Anjas und Winfrieds Reiseseite
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Der Westen Kanadas

vom 20. Juli bis 06. August 2006

Tag 18 - Dienstag 25. Juli 2006

Banff und Kootenay Nationalpark

Der gestrige Tag war doch anstrengender als wir dachten, und so schlafen wir bis 8 Uhr. Da ich gestern Abend ausgiebig geduscht hatte, überlasse ich Anja großzügig das Badezimmer und wasche mich in der Dusche im Untergeschoß :-). Vorher setze ich den Kaffee auf und decke den Tisch vor dem Kamin. Wir frühstücken ausgiebig bis 10.10 Uhr. Es gibt Kaffee, frischen Toast, Cream Cheese und verschiedene Wurstsorten. Nach dem Frühstück schnappe ich mir meine Kamera und filme bei Kaiserwetter die Hotelanlage und die fantastische Bergwelt rund um das Hotel. Um 10.45 schlendern wir langsam zum Haupthaus. Der Shuttle steht bereit, diesmal fährt uns eine junge Frau und ich ziehe auch ehrfürchtig vor dem Metallbügel meinen Kopf ein. Es gibt nur noch eine weitere Passagierin und die Beiden unterhalten sich angeregt während der gesamten Fahrt. Kurz vor der Endhaltestelle in Banff frage ich unsere Pilotin, ob sie denn so freundlich wäre, uns zum Banff Springs Hotel zu fahren. Einen Geldschein halte ich gut sichtbar in der Hand. Dieses Luxushotel liegt doch sehr außerhalb des Ortes und wir hätten dahin ein Taxi benötigt. Es gibt kein Problem und die nette junge Dame setzt uns direkt vor dem Hotel an der Filiale von Hertz ab. Den Tip hat sie sich redlich verdient.
Um 11.20 Uhr sind wir am Schalter und zeigen unser Voucher für den Leihwagen. Der Herr von Hertz ist ein langer, sehr freundlicher Farbiger. Er hätte bestimmt auch Basketballspieler werden können. Er füttert einen Laserdrucker mit viel Papier, von dem wir auch einiges unterschreiben müssen und am Ende bekommen wir einen Autoschlüssel und eine Parkkarte überreicht. Der Wagen steht im Parkhaus des Luxushotels. Wir verlassen das Büro und suchen das Parkhaus. Es versteckt sich hinter einer großen Durchfahrt, die das Hotel von den übrigen Gebäuden abgrenzt. Das Auto soll in der untersten Etage stehen und ich wende wieder den Trick mit der Fernbedienung an. Gleich links in der ersten Reihe das zweite Auto meldet sich. Uns trifft wieder der Schlag. Am Schlüssel hatte ich schon das Fordzeichen erkannt, aber was da jetzt vor uns steht ist fast unglaublich. Es ist ein Ford Explorer der Extraklasse. Tiefschwarz, mit glänzenden Chromteilen an den richtigen Stellen, einem V 8 Motor und erst 5723 Kilometern auf dem Tacho. Solche geilen SUV’s fahren die Gangster oder die Tatortermittler in den amerikanischen Fernsehserien. Die Innenausstattung und die Sitze sind aus Leder und das Cockpit mit Wurzelholz verkleidet. Radio mit CD, Tempomat und Bordcomputer sind nur einige der Ausstattungsdetails. Hinten gibt es auch nur zwei Sitze und der Gepäckraum ist riesig. Sogar die Heckscheibe lässt sich elektrisch versenken.
Ehrfurchtsvoll steigen wir ein. Zuerst muss ich immer mit so einer Kiste fahren, Anja probiert ihre Fahrkünste lieber erst auf freier Strecke. Ich sitze also auf dem Fahrersitz und die Pedalerie ist enorm weit entfernt. Der Griff nach unten zu einer Sitzverstellung bleibt erfolglos. Ich steige wieder aus und nehme die Sonnenbrille ab. Es gibt keinerlei Hebel am Sitz, die auch nur andeutungsweise auf eine Verstellmöglichkeit hindeuten. In der nächsten Parkreihe wäscht ein junger Mann einen Wagen und ich vermute, dass der auch bei Hertz angestellt ist und spiele den dummen Touristen. Freundlich zeigt er mir in der Fahrertür eine Konsole mit vielen Knöpfen. Da kann man alles am Fahrersitz elektrisch verstellen. Rauf, runter, vor, zurück, Rückenlehne steil, flacher und noch viel mehr. Ich bedanke mich sehr freundlich, nehme Platz und spiele so lange mit den Schaltern bis alles passt. Danach starte ich den Wagen und lege den Hebel der Automatik auf „R“. Aber der Wagen bewegt sich nicht. Eine rote Lampe leuchtet und ein Pieper piept. Na so was! Was nun? Ein Handbremshebel ist nicht zu sehen. Da wir selbst Autos mit dem Stern fahren, fummle ich an der linken, unteren Konsole herum und suche den Hebel einer Feststellbremse. Nichts. Abgeschnallt und noch mal raus und wieder den jungen Mann vom Waschen abgehalten. Er kommt leicht grinsend noch einmal zum Auto und beugt sich ganz tief nach unten an die gleiche Stelle, an der ich vorher schon gesucht habe und zieht den Hebel der Bremse. Ich mache es vom Sitz aus nach, komme aber angeschnallt nicht an den Hebel.
