Anjas und Winfrieds Reiseseite
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Abenteuer in Alaska

vom 08. Juli bis 20. Juli 2006

Tag 11 - Dienstag 18. Juli 2006

Talkeetna - Hatcher Pass

Eigentlich soll heute ein weiterer großer Tag werden. Wir wollen nach Talkeetna, um von da zum Mt. McKinley zu fliegen. Aber nach dem Aufstehen und dem ersten Kontrollblick gen Himmel schwant uns nichts Gutes. Aber da das Wetter sich sehr schnell ändern kann, vertrösten wir uns auf später. Um 8.15 Uhr gehen wir im Hotel zum Frühstück. Vor zwei Jahren hatten wir in einem spleenigen Family-Restaurant in Wasilla gefrühstückt und das hatte uns sehr gut gefallen, aber wir wollen nicht so viel Zeit verlieren. Da wir nach Talkeetna fast 100 Kilometer anreisen müssen, könnten sich bei Wetterbesserung Wartezeiten ergeben. Daher machen wir es uns im Restaurant nicht allzu sehr gemütlich und sind um 8.50 Uhr schon wieder im Zimmer. Kurz nach 9 Uhr sind wir auch schon unterwegs.
Nach 60 Kilometern fahren wir durch Willow. Durch Willow ist eigentlich zu viel gesagt, es müsste eher hindurch heißen. Wie alle kleineren Ortschaften hier in Alaska gibt es keinen Ortskern sondern nur ein paar Häuser an der Straße und Abzweigungen zu mehr oder minder großen Anhäufungen von Gebäuden. Es gibt ein Ortsschild und eine Geschwindigkeitsreduzierung, das war’s dann meistens aber auch. Nur den Ort Willow müssen wir uns merken, denn hier zweigt die Willow Fishhook Road zum Hatcher Pass ab. Wenn in Talkeetna ein Flug nicht möglich ist, wollen wir von hier zu diesem Pass weiterfahren.
Um 10.40 Uhr sind wir in Talkeetna. Wir suchen den Flugplatz und da die Firma Talkeetna Air Taxi. Die hatten wir auch schon im Internet besucht und von allen Anbietern diverser Flüge als die mit dem besten Angebot verschiedener Routen ausgesucht. An dem Tresen stehen zwei junge Mädchen, die uns erst nicht verstehen. Aber nach einigen Sätzen klappt es dann. Leider sind die Wetterkonditionen nicht so gut, dass man um den Gipfel des Berges fliegen kann, er versteckt sich wie fast immer in den Wolken. Fast 6200 Meter sind ja nun nicht gerade wenig. Da kann man auf den Mt. Blanc noch locker die halbe Zugspitze packen. Auch für den Nachmittag machen die Mädels uns keine große Hoffnung. Da es uns zu riskant ist, den halben Tag hier umsonst rumzugammeln, machen wir erst einmal eine Ortsbesichtigung und werden danach weiterfahren.
Der Ortskern ist eine National Historic Site, es gibt einige denkmalgeschützte Gebäude. Zu den ersten gehörte „Nagleys General Store“, das „Fairview Inn“ und „The Roadhouse“. Nachdem wir die East Main Street einmal runter und wieder hoch gelaufen sind, kehren wir in Tanners Trading Post, einem Restaurant mit Coffee-Shop, ein. Es ist erst 11 Uhr und da wieder ein gutes Abendessen im Hotel geplant ist, halten wir uns auch essenstechnisch zurück. Nur von der Vielfalt der Kaffeesorten werden wir erschlagen. Wir entscheiden uns für einen ganz normalen Kaffee und füllen diesen dann an der Zubehör-Bar mit viel Milch und etwas Zucker auf. Einen Keks nehmen wir auch noch, vorsichtshalber. Auf dem Rückweg zum Auto hören wir einen Zug hupen. Ich beeile mich, um die zweihundert Meter zum Bahnhof vor dessen Ankunft noch zu schaffen. Aber bevor ich die Kamera im Anschlag habe, ist die Lok schon vorbei. Und Waggons von der Seite und hinten will ich nicht filmen. Also alles wieder eingepackt und schmollend zum Auto gelaufen. Wir fahren die Talkeetna Spur Road zum Parks Highway Nr. 3 zurück. An der Einmündung gibt es eine Tankstelle. Die ist immer sehr gut besucht, denn in alle Richtungen ist sie für viele Kilometer die Einzige. Da wir vorhaben, über den Hatcher Pass zu fahren, tanken wir zur Sicherheit auch voll. Ich reinige noch die Frontscheibe und danach fahren wir die 35 Kilometer zurück nach Willow.
