weg, die nächsten Fluggäste warten bereits. Es sind zur Zeit alle Hubschrauber unterwegs. Wir trinken den Kaffee aus und verlassen das Office. Ich filme noch einen Hubschrauber bei der Landung, dann steigen wir in unser Auto und fahren zurück auf den Highway. Es war ein wirklich großartiges Erlebnis. Es ist jetzt kurz nach 14 Uhr und wir müssen die vierzig Kilometer zurück zum Icefields Parkway.
Um 14.30 Uhr sind wir wieder an der Saskatchewan Crossing. Wir parken und kaufen im Shop gekühlte Säfte und einige Knabbereien. Nach der kurzen Pause fahren wir weiter und halten am Saskatchewan Gletscher, den wir vorhin überflogen haben. Der nächste Halt ist dann am Icefield Center direkt am Athabasca Gletscher. Auch dieser hat sich enorm zurückgezogen. Beim Bau dieser Straße reichte er noch bis an sie heran, jetzt ist er mehr als 500 Meter weit abgeschmolzen. Hier beginnen die Gletscherfahrten mit den berühmten Snow Coaches. Das sind riesige Busse mit Allradantrieb und Monstertruckreifen. Diese fahren mit ihren Passagieren bis weit auf den Gletscher und dort kann man aussteigen und auf dem Gletscher herumlaufen. Dieses haben wir 2002 bei sehr schönem Wetter gemacht und da wir bereits genug Geld für den Hubschrauber gelassen haben, wollen wir diesmal nicht fahren. Also geht es weiter auf dem Icefields Parkway, auch vorbei an den Wasserfällen des Athabaska River und des Sunwapta River.
Um 17.30 Uhr sind wir im Jasper Inn, unserem Hotel für die zwei nächsten Nächte. Wir checken ein und bekommen Zimmer 411. Das Zimmer liegt im ersten Stock eines separaten Gebäudes und ist ein Raum mit einer offenen Empore, auf der ein sehr schmales Queen Bett steht. Unten gibt es eine kleine Küche, ein Sofa und einen Fernseher. Das Bett sehen wir als Problem an. Es ist für uns beide einfach zu schmal. Wir beschließen daher, uns an der Rezeption ein Zimmer mit zwei Betten zu organisieren. Nach einigem Hin und Her bekommen wir dann ein anderes Zimmer, die 302. Nachdem wir die Koffer eingeräumt haben versucht Anja, etwas von unserer gebrauchten Wäsche zu waschen. Dafür benötigt man Waschpulver und das bekommt man in dem Waschraum aus einem Automaten. Aber das blöde Ding nahm nur unser Geld, gab aber kein Gramm Waschpulver heraus. Das nächste Mal nehmen wir etwas Pulver von zu Hause mit. Um 20 Uhr machen wir uns auf den Weg zum Restaurant. Es liegt in der Mitte des Hotels und hat auch eine Außenterrasse. Da eine drückend schwüle Wetterlage ist, setzen wir uns auf die Terrasse und bestellen erst einmal ein Bier. Anja nimmt einen Salat mit Fleischstreifen und ich einen sehr leckeren Burger. Es ist angenehm im Freien und wir bleiben nach dem Essen noch etwas sitzen. Den Verzehr lassen wir dann auf die Zimmerrechnung schreiben und gehen um 22 Uhr in unser Zimmer. Im Fernsehen ist nichts vernünftiges und wir beschließen, Bettruhe zu halten.
Da haben wir aber die Rechnung ohne das Küchenpersonal gemacht. Direkt neben unserem Zimmerfenster zum Hof ist die Tür zur Küche und da scheint es jetzt ruhiger mit der Zubereitung der Speisen zu sein. Einer nach dem Anderen kommt aus der Küche, steckt sich eine Zigarette an und alle unterhalten sich lautstark über alles Mögliche. Da die Küchentür andauernd mit lautem Gepolter zufällt, ist an Schlaf nicht zu denken, allein der hoch kochenden Wut wegen schon nicht. Um 23.15 Uhr platz mir der Kragen. Ich öffne das Fenster etwas weiter und lasse einen lauten Fluch in die Richtung der Küchenbullen erschallen. Erst ein erschrecktes Murmeln noch zwei Türknaller und es ist Ruhe. Vor lauter Wut und Ärger kann ich aber nicht einschlafen. Ich nehme eine Schlaftablette, die ich mir vorsorglich in Anchorage gekauft hatte, und kann dann endlich schlafen.


 

 

 

 



Klick für große Bilder:


Morgenstimmung am Lake Louise


Mautstation


Kontrolle des Parkpasses


Der Crowfoot Gletscher

 

 


Num-Ti-Jah Lodge

 

 


Office am Heliport

 

 


Freundlicher Fabrice

 

 

Ein letztes Foto???

 

 

Start der Turbine

 

 

Pinto Lake

 

 

Die Rockys aus der Luft

 

Der Snow Dome

 

Das Lyell Icefield

 

Landeanflug - geschafft

 

Tolles Bergpanorama

 

Grenze zum Jasper Nationalpark

 

Jasper Nationalpark

 

Zufahrt zum Athabasca Gletscher