Anjas und Winfrieds Reiseseite
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Abenteuer in Alaska

vom 08. Juli bis 20. Juli 2006

Tag 9 - Sonntag 16. Juli 2006

Valdez - Prince William Sound 2

Heute steht die große Fahrt zum Columbia Eisfeld und zum Mears Gletscher auf unserem Tagesprogramm. Aber erst einmal muss nach dem Aufstehen um 7 Uhr der Frust über den nächtlichen Ruhestörer bewältigt werden. Nach dem Einsatz im Bad habe ich erst einmal die Schubladen der Möbel des Zimmers durchsucht und tatsächlich einen Meldezettel gefunden, flugs ausgefüllt und zur Rezeption gebracht. Wir hoffen, dass die leere Batterie bis zu unserer Rückkehr am Abend ausgetauscht wird. Jedenfalls habe ich das Gerät vorsichtig wieder zusammengebastelt. Man muss ja nicht gleich sehen, dass ich es auseinander genommen hatte, um ruhig schlafen zu können. Um 8 Uhr sind wir beim Frühstück. Es ist schon Betrieb vor dem Buffet und wir haben Glück, gerade wird ein Tisch für 2 Personen frei. Zwar müssen wir ihn selber etwas sauber machen, da wir nicht erst warten wollen, bis da jemand kommt der das tut. Wie in Anchorage im Ex-Aspen Hotel gibt es hier im immer-noch-Aspen wieder die Bagels zum Zerschneiden und Toasten sowie die Waffeln zum selber backen. Es kennen sich alle aus und wir brauchen diesmal keine Hilfestellung zu leisten. Um 8.35 Uhr sind wir daher auf dem Zimmer und stellen unsere Fotosachen zusammen. Um Punkt 9 Uhr geht es los.
Innerhalb von 5 Minuten sind wir bei Stan Stephens und parken auf der Hauptstraße. Hier gibt es keine Schilder, auf die man achten sollte. Wir betreten ein alt wirkendes Holzhaus, in dem es einen Büroschalter gibt, viel Info-Material und Sitze zum Ausruhen vor dem Boarding. Wir geben unsere Anmeldung von gestern ab und bekommen unsere Bordkarten. Es ist jetzt erst 9.10 Uhr und wir erfahren, dass um 9.30 Uhr das Schiff betreten werden kann. Da noch nicht viel los ist, setzen wir uns auf eine der Bänke und lesen in den angebotenen Flyern. Hier in Valdez kann man auch schöne Rundflüge über die fantastische Gletscherwelt machen, aber so viel Zeit haben wir nicht mehr dafür. Um 9.32 Uhr ruft uns eine junge Lady zum Schiff. Wir marschieren ziemlich vorne hinter ihr her. Je nach Andrang ist es sehr von Vorteil, wenn man sich den Platz auf dem Schiff aussuchen kann. Man möchte ja gerne Filmen und schöne Fotos machen, und da ist ein strategischer Platzvorteil an einer Tür nach draußen manchmal wichtig. Wir werden zur „Valdez Spirit“ geleitet. Ein tolles neues Schiff mit einem Katamaranrumpf. Durch die getrennten Rümpfe liegt das Schiff ruhiger im Wasser und schwankt nicht so extrem hin- und her und die Aufnahmen werden ruhiger. Das hat man uns Landratten so erklärt. Wir strömen direkt zum Oberdeck und ergattern gleich links die erste Sitzbank hinter der Tür. Tolle Plätze. Um 9.45 Uhr erfolgt die Sicherheitsbelehrung. Genau wie im Flugzeug. Anlegen der Rettungsweste und weitere Sicherheitsmaßnahmen. Auf jedem Deck stehen 2 junge nette Mitarbeiter des Unternehmens und zeigen das Anlegen der Westen. Ob man das im Ernstfall alles noch nachvollziehen kann? Und bei wem könnte man abgucken? Egal, wird schon gut gehen.