Um 12.15 Uhr biegen wir in die vorher schon entdeckte Willow Creek Fishhook Road ein. Das große Schild für diese Straße muss natürlich gefilmt werden. In Reisebüchern wird diese Straße als landschaftliche Perle beschrieben, gilt aber auch als Herausforderung an Material und Mensch. Dies vor allem an Regentagen. Da soll die Straße fast unpassierbar sein. Aber es ist trocken, bewölkt mit kleinen Wolkenlöchern und so wagen wir dieses Abenteuer. Die ersten 10 Kilometer sind wunderbar zu fahren. Asphaltierte Fahrbahn und reichlich Platz für Gegenverkehr. Aber dann ist die Fahrbahndecke plötzlich weg und es beginnt eine Gravel Road. In den Schotter haben sich tiefe Spurrillen eingegraben und dann folgt auch noch Schlagloch auf Schlagloch. Zu allem Überfluss kommen uns auch noch Autos entgegen. Hier hinter Willow wohnen tatsächlich auch noch motorisierte Menschen. Da hilft nur stehen bleiben um den erfahreneren Autofahrer vorbei zu lassen. Es geht jedes Mal gut und diese Passage ist auch bald vorbei. Als kein Haus mehr in Sichtweite ist, haben wir wirklich eine grandiose Landschaft vor uns. Ein stilles Tal mit Baumbewuchs, niedrigen Gebüschen, leise plätschernden Gewässern und blühenden, uns weitgehend unbekannten Blumenarten. Auch die absolute Stille ist fast einmalig. Kein Hintergrundgeräuschpegel wie bei uns in Europa. Kein Flugzeug, keine Bahn, keine Autos und kein Menschengeschnatter. Wirklich absolut still. Nur hin und wieder einmal ein leises Vogelzwitschern. Wir halten an verschiedenen Stellen und machen wunderschöne Aufnahmen von Wollgras und wilden Rosen. Die Straße wird auch etwas besser. Sie ist nun fest gefahrener Lehm, hat aber jede Menge Schlaglöcher, die müssen mühsam umkurvt werden. Deshalb geht es nur langsam vorwärts.
In einem kleinen Wäldchen habe ich direkt am Straßenrand ein Ptarmigan, ein Schneehuhn im braunen Sommergefieder, entdeckt. Da es auf meiner Fahrerseite hockt, habe ich sofort die in der Mittelkonsole immer bereitliegende Videokamera geschnappt und es gefilmt. Danach gibt mir Anja ihre digitale Spiegelreflexkamera, damit ich den Vogel fotografieren kann. Sie will nicht aussteigen, um das Tier nicht zu erschrecken. Womöglich wäre es dann sofort geflüchtet. Ich habe gerade das Tier fokusiert und will den Auslöser betätigen, als es im Sucher hell wird. Direkt neben uns, genau zwischen Kamera und Vogel, hält ein weißer Geländewagen mit amerikanischen Touristen. Sie meinen es sehr nett und fragen, ob wir eine Panne haben und sie uns helfen können. Wir verneinen und bedanken uns für das Angebot. Sie fahren weiter und als sie vorbei sind, ist unser Ptarmigan natürlich weg. Aber ich habe ja wenigstens die Videoaufnahmen. Für Anja ist das kein Trost, sie ist etwas ärgerlich, aber es ist nun mal passiert und nicht mehr zu ändern. Wenn wir wirklich eine Panne gehabt hätten, wären wir bestimmt dankbar für die angebotene Hilfe gewesen. Wir fahren weiter und wir müssen uns wirklich zusammen nehmen, damit wir nicht an jeder Stelle anhalten. Hinter jeder Biegung erschließen sich neue Panoramen und Ansichten. Jetzt ist es bereits 14.30 Uhr und wir haben gerade einmal die Hälfte der Strecke geschafft. Die Landschaft erleichtert uns nun die Weiterfahrt. Da die Straße stetig bergan führt, wird die Pflanzenwelt immer karger. Die Bäume verschwinden bald ganz und die Büsche weichen ebenfalls niederen Sträuchern. In einem Hochtal sehen wir an einem steilen Felshang die Reste einer Goldmine. Eine Bretterbude und ausgeworfenes Gestein ist alles, was da von einem Traum übrig geblieben ist.
