Anjas und Winfrieds Reiseseite
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Abenteuer in Alaska

vom 08. Juli bis 20. Juli 2006

Tag 10 - Montag 17. Juli 2006

Valdez - Wasilla

Natürlich war der Rauchmelder nicht repariert worden. Warum er sich vor der Nachtruhe nicht gemeldet hat, bleibt sein Geheimnis. Mitten in der Nacht Batterie wieder raus, soll sich der Nächste herumärgern, wir haben es ja gemeldet. Nur mit dem Einschlafen danach war das wieder so eine Sache. Irgendwann hat es dann aber doch geklappt. Um 7 Uhr erlöst uns dann der Wecker. Raus aus den Federn und ab zum Sanitärgeschäft. Danach gibt es wieder das bekannte Aspen Frühstück. Wir lassen uns auch hier wieder Zeit, denn wir haben ja wieder einen Fahrtag. Um 9.20 Uhr checken wir aus und verlassen das Aspen Hotel Valdez zum zweiten mal. Auch hier ist die Erinnerung wegen des Rauchmelders etwas getrübt.
Die Gemeinde hat das Valdez - Museum verlegt. Noch vor zwei Jahren war es im alten Ort, jetzt ist es auch hier in die neue Siedlung umgezogen. Wir finden es recht schnell und sind über den Eintrittspreis etwas überrascht. Fast 10 US $ pro Person, um einen alten Film und ein paar Gegenstände von 1964 zu besichtigen. Nö, den Umzug des Museums wollen wir eigentlich nicht bezahlen. Die Dame an der Kasse schaut etwas betröppelt, aber wir steigen in unser Auto und fahren zur nächsten Tankstelle. Sicher ist sicher, heißt es hier in Alaska. Das Tankstellennetz ist nur in der Nähe von Ballungsräumen gut. Mit vollem Tank fährt es sich einfach ruhiger und die über 200 Kilometer bis Glennallen schaffen wir dann locker. Es geht zurück auf die Hauptstraße und weiter zum Highway Nummer 4.
Sobald der neue Ort Valdez hinter uns liegt, beginnt eine gespenstische Landschaft. Hier ist es sehr flach zur Bucht hin und überall stehen kalkweiße Baumstümpfe in der Gegend herum. Die Flutwelle, die durch das Erdbeben ausgelöst wurde, hatte das ganze Land kilometerweit ins Innere überflutet. Eigentlich nicht so schlimm, könnte man denken, Pflanzen brauchen ja Wasser. Aber kein Salzwasser, welches danach monatelang als Bracke im Boden war. Das hat alle Pflanzen absterben lassen. Die niederen Gewächse haben sich im Laufe der Jahrzehnte erholt, nur die Bäume sind abgestorben und stehen zigtausendfach als Mahnmale in der Landschaft. Leider ist das Wetter immer noch verhangen und kurz vor den Bergen fängt es auch noch an zu regnen. Eigentlich kommt jetzt ein wunderschöner Abschnitt, der Keystone Canyon. Fast übergangslos ragen plötzlich links und rechts vom Richardson Highway hohe Felswände empor und die Straße bleibt immer nahe am Lowe River. Einige malerische Wasserfälle lassen ihr Nass zu Tal fließen. Als ersten sehen wir den Bridal Vail Fall. Danach kommt noch der wunderschöne Horsetail Fall. Da es regnet, fahren wir diesmal an den Fällen vorbei. Der Highway steigt hinter den Wasserfällen unaufhaltsam an und hinter der Baumgrenze beginnen die ersten Serpentinen. Was wie Straßenlaternen aussieht, sind tatsächlich riesige, oben gekrümmte Stangen. Diese helfen im Winter den Fahrern der Schneepflüge, die Straßenbegrenzungen zu finden.