Pünktlich um 10 Uhr legt das Schiff ab. Der noch junge Kapitän fährt mit langsamer Fahrt aus dem Hafen heraus. Die Tür zum Kommandostand steht auf und ich schnappe nach meiner Kamera. Ich gehe auf die Brücke und grüße freundlich. Keine Widerworte, also darf ich bleiben. Hinter mir kommt noch eine junge Passagierin und schaut durch ihr Fernglas. Neben dem Ruder steht ein aufgeklappter Laptop mit der GPS-Navigation. Das Bild wird auch hier im Schiff auf einige Flachbildschirme übertragen. Langsam steuert der Kapitän seinen Katamaran aus dem Hafen. Ich bekomme mit, wie er sich beim Hafenlotsen abmeldet. Kurz vor der Mole fahren wir auf einen auf dem Rücken treibenden Seeotter zu. Das Tier hat Nerven wie Drahtseile. Erst ca. 1 ½ Meter vor dem Bug (die Mehrzahl von Bug weiß ich nicht = Büge? ;-) ) taucht der kleine Kerl unter. Danach sind wir in der Bucht. Das Schiff macht erst einen großen Bogen in Richtung Ort und dann nach Gegenüber zur Verladestation für das Rohöl. Wir hören vom Kapitän, der auch gleichzeitig unser Narrator (Erzähler, Informationsgeber) ist, viel wichtige und interessante Dinge über die Station. Danach aber kommen wir direkt an den menschenleeren Küstenabschnitt der Bucht. Wilde Felsformationen ragen mit dichtem Baumbewuchs aus dem Wasser und gebieten Vorsicht. In einer kleinen Bucht fährt der Kapitän sehr langsam auf das Ufer zu.
Plötzlich sehen wir es alle. In einem Baum in dessen abgestorbener Krone sitzen 2 Weißkopf-Seeadler. Einer fast oben, der Andere etwas unterhalb und beobachten uns misstrauisch. Alle Passagiere bemühen sich, leise zu sprechen. Der Kapitän fährt seinen Katamaran so nahe wie möglich an das Ufer heran. Da hier die Küsten steil in das Meer abfallen, ist dies auch bis auf wenige Meter möglich. Nach ein paar Minuten fährt unser Schiff im Rückwärtsgang wieder zurück. Weiter gehr es in gemütlicher Fahrt zwischen vielen kleinen Inseln hindurch immer an der Küste entlang. Bald haben wir die Engstelle in die Bucht von Valdez passiert und fahren in den offenen Prince-William-Sound. Um 11.15 Uhr sehen wir den Rest eines ehemals dicken Eisbrockens. Er ist löchrig und hat die besten Tage wohl hinter sich. Der Kapitän umrundet ihn zweimal und wir sehen in unterschiedlichem Licht immer andere Farbnuancen. Danach passieren wir eine Seetonne in der Zufahrt in die Bucht. Auf dieser grünen Tonne haben es sich vier Seelöwenweibchen gemütlich gemacht und dösen ungestört vor sich hin. Wenn ich mir die Tonne so betrachte frage ich mich, wie kommen die Tiere bloß da hinauf. Wir Menschen würden unsere Hände und die Finger zum Festhalten benutzen. Aber diese schweren Tiere haben nur kurze Vorderflossen und keine Hände zum Festhalten. Wie machen die das? Auch hier dreht unser Schiffsführer zwei Runden um die Boje, damit alle Passagiere einen guten Blick auf die Seelöwendamen haben. Eine der Ladys meckert uns an, wir haben sie in ihrem Mittagsschlaf gestört. Ein paar Minuten südlich sehen wir plötzlich noch die Rückenflosse eines Buckelwales. Es dauert lange, bis wir ihn noch einmal entdecken. Diese Tiere können bis zu 20 Minuten lang tauchen, ohne Luft zu holen. Um 12 Uhr biegen wir aus dem Sound zum Columbia Icefield ab.
Es dauert gut 20 Minuten, bis das Schiff nicht mehr weiterkommt. Es ist Ebbe und alle Eisberge liegen auf Grund und blockieren die Weiterfahrt. Hier gibt es zahllose Seehunde, Seeotter und sogar einen Weißkopf Seeadler auf der Spitze eines Eisberges. Diese Eisberge sind riesig. Mindestens 3 bis 4 mal so hoch wie unser Schiff ragen sie neben uns auf. Und unterschiedlicher könnten sie auch nicht sein. Die Einen sind klar und sauber, Andere sind wie marmoriertes Eis mit dunklen Streifen durchzogen und wieder Andere sind vollständig mit Dreck und Geröll überzogen. Das Schiff tuckert ein bisschen durch die fest liegenden Eisberge und ein junger Mann der Crew fischt mit einem Anglerköcher einen DIN A 4 Blatt großen Eisbrocken aus dem Wasser. Er geht damit auf dem Schiff herum und zeigt ihn allen Passagieren. An der wärmeren Luft schmilzt der Eisbrocken schneller als im kalten Wasser des Fjordes und gibt leise knackende Geräusche von sich. Whiskytrinker der feineren Sorte schätzen dieses Gletschereis als „whisper of the centuries“, soll heißen „Das Flüstern der Jahrhunderte“. Dieses Gletschereis war sehr hoher Verdichtung und hohem Druck ausgesetzt, der sich jetzt beim Schmelzen entspannt. Der Eisbrocken darf wieder ins Wasser und unser Schiff verlässt um 12.45 Uhr das Columbia Icefield. Vom Columbia Gletscher haben wir nicht viel gesehen, nur, dass er eine kilometerlange Abbruchkante hat. Wir fahren weiter südwestlich immer entlang der Küste.
