Anjas und Winfrieds Reiseseite
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Der Westen Kanadas

vom 20. Juli bis 06. August 2006

Tag 16 - Sonntag 23. Juli 2006

Rocky Mountaineer Railtour Tag 1

Heute ist Sonntag, unser großer Tag. Wir werden mit einem der schönsten Züge der Welt fahren. Darauf haben wir uns seit 2002 schon gefreut. Damals haben wir diesen Zug kurz vor Clearwater auf seinem Weg nach Jasper gesehen und haben beschlossen, auch einmal mit diesem Zug zu fahren. Nur nicht nach Jasper, sondern durch die großartigen Rocky Mountains nach Banff. Und heute ist es endlich so weit. (Reisebericht nur über diese Zugfahrt mit mehr Informationen und mehr Bildern - hier klicken)
Der Wecker meldet sich bereits um 5 Uhr und diesmal geht ausnahmsweise Anja zuerst ins Bad. Um 5.40 Uhr bin ich dann an der Reihe. Als ich aus dem Bad komme, ist Anja schon angezogen und macht ihren Koffer zu. Auch ich folge diesem Beispiel und bereits um 6.20 Uhr verlassen wir unser Zimmer in Richtung Rezeption. Unser Zeitplan ist sehr knapp bemessen, da wir bereits um 7 Uhr an der Railway Station sein sollen, vorher wollen wir aber noch frühstücken.
Das Auschecken geht relativ zügig und wir bezahlen die Reinigung. Sogar für die Ferngespräche, obwohl mit Telefonkarte als „local call“ geführt, müssen wir hier bezahlen. Über die paar Cent kommen wir leicht hinweg und anschließend ziehen wir unsere Koffer zum Restaurant. Das hat noch geschlossen, es ist erst 6.25 Uhr. Wir warten vor dem schmiedeeisernen Gitter und stellen fest, dass wir nicht die Einzigen sind. Einige Gäste des Hotels wollen ebenfalls früh aufbrechen. Fast pünktlich öffnet das Restaurant und wir beeilen uns. Wir trinken nur eine Tasse Kaffee und essen eine Kleinigkeit. Nach 15 Minuten sind wir fertig, legen den „Tip“ auf den Tisch und schnappen unsere Koffer. Etwas wehmütig verlassen wir dieses sehr schöne Hotel und nehmen uns vor, beim nächsten Besuch in Vancouver 2008 wieder hier wohnen zu wollen. Vor dem Hoteleingang steht bereits ein Angestellter des Hotels und wir fragen nach einem Großraumtaxi. Zufällig parkt oder „lauert“ auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein Van-Taxi und er winkt es heran. Der Fahrer eilt aus dem Wagen und sehr schnell sind die beiden Koffer verstaut. Wir nennen ihm unser Ziel: Rocky Mountaineer Railway Station, Cottrell Street. Er kennt natürlich diese Adresse und fährt zügig los. Wir benötigen 12 Minuten durch die fast autofreie Stadt. Um diese Zeit schläft Vancouver an einem Sonntag noch. Um 7.05 Uhr sind die Koffer wieder aus dem Taxi und der Fahrer hat sein Geld.
Wir ziehen die Koffer in das Gebäude und zum Schalter der „Gold Leaf Class“. Es ist keiner vor uns und somit können wir direkt einchecken. Gebannt warte ich auf das Wiegen unserer Koffer, aber die werden nur mit Schildern an Gummibändern dekoriert und nach hinten geschoben. Kein wiegen! Ein Skandal! „Ich habe mir doch extra einen neuen Koffer gekauft“, wollte ich sagen, habe es aber heruntergeschluckt. Es ist ja auch egal, wir bekommen unsere Bordkarten und haben noch gute 20 Minuten Zeit bis zum Boarding. Anja setzt sich an einen Tisch und ich mache mit meinem kleinen Camcorder noch Aufnahmen vom Gebäude, den Schaltern und dem bereitstehenden Zug. Mitten in der Bahnhofshalle steht noch ein Karren mit Souvenirs. Da gibt es Caps mit dem Zugmotiv. Auch in Skagway habe ich mir 2004 von dem White Pass Zug eine Mütze gekauft. Also muss auch hier eine aktuelle erworben werden. Wir kaufen ansonsten keine, später nur als Staubfänger dienenden Mitbringsel. Mit 17 Dollar ist das gute Stück auch nicht gerade preiswert, aber was soll’s. Kurz vor 7.30 Uhr ist es dann soweit. Aus dem Lautsprecher ertönt eine nette Stimme die uns auffordert, zu den „Coaches“ zu gehen.