Ich bedanke mich erneut und lege wieder den Rückwärtsgang ein und lasse das Fahrzeug nur mit der Automatik langsam aus der Parklücke rollen. Ganz langsam und vorsichtig fahre ich jetzt zur Ausfahrt des Parkhauses. Im Rückspiegel beobachte ich den jungen Mann wie er uns nachschaut. Er denkt vielleicht, ob er dieses Auto jemals heile wieder sieht? Egal, wir verlassen das Parkhaus und das Hotel und fahren vorsichtig nach Banff hinein. An so eine große Kiste muss auch ich mich erst gewöhnen, obwohl ich zu Hause gelegentlich einen Kleinlaster fahre. Aber in einem anderen Land mit einer anderen Sprache und anderen Verkehrsregeln riskiert man besser keinen Unfall. Wir kommen auch unbeschadet nach Banff und bekommen sogar einen Parkplatz direkt vor dem Postoffice. Wir brauchen Briefmarken für unsere zweite Sendung Ansichtskarten aus Kanada. Um 12.15 Uhr sind wir noch an der Banff Mall und bekommen auch hier mit Glück einen Parkplatz. Anja braucht noch Haarfestiger, wir sehen wieder einmal nach Magnesiumtabletten und kaufen wieder unsere großen Behälter mit Trinkwasser und die zugehörigen Trinkflaschen für die Mittelkonsole. Diese Einweg -Trinkflaschen gibt es mit einem speziellen Verschluss, den man auch während der Autofahrt bequem öffnen kann und die auch nachfüllbar sind. Am Ende der Reise werden sie dann entsorgt und belasten das Gepäck nicht. Der Einkauf dauert bis 13.08 Uhr und wir fahren nun direkt zum Kootenay Nationalpark.
Zuerst geht es über den sehr gut ausgebauten Trans Canada Highway Nr. 1, der hier doppelspurig auf jeder Seite ausgebaut ist. Wir verlassen an der Castle Junction den Highway und biegen auf die Straße 93 nach Radium Hot Springs ab. Es ist immer noch schönes Wetter. Blauer Himmel mit wenigen weißen Wolken. An der Continental Divide halten wir kurz an. Solche „Points of Interest“ gibt es viele und sie sind auch sehr gut ausgeschildert. Dieser hier beschreibt eine Wasserscheide in den Rocky Mountains. Zur einen Seite fließt alles Wasser in den Pazifik, zur anderen Seite über die Hudson Bay in den Atlantik oder in das Nordpolarmeer. Gleichzeitig ist es eine Grenze zwischen den beiden Nationalparks. Hier filmen und fotografieren wir „unser“ Auto zum ersten Mal. Wir fahren weiter zum Marble Canyon. Der ist aber leider geschlossen. Hier war vor einem Jahr ein Waldbrand und die Wege und Brücken sind wohl noch nicht wieder hergestellt.
Daher fahren wir direkt weiter zu den Paint Pots. Den Wagen stellen wir in gebührender Entfernung zu anderen Wagen auf den Parkplatz und cremen uns mit Sonnenschutzmitteln ein. Danach nehmen wir unser Equipment und marschieren los. Zu den Paint Pots ist es ein Fußweg von 30 Minuten durch einen Wald, über eine Hängebrücke und durch einen kurzen Sumpf. Am Beginn des Weges gibt es Hinweisschilder: „Caution – Bear in Area“. Da wir unsere metallenen Schiedsrichterpfeifen am Mann haben, laufen wir beruhigt los. Unterwegs begegnen wir Familien mit Kindern. Wenn es hier wirklich Bären gibt, hätten die sich bestimmt schon die leichtere Beute geholt. Außerdem sind wir kampferprobt und gestählt aus dem Abenteuer mit den Grizzly’s im Katmai Nationalpark hervorgegangen. Der Bär soll sich nur trauen, dann wird er was erleben, aber nicht überleben! Nach 15 Minuten Waldweg sind wir an der Hängebrücke über den Vermillion River, in den hier der Ochre Creek mündet. Die Brücke führt nur wenige Meter über den Fluss und ist mit starken Stahlseilen befestigt. Dennoch schwankt