Anjas und Winfrieds Reiseseite
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Der Westen Kanadas

vom 20. Juli bis 06. August 2006

Tag 14 - Freitag 21. Juli 2006

Vancouver Teil 1

Auch hier in Kanada hat unser Wecker kein Erbarmen mit uns. Er piepst uns um 7.30 Uhr gnadenlos aus unseren Träumen vom schönen Alaska. Aber so ist das Leben, es geht weiter, auch hier in Kanada. Alles andere am Morgen wie sonst. Mit unseren Gutscheinen für das Frühstück bestückt gehen wir um 8.45 Uhr zum Restaurant, bekommen einen Tisch zugewiesen und eine Speisekarte gereicht. Da stehen für viele Dollar gute Frühstückskompositionen drin, aber wir haben doch die Gutscheine. Wir warten, bis der Kellner wiederkommt und seine Bestellung aufnehmen möchte. Wir zeigen ihm unsere Gutscheine und er nimmt uns die Speisekarte weg, brummelt etwas vor sich hin was wie „hätten die auch eher zeigen können“, verwies uns an das Buffet und entschwand. Das war uns aber egal und so machen wir uns abwechselnd über das sehr reichhaltige und üppig bestückte Buffet her. Anja nimmt viel Obst und Toast, ich kann aber den Rühreiern, dem Bacon und den hash browns nicht widerstehen. Das Kaffeenachschenken klappt ausgezeichnet und so gehen wir um 9.30 Uhr rundherum zufrieden zu einem ersten Ausblick mal kurz auf die Straße.
Es ist gnadenlos schönes Wetter und schon fast 28 Grad warm. Auf dem Zimmer rufen wir kurz in Deutschland an und cremen uns mit Sonnenschutz ein. Danach sind wir mit unserem Equipment, ich habe nur die kleine Videokamera mit, schon auf der West Georgia Street unterwegs. Zuerst laufen wir auf das Fairmont Hotel zu. An der Burrard Street biegen wir rechts ab, um zum Canada Place zu kommen. Hier auf dieser Straße gibt es viele Neubauten mit ganzflächigen Glasfassaden. Darin spiegeln sich die ehrwürdigen Gebäude der 20er und 30er Jahre wieder. Ein toller Anblick. Weiter überqueren wir die Hastings Street und die Cordova Street und stehen vor dem Canada Place. Das ist ein Hotel- und Ausstellungskomplex und es gibt hier auch noch ein IMAX Kino. Im Jahre 2002 waren wir bei genau so schönem Wetter schon einmal hier und hatten ein großes Kreuzfahrtschiff der Holland Amerika Linie, die Zaandam, gesehen. Heute ist kein Schiff hier und wir umrunden die Gebäude, die ganz in die Bucht hinausragen und genießen den Ausblick auf den Stanley Park und die Bergkulisse in Nord-Vancouver. Weiter geht es zum Bahnhof (Anlegestelle) des Seabus. Wir ziehen eine Karte aus dem Automaten und laufen bis zum Anleger mit den vielen elektrisch gesteuerten Türen. Die Fähre ist in der Mitte der Bucht und so dauert es noch 8 Minuten bis zu ihrer Ankunft.
Der Bus legt an und zuerst gehen die Türen der Gegenseite auf und die Passagiere steigen aus. Wenn der letzte Passagier die Fähre verlässt, schließen die Türen der Fähre sowie die Türen des Anlegers. Die beiden Türen auf unserer Seite gehen auf und wir können einsteigen. Eigentlich habe ich aus filmtechnischen Gründen auf einen der wenigen Sitze an der Frontscheibe spekuliert, aber eine Mutter mit drei Kindern steht vor mir und setzt ihre Sprösslinge genau da hin. Das Filmen macht hier eh keine Freude, da die drei so munter sind, dass der Ton hinterher weg geschnitten werden müsste. Der Seabus ist eine Art Wendekatamaran. Vorne und hinten und an beiden Seiten völlig gleich beschaffen. Er kann vorwärts wie rückwärts fahren und braucht so nicht zu wenden, nur der Steuermann in einer kleinen Kanzel oben auf der Fähre dreht sich zu einem anderen Steuerpult um.