Wir haben den Waggon CB08 und müssen uns hinter dem Ausgang zum Bahnsteig links halten. Drei Waggonlängen sind es bis zu unserem. Es ist wie in den amerikanischen Filmen. Vom ebenerdigen Bahnsteig wird mit Hilfe von Tritthockern der Höhenunterschied zum Waggon überwunden. Rechts und links stehen Fahnen am Eingang zur Aussichtsplattform. Es ist die Rocky Mountaineer Fahne und die Fahne von British Columbia. Es dauert einige Minuten bis wir dran sind. Ein freundlicher Mann namens Rob kontrolliert unsere Bordkarten und spricht unseren Namen aus. „Wörsel“ hören wir und müssen schmunzeln. Ich lasse ein honoriges "yes" ertönen. „Thirtynine, Forty - Excellent, excellent“ schiebt Rob noch hinterher und wir erklettern den Waggon über den Tritthocker. Es geht nach rechts und eine holzvertäfelte Wendeltreppe nach oben. Jetzt sind wir im Aussichtswaggon. Über uns nur noch Glasscheiben, von vorne bis hinten. Unsere Sitze haben die Nummern 39 und 40 genau in der Mitte des Waggons. Wir nehmen Platz und verstauen unser Handgepäck in den Netzen am Vordersitz. Es gibt reichlich Beinfreiheit und die Sitze sind sehr bequem. Um 7.45 Uhr sind scheinbar alle Passagiere an Bord und der Zug bewegt sich. Er fährt auf die Stadt zu und wir sehen das Bahnhofspersonal mit den Fahnen winkend am Bahnsteigrand stehen. Der Zug hat 3 Lokomotiven. Zwei ziehen vorne am Zug und eine schiebt von hinten. Eine nette junge Lady verteilt an jeden Passagier Gläser mit echtem Champagner und wer möchte mit Orangensaft. Als alle Passagiere ihren Drink erhalten haben, stellt die Zugleiterin die Crew namentlich vor. Es sind Jennifer, Michelle, Stephen und Rob. Den Namen der Leiterin haben wir nicht mitbekommen. Jetzt dürfen wir mit der Crew einen Toast aussprechen und auf eine gute Fahrt anstoßen. An unseren Platz kommt Stephen und wir berühren unsere Gläser mit einem gut gemeinten „Cheers“. Das macht einen sehr guten Eindruck auf uns. Der Zug hält kurz und setzt sich danach in die entgegen gesetzte Richtung erneut in Bewegung. Ich habe schlimme Befürchtungen für die Weiterfahrt. Wir müssen nun noch eine der üblichen Sicherheitsbelehrungen zu den Notausgängen ertragen und der Zug stoppt erneut.
Als er sich dann endlich wieder in Bewegung setzt und auch an Fahrt zulegt, bin ich erleichtert. Jetzt fährt er wieder vorwärts. Rückwärts wären wir nicht gerne zwei Tage lang gefahren. Um 8.20 Uhr passieren wir Burrard Junction, wir haben den Bahnhofsbereich bereits verlassen und der Zug wird zunehmend schneller. Jetzt wird von Stephen unser Waggon in zwei Hälften geteilt. Die Trennlinie ist genau hinter uns. Die Passagiere dieser Reihen dürfen zuerst zum Frühstück in das Restaurant im Unterdeck gehen. Wir bleiben also sitzen und prosten den Leuten in unserer Reihe auf der linken Waggonseite zu. Sie lächeln freundlich zurück. Um 8.35 Uhr bekommen wir alle zum Trost und zur Überbrückung eine Tasse Kaffee und einen Blaubeermuffin serviert. Zwischendurch gehe ich immer mal wieder nach unten auf die Plattform, um Videoaufnahmen zu machen. Ich möchte diese einmalige Zugfahrt in allen Einzelheiten aufnehmen und zu Hause einen schönen Videofilm produzieren. Die Plattform ist leer, die Einen sind beim Frühstück und die Anderen sitzen vor ihrem Muffin.
