Anjas und Winfrieds Reiseseite
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Der Westen Kanadas

vom 20. Juli bis 06. August 2006

Tag 13 - Donnerstag 20. Juli 2006

Anchorage - Vancouver Teil 2

Es ist 18.30 Uhr. Wir sind von Anchorage Alaska kommend in Vancouver Kanada gelandet. Fünf Minuten später liegen wir an Gate G 86 und müssen uns aus der Maschine quälen. Wir wissen überhaupt nicht wohin, aber da auf so einem Flug immer Passagiere sind, die sich auskennen, läuft man denen einfach hinterher. Ich nenne dies das Lemminge Prinzip. Unterwegs zweifeln wir aber an der Richtigkeit dieser These. Auf einem schier endlosen Galleriegang mit verglasten Seitenwänden, durch die man unter sich den Abflugbereich sehen kann, werden wir zum entgegen gesetzten Ende des Airports geleitet. Hier gibt es einige Rolltreppen nach unten und jede Menge Schalter der Passkontrolle. Wir müssen nicht sehr lange warten, der Flieger kommt ja aus dem befreundeten Nachbarland, und das sind für die Kanadier ja die Guten. Ein junger Mann, der asiatische Vorfahren hat, mustert unsere Pässe. Er fragt sehr freundlich das übliche woher und wohin und ist noch zu einem kleinen Smalltalk aufgelegt. Auch das lassen wir brav über uns ergehen und schwärmen von dem schönen Kanada, auf das wir uns riesig freuen. Das hat ihn überzeugt und wir dürfen weiter. Nach der Passkontrolle stehen wir in einer riesigen, fast unüberschaubaren Halle mit zahllosen Gepäckbändern. Es gibt aber eine große, gut lesbare Tafel mit den Flugankünften und wir sehen hinter dem Namen Anchorage die Nummer 21 unseres Bandes. Es ist gar nicht weit weg und wir sind sofort vor Ort. Es läuft zwar, es ist aber noch kein Koffer zu sehen. Da ich im Flugzeug nur sehr ungern die Toiletten benutze, benötige ich jetzt dringend einen Restroom und so lasse ich Anja mit einem Kofferkuli, den ich noch schnell besorgt habe, am Band zurück. Ausgerechnet die Herrentoilette ist ganz hinten in der Halle fast am Ausgang. Ich lege einen kleinen Spurt ein und bin nach kurzer Zeit wieder zurück. Das Beeilen war gar nicht nötig, es kamen zwar schon Koffer auf das Band, aber unsere waren noch nicht in Sicht. Um 19.05 Uhr sind die Koffer da, sie kommen sogar gleichzeitig an. Ich wuchte sie auf die Karre und schiebe diese quer durch die Halle zum Ausgang. Hier stehen einige Uniformierte herum, Schalter sieht man aber keine. Ob dies so eine Art Zollkontrolle sein soll? Wir werden aber nicht belästigt und sind schon hinter dem Ausgang. Vor uns stehen eine Menge Menschen, die alle ebenfalls auf ein Taxi warten. Das ist Fließbandabfertigung. Wir stellen uns schon auf eine etwas längere Wartezeit ein, da kommt so eine Art Taxi-Koordinator auf uns zu. Geistesgegenwärtig zeige ich auf unsere riesigen Koffer und verlange ein großes Taxi. In der zweiten Reihe steht ein Mini-Van, den er sofort heranwinkt. Der tamilische Fahrer hilft uns beim Einladen der Koffer und los geht es. Wir nennen dem Fahrer unser Ziel, das Crowne Plaza Hotel Georgia. Ich sitze vorne im Taxi und filme die Fahrt mit meinem kleinen Hochkantcamcorder. Kurz nach dem Flughafen auf dem Highway 99 beginnt unser Fahrer mit einem Telefongespräch. Geschickt lenkt er das Fahrzeug zwischen den drei bis vier Fahrspuren hin und her. Mal links, mal rechts wird überholt. Bei uns in Deutschland hätte der allein für unsere Fahrt den Lappen dreimal abgegeben. Langsam nähern wir uns den Vororten der schönen Stadt Vancouver. Der Highway 99 hat hier sogar einen Namen, Granville Street. An der Kreuzung zum West Broadway haben wir an einer Ampel rotes Licht. Dadurch kann ich das Straßenschild filmen. Vor vier Jahren mussten wir hier mit unserem damaligen