sie leicht beim Überqueren. Danach ist wieder ein kurzes Stück Wald und dann eine große Freifläche mit rot – brauner Erde und nur spärlichem Bewuchs. Der Weg führt mitten hindurch und an einigen exponierten Stellen gibt es Holzplanken, die bei großer Nässe das Weitergehen ermöglichen. Heute ist es aber trocken und wir kommen zügig voran. Am Beginn der Steigung zu den Paint Pots liegen noch einige Artefakte aus der Zeit herum, als hier noch um 1900 eine Ockermine betrieben wurde. Wir nehmen die kurze Steigung in Angriff und sind bei den Farbtöpfen. Dies ist eine alte, heilige Kultstätte der Indianer. Hier haben sie vor dem weißen Mann mit viel Tamtam die Farben für ihre Kriegsbemalung gewonnen. Es sind drei unterschiedlich große Vertiefungen, die allesamt voll Wasser sind. Es ist herrlich still hier und wir sind für eine geraume Zeit auch die einzigen Besucher. Währen des Filmens schaue ich schon mal hin und wieder über den Sucher hinaus, ob nicht doch heimlich und leise so ein schwarzer Geselle sich heranschleicht und ich mit voller Lunge in die Pfeife pusten muss. Keine Gefahr, es lässt sich kein Bär sehen. Aufpassen muss man aber trotzdem. Durch den Sucher sehe ich dann aber doch in dem großen Farbtopf einige kleine Ringe. Da hat sich doch von hinten eine Wolke angeschlichen und lässt nun ihr gespeichertes Wasser auf uns herabfallen. Das ist gemein und wir ziehen uns zurück. Auf dem Rückweg bleibt es allerdings trocken und bärenfrei.
Um 15.20 Uhr sind wir wieder am Auto. Es steht noch frei auf dem Parkplatz, trotzdem umrunden wir es erst einmal misstrauisch. Wir fahren mit schlechtem Gewissen weiter, weil wir noch keinen Parkpass für das Auto haben. Wer nur durchfährt, braucht den Pass nicht. Wenn man aber an den Aussichts- und Rastplätzen anhält, benötigt man einen Parkpass. Das ist kein richtiger Pass, sondern nur ein Zettel wie er bei uns aus dem Parkautomaten herauskommt. Da steht das Datum drauf, für das er gültig ist und wird mit Klebefilm (im Preis enthalten ?) an der Windschutzscheibe befestigt. Im Visitor Center der Kootenay Park Lodge gibt es den Pass zu kaufen. Zur Zeit kostet ein Tag 17,80 Dollar. Es ist jetzt bereits kurz vor 16 Uhr und dieser Tag ist fast zu Ende. Also kaufen wir den Pass für den nächsten Tag und kleben das Ding von innen an die Scheibe. So genau schaut kein Ranger hin, Hauptsache da flattert was. Es ist nun 15.40 Uhr und ein wenig Hunger haben wir schon, für ein richtiges Essen reicht es aber noch nicht. Wir kaufen uns jeder einen Schokoriegel, ein kaltes Getränk und ein paar schöne, glatt geschliffene farbige Steine. Es ist uns aber noch zu früh, um zum Hotel zurückzufahren. Daher wollen wir noch weiter nach Radium Hot Springs. Der Canyon vor dem Ort und die Durchfahrt sollen laut Reiseführer sehenswert sein. Für einen Besuch der schönen Therme ist es natürlich schon viel zu spät, da lohnt es sich nicht mehr, den vollen Eintrittspreis zu bezahlen. Auch das Wetter meint es nicht gut mit uns. Kurz vor dem Ort beginnt es zu regnen, und das auch noch heftig. Wir durchfahren aber wenigstens den Canyon, wenden kurz dahinter und fahren wieder zurück.
Am Kootenay Valley Viewpoint hat der Regen nachgelassen. Wir halten, filmen und fotografieren. Danach fährt Anja weiter. Hier ist so wenig Verkehr, dass sie sich gut an das große Fahrzeug gewöhnen kann. Wir stellen noch eine weitere Eigenart des Wagens fest. Wenn man den Schlüssel aus dem Zündschloss zieht, fährt der Fahrersitz elektrisch ganz in die hintere Stellung zurück. Wenn man wieder einsteigt und den Zündschlüssel einsteckt, fährt der Sitz wieder in die vorherige Stellung zurück. Anja hat aber jetzt meine Einstellung und muss nun umstellen. Die Programmierung für zwei Fahrer haben wir nicht gefunden und so müssen wir eben beim Fahrerwechsel jedes Mal den Sitz umstellen. Wir fahren gemütlich ohne Eile zurück durch den Kootenay Park und stoppen noch an einigen Stellen. Um 18.40 sind wir wieder an der Castle Junction, fahren aber nicht auf den großen Highway, sondern weiter auf den Bow Valley Parkway. Das ist die alte Straße, über die der Verkehr vor dem Bau dieses Highways rollte. 2002 fuhren wir ihn bereits und haben viele Tiere am Straßenrand gesehen.