Um 9.05 Uhr wird der Zug langsamer und ich schaue von der Plattform aus nach vorne. Es nähern sich drei gewaltigen Brückenbauwerke. Wir sind immer noch in Vancouver im Stadtteil New Westminster und die Brücken überqueren den gewaltigen Fraser River. Der Zug fährt über eine alte Stahlgitterbrücke, daneben die hohe Patullo Bridge des King George Highway und noch dahinter die neue Brücke für den Skytrain. Diese drei Brücken hatte ich vor drei Tagen aus dem Flugzeug im Landeanflug heraus gefilmt. Toll. Nach über einer Stunde ist der erste Durchgang mit dem Frühstück fertig. Ich bin rechtzeitig auf meinem Platz und da wir ja die erste Reihe sind, die nach unten darf, sind wir auch ganz vorne. Unsere Sitznachbarn sind vor uns im Restaurant und laden uns sehr freundlich ein, an ihrem Tisch Platz zu nehmen. Dieser Einladung folgen wir sehr gerne und wir bereuen es nicht. Wir stellen uns gegenseitig vor. Sie heißen Debbie und Martin und kommen aus Edinburg in Schottland. Da beide sehr aufgeschlossen und freundlich sind, entwickelt sich auch bald eine angeregte Konversation mit den Beiden. Wir bekommen zuerst einen Fruchtjoghurt und wieder Kaffee oder Tee. Ich bin der Einzige mit Kaffee. Danach können wir aus verschiedenen Frühstücksvariationen wählen. Wir entscheiden uns für das traditionelle amerikanische Frühstück und die Beiden nehmen etwas mit einer großen, sehr fettig aussehenden Bratwurst. Unser drittes Frühstück hier im Restaurant war jedenfalls ausgezeichnet. Mittlerweile haben wir die schöne Stadt Vancouver hinter uns gelassen und fahren am linken Ufer des Fraser River entlang.
Um 10.45 Uhr sind wir wieder auf unseren Plätzen im oberen Stock des Waggons und Rob kontrolliert noch einmal unsere Bordkarten. Da es am Abend noch ein Unterhaltungsprogramm mit Abendessen gibt, melden wir uns für die Lumberjack Show an. Das soll eine Show mit Holzfällern sein, die um die Wette mit extrascharfen Beilen reihenweise Baumstämme zerhacken, sogar auf dem Wasser. Dazu soll es ein zünftiges Bar-Be-Que geben. Unterwegs bekommen wir von Stephen oder von Jennifer immer wieder Informationen über Städte oder besondere Plätze an der Strecke über die Lautsprecher erzählt. Manchmal erschrecken wir uns, wenn einer der kilometerlangen Güterzüge an unserem Zug vorbei fährt. Da gibt es Tiefladewaggons, auf denen zwei Container übereinander geladen sind. Da wir selbst oben sitzen, rauscht der obere Container jedes Mal in Kopfhöhe an uns vorbei. Hinter Harrison Hot Springs und der Ortschaft Hope wird der Fraser immer wilder. In Hope wurde übrigens der erste Film „Rambo“ mit Sylvester Stallone gedreht. Die Stadt nannte sich im Film zwar anders, in einigen kurzen Szenen kann man den Namen Hope an Geschäften aber dennoch lesen.
