Anjas und Winfrieds Reiseseite
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Der Westen Kanadas

vom 20. Juli bis 06. August 2006

Tag 19 - Mittwoch 26. Juli 2006

Banff - Yoho NP - Lake Louise

Um 6 Uhr rappelt der Wecker. Eigentlich für einen Urlaubstag sehr früh, aber wir wollen ohne Frühstück kurz mal zur Sunshine Valley Road fahren. Hier hatten wir 2002 einen schönen grauen Grizzlybären beobachten können. Es gab damals auch noch Elks und eine Herde Dickhornschafe zu sehen. Die Sunshine Valley Road zweigt hinter Banff vom Trans-Kanada-Highway ab und führt ca. 9 Kilometer weit zu einem Skigebiet. Im Sommer fahren daher nur wenige Arbeiter und Betreuer der Anlagen dahin und die Tiere fühlen sich weitgehend ungestört und können mit etwas Glück von der Straße aus beobachtet werden. Leider kommen wir erst um 7.20 Uhr los und sind 15 Minuten später auf dieser Straße. Da keinerlei Verkehr ist, fahren wir ganz langsam immer leicht bergauf die Straße entlang. Ich will die Schilderung nicht unnötig ausdehnen, wir haben ein Erdhörnchen gesehen, sonst nichts. Um 8.17 Uhr sind wir enttäuscht wieder in unserer schönen Wohnung und es wird gemütlich und ausgiebig gefrühstückt.
Danach packen wir unsere Koffer, die ich gleich anschließend zum Auto bringe. Wir sind etwas wehmütig, hier wären wir gerne noch einen Tag länger geblieben. Na, vielleicht beim nächsten Besuch? Um 10.10 Uhr sind wir samt Auto an der Rezeption im Haupthaus und checken aus. Direkt danach geht es wieder auf den Highway in nördliche Richtung. Hinter dem Ort Lake Louise fahren wir in den Yoho Nationalpark. Die Parkgrenze ist auch gleichzeitig die Grenze zwischen Alberta und British Columbia. Wenige Kilometer hinter der Grenze ist der Aussichtspunkt für den unteren Spiraltunnel. Hier machen wir den ersten Fotohalt. Stativ, Kamera und ganz wichtig: eine Mütze. Es ist wunderbares Wetter und die Sonne schein erbarmungslos von einem wunderbaren blauen Himmel. An der vorderen Absperrung ergattere ich einen guten Platz, bringe mein Video-Equipment in Position und warte. Immer wieder steigt mir ein sehr unangenehmer Geruch in die Nase. Nur 20 Meter entfernt ist ein Toilettenhaus, welches wohl mehrere Tage nicht gereinigt wurde. Außer dem Geruch und viel Lärm, der von der Eisenbahnstrecke herüberweht, tut sich absolut nichts. Es ist weit und breit kein Zug zu sehen. Nach einer halben Stunde kommt aus dem oberen Tunnelportal eine Gleisbaumaschine herausgefahren. Das ist es also. Eine Baustelle im Tunnel und daher kein Zugverkehr. Ich bin sehr enttäuscht, es hätte bei diesem Kaiserwetter sehr schöne Aufnahmen gegeben. Aber so wird alles eingepackt und weiter geht es.
Wir fahren um 11.50 Uhr bis kurz hinter Field. Hier zweigt eine 13 km lange Straße ab, die immer entlang des Yoho River in ein wildromantisches Tal führt. Es gibt einige schöne Aussichtspunkte auf die Tunnels und auf Flüsse, die sich hier vereinigen. Der Eine führt klares Quellwasser, der Andere milchiges, sedimentdurchsetztes Wasser. Dann kommt eine Stelle auf der Straße, die Anjas ganzes fahrerisches Können fordert. Zwei enge Haarnadelkurven, die nur mit Rückwärtsrangieren bewältigt werden können. Wohnmobile kommen gar nicht um die Kurven. Schilder zeigen, dass die Wohnmobile den mittleren Teil rückwärts bergauf fahrend bewältigen müssen. Wir haben Glück, es kommt uns niemand entgegen, weder vorwärts noch rückwärts. Nach dieser Engstelle sind wir in einem wunderschönen Hochtal. Saftiges Grün leuchtet uns überall vom Straßenrand entgegen. Zwischen den eng stehenden Bäumen können wir schon von weitem den gischtenden Schleier des Takakkaw Falles sehen. Wir fahren in die ringförmig angelegte Parkplatzanlage und bekommen einen Platz direkt am Weg zum Fall. Als wir die Türen unseres Autos öffnen, hören wir bereits das donnerartige Grollen der riesigen Wasserkaskaden. Wir müssen