Wir legen ab und die 15 Minuten dauernde Fahrt nach Nord-Vancouver beginnt.  In der Mitte der Bucht hat man einen ganz tollen Blick auf das Burrard Inlet, den Stanley Park und die Lions Gate Bridge. Wenn man Glück hat, fährt der Seabus ganz nahe an einem der großen Überseefrachter vorbei. Um 11.45 Uhr sind wir am Lonsdale Quay und steigen aus. Zur Rechten ist der Lonsdale Quay Public Market mit vielen schönen Geschäften und einem ganz tollen Foodbereich. Hier gibt es auch eine Haltestelle und man kann mit dem Bus Nummer 236 zur Capilano Suspension Bridge und zur Grouse Mountain Seilbahn fahren. Aber zuerst genießen wir die wunderschöne Aussicht von der Terrasse vor dem Market. Der Blick bei so einem Wetter auf die Skyline von Vancouver, auf den Park und die Brücke ist einfach unvergesslich schön. Das sollte man aber am Morgen oder am späten Nachmittag machen, da man sonst gegen die Sonne fotografieren muss. Wir schlürfen ein kaltes Getränk und sehen uns die tollen Obst- und Spezialitätengeschäfte an. In einem Gesundheitsladen fragen wir nach Magnesiumtabletten, aber die Dame versteht uns nicht oder aber so etwas gibt es hier nicht. Da es immer wärmer wird, wollen wir auch zurück in die Stadt. Gleich kommt eine Fähre und mit der fahren wir wieder nach Downtown.
Vom Seabus-Terminal aus durchqueren wir die Harbour Front Station und gehen über die Seymour Street direkt in den Harbour Center Tower, da das Gebäude klimatisiert ist. Es ist jetzt 12.45 Uhr und das Thermometer zeigt sich ganz nah an der 40 Grad Grenze. Wir durchqueren das Center und gelangen zum Fahrstuhl auf den Aussichtsturm. Wir müssen 11 Kanadische Dollar pro Person bezahlen, dafür gilt die Karte aber den ganzen Tag und wir können mehrmals fahren. Der Aufzug hat eine verglaste Front und so hat man während der Auffahrt eine tolle Sicht auf die Innenstadt in Richtung Süden. Oben angekommen erstürmen wir erst einmal den Imbiss. Wir kaufen Apfel- und Cranberrysaft und nehmen jeder einen untertassengroßen Schokokeks. Die Klimaanlage läuft hier oben auf vollen Touren und es ist schon fast zu kühl. Wir setzen uns vor den Scheiben auf die Barhocker und genießen die Aussicht auf den Canada Place und den Hafen. Nach der kleinen Pause drehen wir unsere 360° Runde um den Turm und fotografieren und filmen wie die Wilden. Es ist wolkenlos und am Horizont sieht man sogar den schneebedeckten Vulkangipfel des Mount Baker, der bereits hinter der Grenze in den USA liegt. Um 13.30 Uhr fahren wir mit einem der beiden Glasaufzüge wieder nach unten und wagen uns wieder in die warme Hölle.
Zur Water Street ist es nicht weit und die Dampfuhr wartet nicht auf uns. Es ist wirklich nur ein Block zu laufen und wir sind im Stadtteil Gastown an der Water Street. Diesen Ort bezeichnen viele als die Keimzelle Vancouvers. Hier gab es in der Mitte des 19. Jahrhunderts viele Sägewerke und ein gewisser John Deighton, den man wegen seiner Geschwätzigkeit „Gassy Jack“ nannte, gründete den ersten Saloon. Eigentlich sollte der neue Stadtteil nach Staatssekretär Granvill benannt werden, aber Gastown nach „Gassy Jack“ setzte sich in den folgenden Jahren durch. Wie fast alle Städte in Kanada ist auch Vancouver mit reichem Blumenschmuck verziert. An jeder Laterne hängen die schönsten Blumenampeln, bunte Fahnen überall und es gibt viele Bärenstatuen, die individuell von verschiedenen Künstlern gestaltet sind. So auch vermehrt hier in der Water Street. Die alten Bäume spenden Schatten und die Touristenläden laden zum Shoppen ein. Um 13.45 Uhr sind wir bereits an der Steam Clock, die erste dampfbetriebene Uhr der Welt, die zur vollen Stunde den bekannten Big Ben Schlag von Westminster mit ihren fünf Pfeifen zum Besten gibt.  Die Uhr wurde 1977 vom ehemaligen Bürgermeister Phillips den Bürgern von Gastown gestiftet. Die Uhr geht gewaltig vor. Es ist 13.48 Uhr und die Steam Clock zeigt noch eine Minute bis 14 Uhr an. Wir zücken die Kameras und suchen uns schnell einen guten Platz. Dann geht es aber auch schon los. Die Pfeifen sind verstimmt und eine stottert sogar, wenn sie an der Reihe ist. Die Uhr hat dringend eine Wartung nötig.