Bald sind wir am Thompson Pass und sehen links den Twentyseven Mile Gletscher. Woher dieser seinen Namen hat, wissen wir nicht, jedenfalls ist er keine siebenundzwanzig Meilen lang. Kurz danach kommen wir zum Worthington Gletscher. Dieser ist touristisch erschlossen und wir parken unseren Wagen in der Nähe der Toilettenanlagen. Ein kurzer Spazierweg führt zum Fuß des Gletschers. Hier beobachten wir die wenigen Besucher, die sich auf das blanke Eis wagen. Da die Gletscherzunge ziemlich steil über den Felsen hängt, ist das schon etwas mutig. Nach wenigen Minuten machen wir uns auf den Rückweg und fahren weiter. Es ist erst 10.45 Uhr und wir liegen sehr gut im Zeitplan. Wir passieren die mit lautem Getöse arbeitende Pumpstation Nummer 12 und sehen den Hubschrauber Landeplatz, der für die Überwachung der Trans-Alaska-Pipeline da ist. Nachdem wir die Bergregion verlassen haben wir das Wetter viel besser. Die Wolkendecke lockert auf und die Sonne kommt hervor. Gleich erscheint die Landschaft viel, viel schöner. Das satte Grün der Bäume und Sträucher kommt so auch viel besser zur Geltung. Angestrengt halte ich auf dem Beifahrersitz nach einem Elch Ausschau. Vor zwei Jahren haben wir eine Elchkuh mit einem Jungtier gesehen und einen Elch, der uns aber nur noch sein Hinterteil zeigte, ehe er im Dickicht des Straßenrandes verschwand. Die Viecher können ganz schön schnell sein und man muss höllisch aufpassen, dass einem keines vor das Auto rennt.
Um 12.15 Uhr sind wir an der Abzweigung nach Copper Center. Dieser ehemalige Goldsucherort entstand um 1896 mit der Errichtung eines Roadhouse. Danach bekam er dann eine Poststation, eine Telegrafenstation und sogar eine Schule. Heute hat Copper Center 362 Einwohner. Das originale Roadhouse wurde in den 30er Jahren durch ein Neues ersetzt. Wir biegen vom Richardson Highway ab und fahren in den Ortskern. Hier parken wir vor dem Roadhouse und sehen uns ein wenig um. Es gibt eine Werkstatt mit Tankstelle, einen Bar-B-Q-Stand und kleine Museumsgebäude. Da dieser Rundgang nach kurzer Dauer schon vorbei ist und das Roadhouse irgendwie sehr nach wildem Westen aussieht, entschließen wir uns zur Einkehr. Zuerst müssen wir durch einen kleinen Windfang, in den sehr kalten Wintern eine Art Temperaturschleuse. Danach betreten wir einen großen Raum mit einem überdimensionierten Kamin, einer Art Hotelrezeption, einem riesigen Rückpro-Fernseher und einer gemütlichen Sitzgruppe. Geradeaus geht man in das Restaurant. Es gibt gemütliche Vierertische, die auf der Decke noch eine Glasplatte haben. So ist man beim Saubermachen schön schnell fertig. Wir haben jetzt um 12.30 Uhr noch die freie Auswahl und nehmen einen Tisch in der Ecke und am Fenster. Hier im Restaurant wie im gesamten Roadhouse ist alles auf alt getrimmt und wirkt dadurch urgemütlich. Wir bestellen etwas Flüssiges und studieren die Speisekarte. Nun muss hier eingefügt werden, dass unser heutiges Ziel der Ort Wasilla ist und es in unserem Hotel ein sehr gutes Restaurant gibt. Wir haben uns vorgenommen, am Abend dort zu speisen. Also wird es hier nur eine Kleinigkeit geben. Aber mit Kleinigkeiten ist es schlecht bestellt. Es gibt nur ordentliche Portionen auf der Karte. Aber Burger ist ja nicht so viel, denken wir. Also bestellt Anja einen Chilli Burger und ich einen Beacon Burger. Einen Burger mit zwei mal Besteck zu ordern haben wir uns nicht getraut. Nach und nach füllt sich das Restaurant. Arbeiter und State Trooper aus der Umgebung machen hier Lunchtime. Bald ist nur noch ein Tisch frei. Als die Bedienung, ein junger Mann, mit unseren Tellern kommt, staunen wir nicht schlecht. So große Burger haben wir noch nie gesehen. Größer als eine Untertasse und hoch belegt, dazu so viele French Fries, dass diese vom Teller zu fallen drohten. Oh, weh. Was machen wir denn nun mit unserem geplanten schönen Abendessen in Wasilla? Das ist aber erst einmal zweitrangig. Der übervolle Teller, der nur eine Kleinigkeit sein sollte, steht jetzt vor uns und muss bewältigt werden. Die Idee mit den 2 Bestecken wäre ausreichend genug für uns gewesen. Also auf zum Schlachtfest. Still vor uns hin leidend bewältigen wir das Mittagsmal. Es schmeckt