noch ca. 300 Meter bis zur Brücke über den Yoho River laufen und stehen dann vor diesem gigantischen Naturschauspiel. Die Cree Indianer nennen den Fall „TA-kuh-koh“ was „es ist wunderbar“ bedeutet. Der höchste Punkt des Falls liegt auf 384 Meter über der Talsohle. Die Schmelzwasser des Daly Gletschers fallen über zwei Kaskaden ins Tal. Die untere Kaskade fällt 254 Meter frei nach unten. Damit ist der Takakkaw Fall der zweithöchste Wasserfall in Westkanada. Nur der Della Fall auf Vancouver Island ist noch höher. Hinter der Brücke führt ein schmaler Weg näher an den Fall heran. Je nach Windrichtung wird es hier aber gelegentlich recht nass, wenn die Gischt auf den Weg herübergeweht wird. Aber wir sind mutig und nähern uns dem Fall bis auf wenige Meter, da der Wind es gut mit uns meint. Es ist schon ein imposanter Anblick, wenn man den Kopf in den Nacken legt und nach oben blickt. Um 12.45 Uhr müssen wir leider wieder zurück, da es hier im Yoho Nationalpark noch mehr Sehenswertes zu bestaunen gibt.
Kurz vor dem Parkplatz gibt es noch Toilettenhäuschen, die wir aufsuchen. Bei den Männern war kein Andrang, aber bei den Damen hat sich eine kleine Schlange gebildet. Ich begebe mich zu unserem Auto und setze mich schon einmal hinein. Nach 10 Minuten ist Anja immer noch nicht da und ich werde langsam nervös. Ich steige wieder aus und laufe zum Toilettenhäuschen, aber nach kurzem Warten ist keine Anja zu sehen. Also gehe ich zum Auto zurück, starte und verlasse die Parkbucht. Dieser Parkplatz ist ringförmig angelegt und eine Einbahnstrecke. Kurz vor der Ausfahrt aus dem Parkplatz sehe ich meine bessere Hälfte. Strammen Schrittes folgt sie der Einbahnstraße in Richtung Ausfahrt. Sie hat sich verlaufen, war am unteren Ende des Parkplatzes statt nach links, wo nur 20 Meter weiter unser Auto stand, nach rechts abgebogen. Da hier unser Auto nicht zu sehen war, lief sie einfach geradeaus die ganze Runde, um zum Auto zu kommen.
Nach diesem Abenteuer fahren wir die gleiche Strecke zurück und auch der seltsame Serpentinenberg macht keine Probleme. Wieder in Field benutzen wir den Highway nur 3 Kilometer und biegen zum Emerald Lake ab. Vor dem See, kurz nach der Abzweigung, besichtigen wir die Natural Bridge, die Ausspülung eines mächtigen Felsens, durch den sich der Fluss einen Weg gebahnt hat. Das Tosen der Wassermassen ist auch hier gewaltig. Es ist jetzt 13.15 Uhr und die Hitze wird immer stärker. Es sind bestimmt wieder über 35° Grad Celsius. Aber wir sind tapfer, schalten die Klimaanlage im Auto etwas höher und fahren weiter zum Emerald Lake. Hier gibt es nur einen sehr kleinen Parkplatz und der ist natürlich voll. Auf dem Randstreifen der Straße wird eine Lücke frei, ich wende und zwänge unser Auto hinein. Von hier müssen wir aber noch 1000 Meter zurücklaufen und das in praller Sonne. Aber endlich sind wir am See. Es ist einfach toll hier. Eine schmale Holzbrücke führt über den Abfluss des malerisch gelegenen Sees, dessen sedimentgeschwängertes Wasser türkis in der Sonne funkelt. Die Brücke ist mit Blumenkästen geschmückt und führt zu einem Ausflugsrestaurant und einem Kiosk. Auch einen Kanuverleih gibt es hier und die roten Boote geben einen schönen Farbkontrast zur übrigen Umgebung. Wir spazieren über die Brücke und um das Restaurant herum. Hunger verspüren wir eigentlich nicht, jedenfalls nicht auf ein aufwendiges Mittagsmenü. Auch der seitlich am Restaurant angeordnete Kiosk spricht uns mit seinem Angebot nicht an. Wir verschieben die Nahrungsaufnahme daher auf den Ort Field, den wir anschließend aufsuchen wollen. Es ist sehr heiß und so machen wir schnell unsere Aufnahmen, versprechen aber wiederzukommen. Der Rückweg zum Auto und die Rückfahrt nach Field verlaufen ereignislos.