Leihwagen rechts abbiegen und waren nach wenigen hundert Metern am Ramada Hotel, wo wir zwei Nächte waren. Aber von hier draußen musste man mit dem Bus in die Stadt und da wir noch keinen Leihwagen haben, wollen wir in ein Hotel in der Innenstadt. Die Ampel zeigt grün und die Fahrt geht weiter, das Telefongespräch aber auch. Drei Kilometer weiter überqueren wir die schöne Granville Bridge und biegen nach rechts auf die Seymour Street ab. Diese fahren wir bis zur Dunsmuir Street und biegen hier links ab. Das Gespräch des Fahrers ist nun auch vorbei und er konzentriert sich auf den Verkehr hier in der Innenstadt. Das wird aber auch Zeit, die Kotflügel anderer Autos kamen manchmal erstaunlich nahe. Die zweite Straße wieder links abbiegen in die Howe Street und noch eine weitere Querstraße weiter stehen wir dann vor unserem Hotel. Das Taxameter zeigt knapp 30 Kanadische Dollar an. Die Höhe war genau so in unserem Reiseführer beschrieben. Ich gebe dem armen Kerl wegen seiner horrenden Telefonrechnung 35 $ und er hilft noch eifrig beim Ausladen. Wir ziehen unsere Koffer zum Eingang an der Howe Street ins Hotel hinein. Der Haupteingang ist an der Georgia Street und deshalb heißt dieses Hotel auch Crowne Plaza Hotel Georgia. Die Rezeption ist gleich links und da überhaupt nichts los ist, können wir sofort einchecken. Außer den Schlüsselkarten für die Zimmer bekommen wir noch Gutscheine für dreimal Frühstücksbuffet und die Unterlagen für unsere Zugfahrt am Sonntag. Ohne dass wir danach gefragt haben – toll. Während wir einchecken hat ein eifriger Bellboy unser Gepäck auf eine Messingkarre mit den Überrollbügeln gepackt und ist damit verschwunden. Wir schauen uns etwas um und staunen nicht schlecht. Es ist wirklich ein ehrwürdiges Hotel mit Edelholzvertäfelungen an den Wänden, großartigen Lüstern an den Decken und einem beeindruckenden Marmorfußboden. Direkt gegenüber der Rezeption sind die Aufzüge zu den Etagen mit den Zimmern. Wir betreten einen freien Aufzug und drücken den Knopf mit der Zahl unserer Etage. Der Aufzug rührt sich nicht. Wir drücken den Knopf erneut. Keine Reaktion. Dieser scheint defekt zu sein, also raus und in einen anderen Aufzug. Trotz Drückens des Anforderungsknopfes kommt jedoch kein weiterer Aufzug. Der Andere steht immer noch mit offener Tür da. Ehe wir jetzt noch mehr Zeit hier verschwenden, frage ich lieber die Dame an der Rezeption, die uns eben so nett bediente. „Im Aufzug gibt es einen schmalen Schlitz, da müssen Sie Ihre elektronische Zimmerkarte hineinstecken und dann können Sie nach oben fahren“ bekomme ich als Auskunft. Gesagt getan, der leere Aufzug ist immer noch da und tatsächlich befindet sich unter den vielen Zahlen für die Etagen ein Schlitz. Die Schrift ist zwar durch das viele Putzen der Messingplatte unleserlich, aber wenn man weis, wozu er da ist, versteht man den Sinn von allein. Ich stecke meine Karte hinein, drücke den Etagenknopf und die Tür schiebt sich zu. Hurra, ein grandioser Sieg über die Technik. Zwar mit leichter Hilfe, aber immerhin. In unserer Etage angekommen, folgen wir der Beschilderung zu den Zimmern. Unseres hat die Nummer 1106 und ist das dritte links neben dem Aufzug. Auch hier stecken wir die Plastikkarte in den dafür vorgesehenen Schlitz des Mechanismus und, oh Wunder, auch diese Tür bewegt sich. Ein kurzes Klack und wir können die Türe öffnen. Wir betreten das Zimmer und schauen uns erst einmal um. Es ist nicht sehr groß, vielleicht knapp 20 Quadratmeter, hat aber zwei getrennte Betten, einen Fernsehschrank mit Schubladen, einen Schreibtisch und einen Wandschrank im Eingangsbereich zum Badezimmer. Traditionell sind in älteren Innenstadthotels