Der Zug wird langsamer, es geht jetzt stetig bergauf und die steilen Hänge der Berge rücken immer näher zusammen. Die Schienentrasse ist direkt am steilen Hang des Flusses verlegt. Ich bin rechtzeitig auf der Plattform in Fahrtrichtung rechts und verlasse den Platz auch nicht. Ich möchte gern so viele spektakuläre Aufnahmen wie möglich machen. Es kommen immer mehr Fahrgäste von oben auf die Plattform, nur alle können keinen Platz an dem Chromgeländer haben. Fast alle haben kleine digitale Fotoapparate, mit denen sie meist kurzsichtig vor sich herumfummeln. Da man mit der Sonne und nicht gegen sie fotografieren soll, können sie auf den Displays meist nichts erkennen und schwenken wie wild hin und her. Unser Zug fährt auf den Gleisen der Canadien Pacific Railway Eisenbahnlinie. Erstaunlicherweise gibt es am gegenüberliegenden Hang noch einen Gleisstrang, den der Canadien National Eisenbahngesellschaft. Vor über hundert Jahren hatte man da wohl ein etwas übertriebenes Konkurrenzdenken, hier in diesem unzugänglichen Tal gleich zwei Eisenbahnlinien an die Hänge zu basteln. Hinter der Ortschaft Yale wird die Strecke immer steiler und es wechseln sich Brücken mit Tunnels und kurzen Felsabschnitten ab. Hinter Spuzzum quert der Trans Canada Highway Nr. 1 neben der Alexandra Suspension Bridge den Fraser River. Der Zug wird noch langsamer.
Hinter einer Biegung sehen wir jetzt das Hell’s Gate, das Höllentor. Das ist das erste echte Highlight dieser Zugfahrt und wird auch entsprechend von Stephen kommentiert. Wir sehen die schmalste Stelle im Fraser River, diese ist nur 35 Meter breit, aber über 100 Meter tief. Das Wasser schießt hier mit unglaublicher Wucht durch die Engstelle. Von Boston Bar aus kann man Rafting Touren mit großen Schlauchbooten hier durch unternehmen. Bestimmt auch ein tolles Erlebnis. Wir waren 2002 bereits im Juni hier und der Fraser River hatte noch sehr viel Schmelzwasser. Der Pegelstand war damals so hoch, dass die Fischtreppen komplett unter dem Wasserspiegel lagen und es wirklich einen „Höllenlärm“ durch das Rauschen des Wassers gab. Dagegen zeigt sich der Fraser River heute sehr brav. Unter uns ziehen die roten Dächer der kleinen Geschäfte und des Restaurants vorbei, in dem wir damals einen köstlichen, frisch gegrillten Lachs gegessen hatten. An dieser Stelle wächst erneut die Sehnsucht und heute kann ich schon verraten, dass wir auch 2008 wieder hier sein werden.
Weiter geht die Fahrt entlang des aufregenden Flusses. Immer neue spektakuläre An- und Aussichten ergeben sich. Nach weiteren wenigen Kilometern fahren wir zuerst durch einen Tunnel und direkt danach über eine Stahlgitterbrücke hoch über den Fluss. Nur wenige Meter weiter sehen wir ebenfalls eine noch höhere Brücke über den Fluss. Wir sind an Cisco Crossing. Hier wechseln beide Eisenbahnlinien jeweils ihre Flussseite und überqueren sich dabei selbst. Einfach nur einmalig gut. Es ist jetzt Mittagessenszeit und die anderen Passagiere sehen diese Bauwerke von ihren Plätzen im Restaurant aus. Hier auf der Plattform ist es jetzt unerträglich heiß. Auch in unserem Waggon ist es tierisch warm, obwohl die Lüftung auf vollen Touren läuft. Zehn Minuten später sind wir im Ort Lytton. Hier verlässt der Zug den Lauf des Fraser River und folgt dem Lauf des North Thompson River nach Kamloops.