Als wir uns der Stahlgitterbrücke über den Bow River nähern, sehen wir auf der Brücke ein großes Adlernest, aus dem zwei Köpfe herausschauen. Natürlich halten wir sofort an und zücken die Kameras. Aber von unten in ein Nest in 4,8 Metern Höhe hineinfilmen oder fotografieren? Es bleiben wirklich nur die beiden Köpfe übrig, da die Tiere nicht daran denken, das Nest zu verlassen. Wir fahren langsam weiter und schauen immer wieder nach links und rechts in den Wald hinein. Das können wir, denn es ist jetzt kaum Verkehr auf dieser Straße. Minutenlang kein Auto von vorn oder von hinten. Plötzlich stehen hinter einer Bergkuppe ca. 5 Fahrzeuge am Straßenrand und es laufen sogar Menschen hin und her. Ich schnappe sofort nach der Videokamera und schalte sie an, ohne irgendetwas gesehen zu haben. Anja hält langsam hinter dem letzten Fahrzeug und wir schauen in die Richtung, in die die Anderen ebenfalls schauen. Keine zwanzig Meter im Wald steht ein großer Schwarzbär und frisst genüsslich an einem Beerenstrauch herum. Ab und zu wandert er weiter zum nächsten Strauch. Eigentlich soll man ja nicht das Auto verlassen, aber die anderen Touris haben das scheinbar noch nicht gehört. Wir bleiben jedenfalls im Auto sitzen und filmen und fotografieren was unsere Kameras hergeben. Dann fahren wir noch ein Stück weiter vor die anderen Autos, da der Bär sich ebenfalls in diese Richtung bewegt. Hier warten wir ein paar Minuten und er kommt tatsächlich. Auf einer Lichtung mit etwas Sonne kann ich wunderschöne Aufnahmen mit dem 20-fachen Zoomobjektiv machen. Danach fahren wir weiter, sehen aber keine Tiere mehr.
Das letzte Rundfahrtschiff am Minnewanka See haben wir auch verpasst, werden aber diese landschaftlich wunderschöne Strecke dennoch fahren. Kurz hinter dem See grasen noch zwei riesige Hirschkühe, hier Elk genannt, direkt neben der Straße. Obwohl es jetzt schon langsam dunkler wird, müssen die beiden noch für weitere Aufnahmen herhalten. Es ist zwar erst 20.20 Uhr und für diese Sommerzeit eigentlich noch hell, aber die Sonne ist bereits seit einiger Zeit hinter den hohen Bergen, die rund um Banff in den Himmel ragen, verschwunden. Wir beschließen, unser Abendessen in Banff zu uns zu nehmen. Bei unserem Rundgang in der Banff Mall haben wir eine Filiale der Spaghetti Factory entdeckt und so war unser Entschluss vorher schon klar. Wir finden einen Parkplatz und betreten das Restaurant. Auch jetzt gibt es keinen Platz für uns. Wir müssen wieder 15 Minuten warten. Der Laden scheint überall zu brummen. Nach kurzen 10 Minuten bekommen wir einen Tisch mitten im Restaurant. Da wir im Visitor Center der Kootenay Park Lodge nur ein kaltes Wasser und einen Schokoriegel hatten, haben wir jetzt ordentlichen Hunger. Wir bestellen jeder ein Menü mit Suppe und Eis. Anjas Hauptgang besteht aus Spaghetti mit einer scharf-pikanten Tomatensoße, ich habe Spaghetti mit Meatballs. Es war hier genau wie in Vancouver einfach köstlich. Es ist jetzt 21.30 Uhr und wir sehnen uns nach unserer Couch vor dem Kamin mit einer Dose Bier in der Hand. Das setzen wir sofort in die Tat um und, da wir früh am nächsten Tag aufstehen wollen, gehen wir auch schon um 22.30 Uhr in unsere beiden Schlafzimmer :-)).





 

 

 

 



Klick für große Bilder:


Unser Hotel in Banff


Shuttle in den Ort


Unsere tolle Wohnung


Apartment 1266 im oberen Stockwerk

 

 


Ford Explorer V8

 

 


Wasserscheide im Kootenay Nationalpark

 

 


Hängebrücke

 

 

Eine wackelige Angelegenheit

 

 

Ockermine

 

 

An den Paint Potts

 

 

Radium Hot Springs

 

 

Kurzer Fotostopp

 

 

Greifvogelnest

 

 

Schwarzbär 1

 

 

Schwarzbär 2

 

 

Zwei Elk-Kühe

 

 

Minnewanka See am Abend

 

 

Dickhornschaf