ausgezeichnet. Mein Beacon Burger war auf Holzkohle gegrillt und hatte einen tollen Geschmack. Es war wirklich gut hier im Roadhouse. Nachdem wir alles ratzeputz aufgegessen haben, wollen wir auch weiter. Im Eingangsbereich bezahlen wir an der Rezeption. Nach dem Besuch der Restrooms steigen wir in unser Auto und fahren los. Die Straße zum Highway ist Anfangs auch ausgeschildert. Aber dann verließen sie uns. Kein weiteres Schild war zu sehen. Aber da die Richtung stimmte, fahren wir erst einmal weiter. Nach etlichen Meilen wird es mir aber dennoch mulmig. Ob wir wirklich richtig sind? Wir fahren trotzdem weiter und werden endlich erlöst. Nach bestimmt 10 bis 15 Meilen kommen wir tatsächlich wieder zum Highway zurück.
Nach einer halben Stunde sind wir an der Gabelung von Glennallen. Hier trifft unser Richardson Highway Nr. 4 auf den Glenn Highway Nr. 1 von Anchorage nach Tok. Wir biegen links  ab in Richtung Anchorage und halten nach wenigen hundert Metern an der Tankstelle. Sprit braucht unser Auto noch nicht, satt sind wir immer noch reichlich. Wir kaufen ein kühles Getränk und nach dem Besuch der Restrooms fahren wir weiter. Zunächst zeigt sich die Gegend eher trostlos. Eine fast nur gerade Straße, die nur mal eine Kuppe hinauf und danach wieder hinunter durch eine niedrig bewachsene Landschaft führt. Die Ausschau bringt auch nicht viel. Selbst die Elche meiden diese Gegend scheinbar. Dafür ist das Wetter uns noch treu. Blauer, nur locker bewölkter Himmel ist über uns und die Temperaturen draußen sind auch moderat. Hier im Wagen hilft ja die Klimaanlage ein wenig. Nach weiteren ca. 80 Kilometern kommen wir zur Eureka Lodge mit einer Tankstelle. Bis Wasilla schaffen wir es mit dem Tankinhalt nicht mehr und da die Lodge gut aussieht, entschließen wir uns zu einer Tank- und Rastpause. Nachdem der Tank gefüllt ist, parken wir vor der Lodge und gehen hinein. Es gibt viele Sitzgruppen mit Tischen und einen langen Tresen mit Barhockern davor. Damit ja niemand auch nur ansatzweise auf die Idee kommt, uns etwas zum Essen zu verkaufen, setzen wir uns an die Bar. Das kennen wir aus zahlreichen Filmen aus den USA, wo man am Tresen sitzt und einen Kaffee schlürft. Wir bestellen uns einen Kaffee, der hier nur 50 Cent kostet, und dafür gibt es auch noch refill. Der Kaffee ist sehr gut und nach dem üblichen woher und wohin, das aber eher kurz ausfällt, machen wir uns wieder auf die Socken. Vorher haben wir natürlich noch den Kaffee bezahlt. Sollten wir für zwei Tassen wirklich nur einen Dollar plus Tip hinlegen? Wir haben freiwillig zwei Dollar bezahlt und fahren weiter.
Die Landschaft ändert sich nun etwas. Es wird bergiger und der Bewuchs höher. Die Straße windet sich nun mehr an Berghängen entlang und durch weite Täler. Am Matanuska Gletscher fahren wir diesmal vorbei. Dafür reicht die Zeit nicht mehr, außerdem hatten wir schon einmal das Vergnügen. Kurz hinter dem Gletscher auf einmal ein Stopp-Männeken. Er winkt uns und ein weiteres Fahrzeug hinter uns durch. Danach macht er dicht. Was für ein Glück wir haben, merken wir erst später. Wir fahren fast eine halbe Stunde durch eine endlos erscheinende Baustelle. Die Fahrbahn wechselt andauernd von links nach rechts und immer wieder kreuzen Baufahrzeuge unseren Weg. Hinter der Baustelle auf der Gegenfahrbahn fahren wir nun an einer nicht enden wollenden Autoschlange vorbei. Die Ersten können uns schon Leid tun. Die müssen ja fast eine Stunde lang gestanden haben. Gut das wir noch durch gewunken wurden.