Um 14.10 Uhr ist unsere Gruppe mit dem Mittagessen dran. Debbie und Martin halten uns wieder die Plätze an ihrem Tisch frei. Aber irgendetwas stimmt mit unserem Waggon nicht. Uns läuft der Schweiß nur so aus allen Poren. Auch unsere beiden Schotten kämpfen gegen die übermächtige Hitze an. Michelle stellt uns zu dem Weißbrot eine Metallschale mit Butter auf den Tisch. Die ist nach wenigen Minuten flüssig. Nach und nach erfahren wir von der Besatzung des Zuges, dass draußen 46° Grad Celsius herrschen und die Klimaanlage unseres Waggons kaputt ist. In diesem Moment bleibt der Zug auch noch stehen und es geht nichts mehr. Auch Rob und Michelle, die uns das Mittagessen bringen müssen, verlieren langsam die Haltung. Beide sehen sehr genervt aus. Nun aber zum kulinarischen. Als Vorspeise nimmt Anja einen Salat und ich nehme die Pilzsuppe. Als Hauptgericht wählt Anja die Pasta, für mich gibt es ein Bisonsteak mit geraspelten Kartoffeln. Es war ein Gedicht das Gericht, nur selten zuvor habe ich so leckeres Fleisch gegessen. Zum Nachtisch bekam jedes Paar eine Schokoladeneisenbahn mit den Rocky Mountains aus Kuchen. Das Ambiente hier im Zug ist wirklich nicht zu übertreffen. Fast die ganze Zeit während des Mittagessens hat der Zug gestanden und wir unter der Hitze gelitten.
Es ist jetzt 16.04 Uhr und der Zug bewegt sich wieder. Aber die Klimaanlage ist immer noch defekt. Die Crew macht uns das Angebot, dass wir in andere Waggons wechseln dürften. Aber was sollen wir in einem anderen Wagen noch stundenlang im Gang herumstehen? Also setzen wir uns in unsere Sitze und versuchen, keine heftigen Bewegungen zu machen. Eigentlich sollte der Zug um 17.30 Uhr bereits in Kamloops sein, aber nun ist auch noch eine Lok kaputt und wir sammeln fast zwei Stunden Verspätung an. Dadurch bedingt muss erst eine neue Lokomotivbesatzung hergebracht werden, denn die Gewerkschaft erlaubt eine Überschreitung der Arbeitszeit bei Lokführern überhaupt nicht. Der Zug tuckert dann irgendwann weiter und die Wolken nehmen bedrohliche Formen an. Die Strecke führt mal links und mal rechts am Flusslauf des North Thompson Rivers entlang. Die Landschaft wechselt von dicht bewaldeten Berghängen hin zu wüstenartigen Steppenlandschaften. Richtige Badlands. Kurz vor Kamloops um 18.10 Uhr bleibt der Zug erneut stehen. Wir bekommen Getränke und Kekse. Es beginnt zu regnen und ein Gewitter zieht auf. Da wir laut Aussage der Zugleiterin nicht vor 20 Uhr im Hotel sein werden, sagen wir die Lumberjack Show ab. Wir hätten so wie wir sind, durchgeschwitzt und dreckig zu der Veranstaltung gemusst. Wir nehmen lieber den Gutschein für ein Abendessen im Hotel.
Um 19.20 Uhr ist der Zug am Bahnhof in Kamloops. Es dauert eine ganze Weile bis wir endlich den stickigen Waggon verlassen dürfen. Draußen herrscht Waschküchenfeeling. Extrem hohe Luftfeuchte wegen des Regens und immer noch hohe Temperaturen. Mein Hemd bekommt sofort noch eine Ladung Schweiß ab. Wir quälen uns zu dem uns zugewiesenen Bus zum Hotel. Die beiden Schotten wollen die Show mitmachen und müssen zu einem anderen Bus. Wir wünschen ihnen viel Vergnügen und steigen ein. Der Bus hatte den Motor nicht laufen wegen der vielen Menschen hier am Bahnhof. Das finde ich grundsätzlich sehr gut, aber ein weniger warmer Bus mit laufendem Motor und eingeschalteter Klimaanlage….? Egal, auch das geht vorbei. So wie wir haben sich die meisten