Nach diesem Desaster an der Uhr gehen wir weiter die Water Street entlang, an deren Ende die Statue von „Gassy Jack“ steht. Sicherlich hätte dieser sich über eine solche Bronzefigur gefreut, dass aber die Tauben sie als Toilette benutzen, wäre sicher nicht in seinem Sinne gewesen. Es ist nun mit 38° Celsius fast unerträglich und wir machen uns auf den Rückweg. Eigentlich wollen wir in der bekannten Spaghetti Factory zu Mittag essen, aber das Lokal platzt aus allen Nähten. Da wir kaum Hunger verspüren, laufen wir auf direktem Weg zum Hotel, leider immer leicht bergauf.
Um 14.45 Uhr sind wir im klimatisierten Hotel und in unserem Zimmer. Es ist uns nach etwas Ruhe zu Mute und so gammeln wir im Zimmer herum. Möglicherweise habe ich sogar ein paar Minuten geschlafen. Um 16.30 Uhr hüpfen wir unter die Dusche und das ist auch dringend nötig nach der Stadtwanderung. Da mein Koffer  am Griff kaputt ist und wir nicht so viel Gewicht mit in den Zug nehmen sollen, haben wir beschlossen, einen neuen Koffer zu kaufen. In den kaputten werden wir dann all die Sachen packen, die wir in den nächsten eineinhalb Wochen nicht benötigen. Diesen werden wir dann hier im Hotel beim Bellboy lassen und auf dem Weg nach Vancouver Island wieder abholen. Also rein in neue Klamotten und auf die Straße. Es ist immer noch stickig warm und so flüchten wir nur über die Straße und in den Eingang zur unterirdischen Mall vor dem Kaufhaus Sears. Neben den üblichen Läden in so einer Mall gibt es tatsächlich auch zwei Koffer- und Taschengeschäfte. Der neue Koffer soll möglichst die gleiche Größe wie der defekte Koffer haben und so einen zu finden wird schwer werden. Im ersten Geschäft gibt es jede Menge Koffer, aber keinen in der angepeilten Größe. Im zweiten Geschäft zeigt man uns einige Koffer, die das benötigte Volumen aufweisen. Diese machen aber alle einen billigen Eindruck und sind es auch. Unsere Überlegung geht aber in eine andere Richtung. Da wir noch mehrmals hierher reisen möchten, benötigen wir einen stabilen Koffer und der darf dann auch etwas kosten. Dieses teilen wir der Verkäuferin mit und sie zeigt uns einen silbergrauen Delsey mit allem Schnickschnack den man so braucht. Der Preis ist heiß, ganze 227 kanadische Dollar plus Tax. Macht 257 Dollar und das sind rund 180 Euro. Boah Eh, das müssen wir uns noch einmal überlegen. Wir versprechen der Verkäuferin, dass wir wiederkommen und sie legt den Koffer für uns zurück.
Auf dem Weg zum Sears Kaufhaus diskutieren wir über den Preis und wollen erst einmal sehen, welche Koffer zu welchem Preis Sears anbietet. Da wir noch kein Auto haben und uns in dieser großen Stadt auch nicht auskennen, haben wir nur eingeschränkte Möglichkeiten für einen Preisvergleich. Ich will es kurz machen, bei Sears gab es nur einfache Koffer, die auch nicht länger halten würden wie der, der zum einstweiligen Verbleib im Hotel bestimmt ist. Auf dem Absatz kehrt und zurück in den Laden, wo unser neuer Koffer auf uns wartet. Ich kaufe das edle Teil und bezahle mit der Kreditkarte. So belastet er unser Urlaubsspesenkonto nicht. Da Anja noch