die Zimmer eher kleiner, da Platz sehr teuer ist. In New York hatten wir einmal ein Hotelzimmer, da musste ich über das Bett von Anja klettern, wenn ich zur Toilette wollte. Unsere Koffer sind noch nicht da und so schnappe ich mir den Behälter für das Eis und gehe auf den Flur. Hier hatte ich vorhin beim Verlassen des Aufzuges das Hinweisschild zum Raum mit den Erfrischungsmaschinen gesehen. Auch diesen Raum kann man nur mit der Zimmerkarte betreten. Hier stehen zwei Getränkeautomaten und eine große Eismaschine. Ich fülle den Behälter zur Hälfte und mache mich auf den Rückweg. In diesem Moment kommen auch unsere Koffer und der Bellboy bringt sie in das Zimmer. Er bekommt seinen Tip und verabschiedet sich höflich. Mittlerweile ist es schon 19.48 und wir sind ganz schön platt. Ich lege mich erst einmal ein paar Minuten auf das Bett und studiere neugierig die Reiseunterlagen für die Zugfahrt am Sonntag. Mir fällt auf, das wir in den Zug nur Gepäck bis 30 Kilogramm für uns beide mitnehmen dürfen. Da müssen wir noch mal drüber diskutieren, aber nicht jetzt. Wir suchen noch ein paar Sachen für die Reinigung zusammen und nehmen sie mit zur Rezeption. Hier geben wir sie ab, nennen unsere Zimmernummer und ich erkundige mich danach, ob es möglich ist, einen Koffer für ein paar Tage hier im Hotel zu deponieren. Das ist überhaupt kein Problem und so gehen wir zum Restaurant des Hotels. Hinter einer schmiedeeisernen Einfassung befindet sich das Pult für den „Platzwart“, den Deskmanager. Wir fragen nach einem Tisch für zwei „Nonsmoker“ und haben die freie Auswahl. Keine weiteren Gäste sind im Restaurant und wir nehmen einen Tisch an dem schmiedeeisernen Gitter. Hier können wir direkt in die Lobby des Hotels sehen. Wir bekommen das obligatorische Wasser mit Eis und die Speisekarte. Als wir die Preise sehen verstehen wir, warum wir die einzigen Gäste sind. Anja bestellt Nudeln mit Shrimps und ich ein kleines Steak und dazu jeder ein Bier. Das Vergnügen hat fast fünfzig Dollar gekostet, es war aber das Geld wert. In der Zwischenzeit fand sich am Nebentisch noch ein weiteres Paar ein. Wir sind fertig und haben noch Lust auf ein bisschen Bewegung nach dem Essen. Wir verlassen das Hotel durch den Ausgang auf der Howe Street und laufen zunächst bergab in Richtung Harbourfront. Zwei Querstraßen weiter spüren wir doch die Müdigkeit und die Anstrengung der Reise des heutigen Tages. An der Dunsmuir Street biegen wir links ab und laufen bis zur Hornby Street. Hier wieder links und nun bergauf bis zur West Georgia Street. Erneut links, also einmal um den Block, und wir stehen vor dem anderen Hoteleingang. Da es jetzt um 22 Uhr noch sehr schwül und warm im Freien ist, betreten wir das klimatisierte Hotel und gehen noch in die Bar. Die liegt genau gegenüber dem Restaurant und wurde vorhin sofort von uns entdeckt. Auch hier ist nicht viel los und wir nehmen an einem Fenster Platz. So können wir direkt auf die Howe Street und den Nebeneingang unseres Hotels sehen. Wir trinken noch ein Bier und einen Campari Orange und genießen die Klimaanlage. Es dudelt leise Barmusik und der tonlose Fernseher mit dem üblichen Sportprogramm ist nur vom Tresen aus einsehbar. Aber um 23 Uhr siegt dann endlich die Schwerkraft und es zieht uns in die Horizontale. Wir begleichen unsere Rechnung und gehen zum Aufzug. Diesmal setzen wir allwissend unsere Plastikkarte ein und der Fahrstuhl bringt uns klaglos in unsere Etage. Es ist genau 23 Uhr und auch dieser Tag findet jetzt sein Ende.





 

 

 

 



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Kofferband in Vancouver


Willkommen


West Broadway


Granville Brücke

 

 


Crowne Plaza Hotel