entschieden und dadurch ist der Bus zum Hotel rappelvoll. Um 20.15 Uhr sind wir endlich da. Wir bekommen an der Rezeption den Schlüssel für Zimmer 324 und bestellen direkt im Restaurant einen Platz für 21 Uhr zum Abendessen. Es ist ein älteres Hotel mit riesigem Charme. Der Aufzug ist nur für zwei Personen, knirscht und ächzt während der Fahrt und bringt uns in die zweite Etage. Eine halbe Treppe und einige Verwinkelungen später sind wir in unserem Zimmer. Oh Wunder, unsere Koffer sind schon da und auf dem Schreibtisch liegt sogar ein dickes Buch über die Geschichte unseres Zuges mit einem Entschuldigungsschreiben für die 46° Grad Außentemperatur. So etwas hätte es seit der Aufzeichnung der Wetterdaten hier noch nicht gegeben. Wir stürzen uns gleich auf die Koffer und holen unser Waschzeug heraus. Sofort ist die Dusche im Dauereinsatz und danach geht es uns einfach viel besser. Jetzt sind wir wieder Menschen.
Die Zeit ist knapp, wir müssen ja um 21 Uhr im Restaurant sein. Daher brechen wir bereits um 20.55 Uhr auf. Den Aufzug schenken wir uns, der hat uns vorhin zu viele komische Geräusche gemacht. Im Foyer sind schon einige Gäste anwesend, aber im Restaurant sind noch keine Plätze frei. Wir müssen also warten. Die Hotelleitung hat eine große Schale eines gekühlten Erfrischungsgetränkes bereitgestellt. Das nehmen wir sehr gerne in Anspruch. Um 21.20 Uhr hat das Warten ein Ende. Wir bekommen einen Tisch und die Speisekarte. Als Vorspeise gibt es für Anja einen Baby Green und für mich einen Ceasar’s Salat. Als Hauptspeise wählen wir Filet Mignon Black & White. Das war ein köstliches Stück Fleisch mit einer schwarzen und einer weißen Soße und mit Broccoligemüse. Zum Nachtisch bekommen wir ein Erdbeereis. Das Bier müssen wir bezahlen, das Essen war frei bzw. im Fahrpreis des Zuges inbegriffen.
Nach einer Stunde sind wir fertig. Wir gehen direkt vom Restaurant noch auf die Straße. Der Regen hat nachgelassen und es ist jetzt einigermaßen angenehm. Wir laufen die Victoria Street erst einen Block nach rechts und danach wieder zurück über die 4th Avenue, an der unser Hotel liegt, hinaus. Alle Geschäfte sind bereits geschlossen und nur aus einigen Bars dringt noch Musik auf die regennasse Straße. In den Pfützen auf den Gehwegen spiegeln sich die bunten Neonreklamen. Ab und zu zuckt noch ein kurzer, heller Schein aus den Wolken und lange danach hört man noch ein leises grummeln. Es ist jetzt 22.40 Uhr und die vielen Eindrücke des Tages machen sich bemerkbar. Vielleicht ist es aber auch das sehr gute, aber späte Essen. Wir sind müde und ziehen uns auf unser Zimmer zurück. Bettruhe.


Tag 2

 

 

 

 



Klick für große Bilder:


Bahnhofsgebäude RMRT


Wartehalle


Coach CB08


Stephen mit Champagner

 

 


Brücke über den Fraser River

 

 


Die Crew stellt sich vor

 

 


Unser Aussichtswaggon

 

 

Debbie und Martin

 

 

Nur vom Leckersten

 

 

Direkt am Abgrund

 

 

Der wilde Fraser River

 

 

Das Hell's Gate 1

 

 

Das Hell's Gate 2

 

 

Cisco Crossing

 

 

Containerzug

 

 

Schöne Aussicht

 

 

Der wilde North Thomson River

 

 

Michelle, schon etwas geschlaucht

 

 

Schoko-Eisenbahn

 

 

Wüstenartige Landschaft vor Kamloops

 

 


Gewitter in Kamloops

 

 

Der Bahnhof in Kamloops

 

Geschaffte Mitreisende