In Field stürmen wir direkt ins Visitor Center. Unser Parkpass gilt ja bald nicht mehr und wir rechnen aus, dass wir noch weitere drei Tage in den Nationalparks sind. Das kostet uns auch weitere 53,40 Kanadische Dollar. Neben dem Visitor Center gibt es eine Tankstelle mit „Trading Post“. Hier besorgen wir uns kaltes Wasser, Sandwiches und Eis am Stiel, wiederum für 12,72 Dollar. Nach einer erholsamen Pause im Schatten fahren wir wieder zurück in Richtung Lake Louise. Da es erst 15 Uhr ist, halten wir noch einmal an den Spiraltunnels. Es gibt immer noch Bauarbeiten und keine Züge, schade. Also weiter nach Lake Louise. Das ist nicht sehr weit, wieder zurück nach Alberta und rechts abgebogen. Im Ort fahren wir an der Stop 4 Way Straße geradeaus und den Berg hoch. Aber wir fahren nicht zum Parkplatz für die Touristen, sondern in die Einfahrt zum Hotel.
Hier steht ein kleines Wachhäuschen und es kommt ein Wächter in Seppelhosen und Gamsbarthut auf unser Auto zu und fragt nach unserem Namen und ob wir eine Reservierung haben. Wir bejahen und nennen unseren Namen. Er hat ein Sprechfunkgerät mit Kopfhörer und Mundmikrofon und gibt unsere Daten durch. Keine Minute später dürfen wir passieren und fahren weiter bis zur Hotelvorfahrt. Wir stehen vor dem berühmten Fairmont Chateau Lake Louise. Durch seine Lage am Lake Louise und das einmalige Bergpanorama gehört es zu den bekanntesten Hotels der Welt. 2002 hat hier sogar ein G 8 Gipfel mit Kanada als Gastgeber stattgefunden. Wir wollen wenigstens einmal eine Nacht in diesem Hotel verbringen – ein Traum wird für uns wahr. Wir werden aber etwas unsanft geweckt. Kaum habe ich das Auto zum Stehen gebracht, werden die Türen auf beiden Seiten von ebenfalls seppelartig angezogenen Bediensteten aufgerissen und man fordert höflich, aber bestimmt unser Auto. Wir haben gerade noch Zeit, unsere persönlichen Sachen, die wir dringend zum Einchecken benötigen, von den Rücksitzen zu klauben und schon ist der Wagen weg.
Es ist genau 16 Uhr und wir marschieren durch die großen Glastüren des Eingangs und stellen uns an der Rezeption an. Um 16.10 Uhr haben wir unsere Schlüssel für Zimmer 274 im zweiten Stock. Unsere schüchterne Frage nach unserem Gepäck und dem Auto wird wie folgt beantwortet: „Den Autoschlüssel bekommen Sie vom Bellboy und dem müssen Sie Ihre Zimmernummer mitteilen, dann bekommen Sie die Koffer auf Ihr Zimmer gebracht“. Die Theke des Bellboys befindet sich gleich rechts neben der Galatreppe zum Parkhaus. Hier bekommen wir unseren Autoschlüssel, da wir noch einige Sachen mit ins Zimmer nehmen möchten, hinterlassen unsere Zimmernummer und suchen den Zugang zu den Zimmern. Dieses riesige Hotel ist anfangs sehr unübersichtlich, wir finden aber dann doch noch versteckt hinter vielen Einkaufsläden und Cafes den Fahrstuhlbereich. Hier entdecken wir sogar noch einen hoteleigenen Briefkasten. Wir holen einen Aufzug ins Erdgeschoss und fahren die zwei Etagen nach oben. Hier müssen wir uns wieder an den Schildern zu den Zimmern orientieren. Unsere Suite liegt links. Wir traben los und nach mehreren stählernen, offen stehenden Feuerschutztüren finden wir den Raum. Wir ziehen unsere magnetische Schlüsselkarte durch den Türöffner und mit einem leisen Klack öffnet sich die Tür.
Wir betreten unser Zimmer und schauen uns um. Es ist ein ganz normales Zimmer amerikanischen Zuschnitts. Hinter der Tür rechts befindet sich die Nasszelle und im eigentlichen Zimmer stehen zwei größere Betten mit Konsole in der Mitte. An der linken Wand steht ein höherer Schrank, hinter dessen Türen sich der Fernseher befindet und die Ecke ziert ein runder Tisch mit Stehlampe. Das war’s. In anderen Hotels würde man dies als Standardzimmer bezeichnen. Das Fenster hat „Mountainview“, soll heißen, keinen Blick auf den See. Dieser Blick kostet etliche Dollar pro Nacht mehr, obwohl man Nachts ja gar nichts sieht ?. Um 16.30 Uhr klopft es dezent an der Zimmertür. Der Boy mit unseren Koffern ist da. Anja lässt