Die Straße wird schlimmer. Die Häufigkeit und die Tiefe der Löcher nimmt zu. Zudem wird es immer steiler. Der letzte Abschnitt vor dem Hatcher Pass erinnert an den Zirler Berg bei Seefeld in Tirol, nur eben aus löchrigem, fest gefahrenem Lehm. Jetzt sind wir ganz zufrieden, dass wir uns für einen Allrad angetriebenen Geländewagen entschieden haben. Oben auf dem Hatcher Pass gibt es Parkplätze und einen Gipfel. Wir halten kurz und schauen uns um. Hier ist es wie in unseren Alpen. Ein idyllisch gelegener See (Teich) und nackter, schroffer Fels um uns herum. Nach den Panoramablicken fahren wir weiter. Direkt hinter den Serpentinen des Hatcher Passes gibt es wieder eine wohltuende Asphaltdecke auf der Straße. Da wir die Indipendent Mine schon kennen, fahren wir vorbei und direkt zur Lodge. Hier gibt es eine gemütliche Kaffeestube und nun spüren wir doch ein leichtes Rumoren in der Magengegend. Wir kehren ein und freuen uns über eine nette, junge Bedienung. Wie wir erfahren, hat das Mädchen noch eine Oma in Deutschland, spricht aber selbst kein Wort unserer Sprache. Wir bestellen uns jeder einen Kaffee und dazu diesmal nur ein Stück Apfelkuchen. Das reicht auch und nach einer guten halben Stunde sind wir wieder fit.
Um 16 Uhr machen wir uns dann auf die Weiterfahrt nach Wasilla. An dem Bach, wo wir vor zwei Jahren einen schönen, laichbereiten Lachs beobachten konnten, halten wir noch einmal. Diesmal ist außer gischtendem Wasser nichts zu sehen. Bald sind wir wieder in der Zivilisation, wie wir an den immer zahlreicher werdenden Häusern erkennen. Kurz vor dem Ort Wasilla ist eine Baustelle. Stopp-Frauen regulieren hier den Verkehr. Als wir dran sind, dürfen wir nur rechts abbiegen. Eigentlich müssen wir gerade aus, aber das geht nicht. Wir vertrauen auf eine weitere Beschilderung und fahren den vorausfahrenden Autos hinterher. Die biegen nach circa 5 Kilometern alle links ab. Wir also auch hinterher. Ein Schild ist natürlich nicht zu sehen. Die Einheimischen kennen sich ja aus und die 3 Touristen im Jahr sollen sehen, wo sie bleiben. An der nächsten Kreuzung fahren die meisten wieder links und so folgen wir ihnen wieder. Auf einmal ist keiner mehr vor uns und nach einer Straßenbiegung nach links erkennen wir die Stopp-Frau von vorhin. Wir sind im Kreis gefahren. Au weh! Aber alles klagen nützt nichts. Wir müssen ja zu unserem Hotel und eine genaue Straßenkarte von diesem Vorort haben wir nicht. Aber da wir vorhin rechts abbiegen mussten, wollen wir jetzt natürlich links, um einen neuen Versuch zu wagen. Wir warten, bis wir dran sind und uns die Stopp-Frau winkt. Ich fahre das Fenster herunter und halte direkt neben ihr und frage nach Wasilla und dem Lake Lucille. Das ist dieser Frau in ihrer Funktion noch nicht passiert. Sie wird von einem Ausländer nach dem Weg gefragt. Sie fängt sich aber recht schnell und erklärt uns, dass wir immer nur geradeaus fahren müssen. Wenn die Straße zu Ende ist, links und nach hundert Metern rechts zu unserem Hotel. Wir bedanken uns freundlich und weiter geht es. Hinter uns gibt es einen kleinen Stau, ist ja jetzt auch Rush Hour hier in Alaska, aber der wird sich bestimmt bald auflösen.