Der Rest der Strecke bis Palmer verläuft ereignislos. Hier in Palmer müssen wir auf den East Palmer Wasilla Highway abbiegen, um nach Wasilla abzukürzen. Mittlerweile ist es 18 Uhr und früher Abend. Unser Hotel, das wunderschön am Lake Lucille gelegene Best Western,  finden wir auf Anhieb. Wir hoffen, auch noch ein Zimmer mit Seeblick zu bekommen, was auch klappt. Nachdem die Koffer im Zimmer sind, gehen wir zurück zum Restaurant und reservieren einen Tisch am Fenster zum See für 20 Uhr zum Abendessen. Darauf haben wir uns 2 Jahre gefreut, auch wenn sich das Hungergefühl in Grenzen hält. Auf dem Rückweg zum Zimmer kommen wir am Waschraum vorbei und versuchen herauszubekommen, wie die Apparate funktionieren. Die Waschmaschine ist verständlich, auch der Trockner verursacht keine Schwierigkeiten. Aber wie funktioniert die Maschine, die das Waschpulver ausspucken soll? Nach einigen Minuten geben wir auf und vertrösten uns auf das übernächste Hotel in Vancouver. Noch sind unsere Koffer mit sauberer Wäsche gefüllt. Wieder im Zimmer kümmern wir uns um Akkus und die Büroarbeit. Ich nenne das so, weil es mir wie solche vorkommt. Da müssen Videokassetten beschriftet werden, Einträge über Einkäufe mit Kreditkarten gemacht werden, Speicherchips auf eine mobile Festplatte überspielt werden und mein Diktiergerät braucht auch seine Pflege. Von 18.30 Uhr bis kurz vor 20 Uhr haben wir nun Zeit zum relaxen, duschen und anhübschen.
Kurz vor 20 Uhr ist dann frisch gedresst Abmarsch zum Shoreline Restaurant. Wir bekommen unseren reservierten Platz am Fenster und sind zufrieden. Zuerst dürfen wir uns eine Suppe vom Salatbuffet holen. Wir entscheiden uns beide für die Tomatensuppe. Die verströmt beim Öffnen der Haube einen verführerischen Duft und schmeckt auch sehr gut. Danach bekommen wir jeder ein Pfeffersteak mit Gemüse und den leckeren dicken Pommes in der Schale. Dazu gibt es das übliche Alaskan Amber Bier. Wir lassen es uns schmecken und genießen die wunderschöne Aussicht über den Lake Lucille. Um 21.20 Uhr sind wir mit dem Essen fertig und gehen durch eine Glastür direkt nebenan in die Bar. Es ist Montag und im Hotel ist nicht viel los. Wir setzen uns am Tresen auf einen Barhocker und bestellen ein Bier und für Anja einen Campari Orange. Nach einen Weile setzt sich ein junger Mann neben uns an die Bar und bestellt auch ein Bier. Nach ein paar Minuten bestellt er sich Lotterielose aus einer Trommel hinter dem Tresen. Die Bedienung bringt ihm ca. 20 Pappstreifen, von denen man eine Folie ziehen muss. Darunter sind die üblichen Fruchtsymbole wie Kirschen, Bananen usw. Er hat ein paar Gewinne in Form neuer Lose und kauft die fehlenden bis 20 Stück dazu. Wir kommen ein wenig ins Gespräch und er erklärt uns das Spiel. Nach 30 Minuten gibt er auf und schenkt uns den Rest seiner Freilose. Das hätte er besser nicht getan. Anja ist eine begeisterte Losspielerin und sie setzt das Losekaufen fort. Aber auch uns geht es so wie dem jungen Mann. Wir gewinnen jede Menge – an Erfahrung. Reich wird eben nur der Lotterieveranstalter. Gegen 22.30 Uhr haben wir für heute genug und verkrümeln uns auf unser Zimmer. Es ist immer noch hell und so genießen wir vom Balkon des Zimmers die Aussicht auf den See und die Berge dahinter. Nach ein wenig Werbung und noch weniger Film ist dann dieser Tag zu Ende.

 





 

 

 

 



Klick für große Bilder:

Keystone Canyon

 

 

Thompson Pass

 

 

Worthington Gletscher

 

 


Mutige Menschen am Gletscher

 

 


Hinweistafel

 

 


Copper Center

 

 


Das Roadhouse

 

 

Copper Center

 

 

Quad mit Dach

 

 

Ein müder Mops

 

 

Eureka Lodge

 

 

Kaffeepause an der Bar

 

 

Hotel in Wasilla

 

 

Blick von unserem Balkon

 

 

Best Western Lake Lucille

 

 

Lottospieler in der Bar

 

 

Unser Alaskan Amber