ihn eintreten und er platziert unsere Koffer im Zimmer. Danach fragt er, ob wir noch etwas benötigen. Wir lassen uns für das Trinkgeld, was wir beabsichtigen zu geben, noch einen Behälter mit Eis holen. Um 17.15 Uhr schnappe ich mir meine kleine Kamera und erkunde das Hotel und die Umgebung. Ich filme die Lobby, die Flaniergänge entlang der fast zahllosen kleinen Läden und Geschäfte und bleibe staunend vor einem der Restaurants stehen. Hier gibt es in einem Holzgestell eine große Speisekarte, die automatisch umblättert und auch noch Reklame zeigt. Bei näherem Hinsehen erkennt man einen Plasmabildschirm, der hochkant in einem Mahagonirahmen angebracht ist und die Seiten der Speisekarte nacheinander in hoher Auflösung zeigt. Tolle Idee. Die Seeseite des Hotels liegt in voller Sonne und der Blumenschmuck kommt voll zur Geltung. Es ist wirklich sehr schön hier. Um 18 Uhr gehe ich wieder auf unser Zimmer. Anja war durch die große Hitze geschafft und hatte sich etwas hingelegt. Ich habe ebenfalls das Bedürfnis, mich ein wenig hinzulegen und so ist bis 19 Uhr Ruhe angesagt.
Wir holen das Auto aus der Garage und fahren in den Ort Lake Louise. Hier tanken wir unser Auto schon für den nächsten Tag voll. In einem Supermarkt kaufen wir einen 4 Liter Tank Mineralwasser und zwei Teilchen, die wir direkt vertilgen. Dann fahren wir noch einmal zu den Spiraltunnels. Die Bauarbeiten werden doch wohl nicht die ganze Nacht anhalten? Nein, sie sind eingestellt und ich komme gerade rechtzeitig, noch bei einigermaßen Licht einen Zug zu filmen. Es ist jetzt nach 20 Uhr und die Sonne ist bereits hinter den hohen Bergen verschwunden. Der Zug kommt von Field und quält sich mit seinen beiden Lokomotiven in den unteren Spiraltunnel hinein. Hier sind wir vor zwei Tagen mit dem Zug auch hinein gefahren. Nach 4 Minuten erscheinen die Kopflichter der Lok im oberen Portal des Spiraltunnels und der Zug überquert sich selbst. Einige Meter unterhalb der Loks fahren immer noch Waggons in den Tunnel hinein. Das ist schon eine tolle Ingenieurleistung. Dann wird es aber zu dunkel für gute Videoaufnahmen und wir fahren die knapp 25 Kilometer zurück zum Hotel und direkt ins Parkhaus. Auf dem Zimmer machen wir uns noch ein wenig frisch und suchen dann in diesem riesigen Hotel eine Bar.
Im Untergeschoss finden wir so etwas ähnliches und suchen uns eine ruhige Ecke. Das ist gar nicht so einfach, die Bar ist gut besucht. Dennoch bekommen wir einen schönen Ecktisch und bestellen ein Lager-Bier. Da wir uns vorher schon alle Utensilien besorgt haben, schreiben und frankieren wir die zweite Sendung Postkarten. Von diesem Hotel wollen wir mit dem Spezialstempel schöne Grüße an die Lieben daheim schicken. Das dauert so lange, dass noch ein zweites Bier dran glauben muss. Wir bezahlen 32 Kanadische Dollar dafür. Das sind dann umgerechnet 44 DM für vier Bier. Unglaublich, aber wahr. Eine kleine Reisegruppe von fast 15 Personen setzt sich an die Nebentische, rückt diese zusammen und mit der relativen Ruhe ist es vorbei. Es war ein langer und vor allem sehr warmer Tag und Morgen haben wir auch eine lange Strecke zum Fahren vor uns. Deshalb brechen wir um 23 Uhr auf und werfen unsere Postkarten in den hoteleigenen Briefkasten bei den Aufzügen ein. Um 23.15 Uhr ist dann für heute Schluss – Bettruhe.





 

 

 

 



Klick für große Bilder:


Trans Canada Highway


Takakkaw Falls 1


Takakkaw Falls 2


Takakkaw Falls 3

 

 


Natural Bridge

 

 


Emerald Lake 1

 

 


Emerald Lake 2

 

 

Kanufahren auf dem Emerald Lake

 

 

Wunderschönes Panorama

 

 

Spiraltunnel 1

 

 

Spiraltunnel 2

 

 

Spiraltunnel 3

 

 

Chateau Lake Louise 1

 

 

Chateau Lake Louise 2

 

 

Lake Louise vom Hotel aus gesehen

 

 

Unser Zimmer im Hotel

 

 

Die Speisekarte eines Restaurants

 

 

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