Wir fahren wieder die 5 Kilometer, strafen aber die links abbiegende Straße mit bösen Blicken. Tatsächlich endet unsere Straße auf dem Parks Highway am Ortsende von Wasilla und wir sind kurz nach 17 Uhr am Hotel. Wir bleiben erst einmal draußen und machen einen kleinen Rundgang um das schöne Hotel. Das liegt wie beschrieben direkt am Ufer des malerischen Lake Lucille. Es gibt einen Badesteg und einen Anlegesteg für kleine Boote und die üblichen Wasserflugzeuge. Ganz eilige und betuchte Menschen können sich direkt von Anchorage bis vor das Hotel fliegen lassen. Nachdem wir schöne Bilder und Videoaufnahmen gemacht haben, gehen wir auf unser Zimmer. Wir beschließen, heute nicht im Restaurant zu Essen, sondern in der Bar. Da gibt es auch Kleinigkeiten, wir sind von den letzten Tagen noch satt. Also wieder die Akkus laden, Büroarbeit verrichten und ein wenig relaxen.
Um 19.30 Uhr gehen wir dann in die Bar. Anja möchte nichts Warmes, sie bestellt einen Wurstteller mit Brot und Crackern. Ich nehme ein Steaksandwich. Dazu gibt es wieder unser geliebtes Alaskan Summer Bier. Da das Essen hier schnell serviert wird, sitzen wir schon um 20.15 Uhr am Tresen. Hier ist es gemütlicher als an den abseits stehenden Tischen. Nach einer Weile setzt sich ein Mann neben uns an die Bar. Er hört unsere in Deutsch geführte Unterhaltung und stellt sich plötzlich vor. Er heißt Andre’ Glöckner. Er ist Deutsch-Amerikaner und in Chicago mit einer Amerikanerin verheiratet und hat eine Tochter. Er ist hier in Wasilla im Krankenhaus tätig und stellt für seine Firma einen neuen Kernspin-Tomographen auf. Er hofft, in ein paar Tagen fertig zu sein und am Wochenende zu seiner Familie fliegen zu können. Er zeigt uns ganz stolz das übliche Familienfoto und wir beglückwünschen ihn überschwänglich. Das macht man hier in den Vereinigten Staaten so, das wird als große Höflichkeit anerkannt. Wir brauchen uns aber auch nicht zu verstellen, das Bild von der Familie ist wirklich sehr schön. Andre’ muss schon lange in den Staaten sein, hin und wieder ringt er nach dem richtigen Wort in unserer Unterhaltung und auch wir bemerken, dass wir etwas deutlicher und langsamer sprechen. Leider haben wir uns nicht gemerkt, wie lang er schon hier ist oder er hat es uns nicht gesagt. Egal, es war trotzdem ein netter Abend. Andre’ saß rechts von uns an der Bar und links hatten es sich ein paar Mitglieder einer Motorradreisegruppe gemütlich gemacht. Einer von ihnen war ein allein reisender Deutscher, das hatten wir schon am Vorabend mitbekommen. Er reckte immer den Kopf in unsere Richtung, hat sich aber nicht getraut, sich an der netten Unterhaltung zu beteiligen. Nun ja, er kennt ja auch nicht den Grad der Beziehung zwischen Andre’ und uns. Andre’ gibt uns ein Bier aus und wir revangieren uns ebenfalls mit einem Bier. Der Alkohol und die lange Autofahrt lassen uns ihre Wirkung spüren, wir werden langsam müde. Es ist jetzt auch schon 22.30 Uhr und wir verabschieden uns freundlich von Andre’ aus Chicago. Zurück im Zimmer gehen wir heute ohne in die Röhre zu schauen ins Bett.

 





 

 

 

 



Klick für große Bilder:


Nagle's Store, Talkeetna


Tanner's Trading Post


Kaffeepause bei Tanner's


Stretch-Limu als Oldtimer

 

 


Einfahrt zur Fishhook Road

 

 


Chevi auf der Fishhook Road

 

 


Traumhafte Landschaft

 

 

Idylle in Alaska

 

 

Schneehuhn im Sommer-gefieder

 

 

Verlassene Mine

 

 

See am Hatcher Pass

 

 

Whistler

 

 

Restaurant am Hatcher Pass -

 

 

mit Unterkunft für Bergwanderer

 

 

Flora in Alaska

 

 

Bach ohne Lachs