nach Taschen schaut, wen wundert das in so einem Laden, entdecke ich noch Kofferbänder. Wenn man am Transportband eines Flughafens steht und nach dem Koffer Ausschau hält, sieht man automatisch bei gleich aussehenden Koffern auf das Kofferband. Mittlerweile haben achtzig Prozent aller Reisenden regenbogenfarbige Kofferbänder, so das dieses Erkennungsmerkmal nicht mehr zieht. Hier gibt es ein gelbes, neonfarbiges Kofferband mit einer stabilen Schließung. Das gehört für 11,30 Dollar mir und ich zahle diesmal sogar bar. Auf dem Rückweg zum Hotel bleiben wir noch fasziniert vor einem Fernsehgeschäft stehen. Hier läuft von einem bekannten Hersteller ein Blue Ray DVD-Player an einem Full HD Plasmabildschirm. In Europa gibt es das 2006 noch kaum zu bestaunen. So etwas plastisches, fast 3D wirkendes Bild habe ich noch nicht gesehen. Nach 2 Stunden im Untergrund ist die Aktion „Koffer“ beendet.
Um 18.30 Uhr sind wir wieder im Zimmer. Der Koffer wird in der Ecke abgestellt und wir bereiten alles für den Gang zum Abendessen vor. Wir haben kaum etwas gegessen und freuen uns jetzt auf Gastown und die Spaghetti Factory. Da es nicht sehr weit ist, sind wir bereits um 19 Uhr da. Leider ist gerade wieder kein Platz frei und wir kommen auf die Warteliste. Nach 15 Minuten hören wir unseren Namen und wir folgen einer zierlichen kleinen Person zu unserem Platz. Der Tisch steht genau neben der alten Straßenbahn, die im Restaurant steht. Es gibt zuerst Eiswasser und ein Bier. Anja bestellt Spaghetti (was sonst) mit 3 verschiedenen Soßen. Ich nehme ein kleines Menü mit einer Minestrone, Lasagne (Garfield lässt grüßen) und hinterher ein köstliches Eis. Die Inneneinrichtung ist toll und das Essen schmeckt genau so gut wie in den Reiseführer-Tipps beschrieben. Da im Eingangsbereich immer noch viele Menschen warten, wollen wir unseren Tisch nicht unnötig lange blockieren, obwohl es uns ausgezeichnet gefällt.
Wir schlendern in der beginnenden Dämmerung die Water Street entlang und entdecken einen Souvenirladen. Der hat jede Menge Plates, Nummernschilder, im Schaufenster ausgestellt. Ich hatte ja in Seward bei „Once in a blue Moose“ schon ein Schild aus Alaska ergattert. Hier gibt es neue Schilder für die unbedarften Touris, aber auch echte gebrauchte mit Versicherungsplakette. Da muss gleich eines aus British Columbia und eines aus Alberta gekauft werden. Ich hätte gerne mehr gekauft, aber fast 24 Dollar für zwei gebrauchte, abgelaufene Schilder sind schon heftig. Man hofft ja immer, außerhalb einer Großstadt noch billigere zu bekommen. Um 20.20 Uhr sind wir noch einmal auf dem Aussichtsturm, die Karte gilt ja den ganzen Tag. Es ist wenig los und wir gehen langsam einmal ganz herum. Der eigentliche Kick ist ja die Fahrt mit dem Glasaufzug. Um 20.50 Uhr sind wir erneut im Zimmer und 15 Minuten später in der Bar. Unser Tisch am Fenster, den wir gestern hatten, ist frei und so setzen wir uns wieder hier hin. Zwei Lager pro Person werden vernichtet und als unser niedriger Flüssigkeitsspiegel wieder normal anzeigt, gehen wir mit einer weiteren Dusche gegen 23 Uhr zu Bett.


 

 

 

 



Klick für große Bilder:


Unser Hotel in Vancouver


Das Fairmont Hotel in Vancouver


Spiegelungen in der Glasfasade


Der Canada Bär in Lachs- Lackierung

 

 


Canada Place

 

 


Lonsdale Quay

 

 


Tolle Auslagen

 

 

Skyline von Vancouver

 

 

Der Glaslift nach oben

 

 

Blick von oben 1

 

 

Blick von oben 2

 

 

Blick von oben 3

 

 

Die Water Street

 

 

Steamclock 1

 

Steamclock 2

 


Gassy Jack Statue

 

Old Spaghetti Factory