Um 13.15 Uhr bekommen wir ein Mittagessen. Es gibt Hähnchenbrust auf Reis mit Gemüse, dazu kleine, runde Brötchen mit Butter. Das war entschieden besser als vor zwei Tagen in Whittier. Immer wieder fährt unser Katamaran zwischen kleinen Inseln hindurch und in die eine oder andere idyllische Bucht. Einmal war große Aufregung, ein Bär soll gesichtet worden sein. Uns ist er entgangen. Das viele hin und her und rein und raus und vor und zurück auf dem Schiff hinterlässt seine Spuren an der Kondition. Wir bleiben jetzt für mindestens eine Stunde sitzen und trinken nach dem Essen noch Kaffee und Tee. Ganz auf gemütlich. Wir sehen mal wieder einen Buckelwal, Seeotter, Seelöwen und Adler. Diese Tiere gibt es hier wirklich in ausreichenden Mengen. Um 14.45 Uhr sind wir schon im Kanal zum Mears Gletscher. Hier noch an der breiten Stelle gibt es immer wieder große Seeotterfamilien, die im Wasser treiben. Geschätzt müssten es an die hundert Tiere pro Rudel sein. Hinter einer Biegung des Meeresarmes taucht dann plötzlich der relativ schmale, aber dafür hohe Arm des Mears Gletschers auf. Wie bei allen Fahrten vorher auch legt der Kapitän sein Schiff quer zum Eis und tuckert in langsamer Fahrt auf und ab. Nach dem ersten Durchgang bleibt er an der linken Flanke liegen. Ich stehe mit meiner Videokamera auf dem oberen Deck und sehe nach unten. Der Kapitän sieht mich und gibt mir einen Hinweis. Er hat am linken Rand des Gletschers etwas beobachtet, was auf ein bevorstehendes Kalben hindeutet. Da Videoband nicht mehr die Summen kostet wie früher Super 8 Schmalfilm löse ich die Kamera aus und halte sie in die Richtung, die der Kapitän mir gezeigt hat. Nach ein paar Minuten kommt tatsächlich Bewegung in die Gletscherfront. Zuerst fallen ein paar kleinere Brocken herunter, danach eine 30 bis 40 Meter breite Wand aus Eis. Donnernd poltert sie unter mächtigem Aufspritzen des Wassers in die Bucht. Alle Passagiere johlen vor Freude, als sich tatsächlich ein weiteres, noch größeres Stück der Gletscherwand vom Eis löst und mit noch größerem Getöse ins Wasser eintaucht. Jetzt ist die Menge auf dem Schiff aus dem Häuschen, alles pfeift und johlt um die Wette. So ein großes Kalben zu sehen ist aber auch ein Glücksfall. Durch die Klimaveränderung soll es zwar öfters passieren, aber nun nicht gerade im Minutentakt. Danach ist Ruhe eingekehrt. Nur die üblichen, gewehrschussartigen Geräusche sind zu hören.
Um 15.50 Uhr sind wir wieder aus der Bucht heraus und fahren jetzt zurück in Richtung Valdez. Wieder sehen wir viele Buckelwale. Mal nahe beim Schiff, mal etwas weiter entfernt und nur an den Ausblasfontainen zu erkennen. Immer noch steuert unser Kapitän die „Valdez Spirit“ nahe unter der Küste entlang. Es folgen mehrere Buchten, die randvoll mit Steller Seelöwen bevölkert sind. Hier liegen zum Teil hunderte von Tieren dicht gedrängt nebeneinander. Andere schwimmen im Wasser und wieder Andere versuchen, einen Felsen zu erklimmen. Es ist ein unbeschreibliches Röhren und Brüllen, welches zum Schiff herüber schallt. Mitten zwischen den Tieren kann man auch sehr gut die wenigen, dafür aber sehr imposanten männlichen Tiere erkennen. Zum Teil stehen sie mit hoch gestrecktem Oberkörper in der Kolonie und überwachen die Herde. Ein wirklich toller Anblick. Es ist jetzt 18 Uhr vorbei und wir bekommen zu unserer Überraschung noch eine heiße Clam Chowder. Eine leckere Jakobsmuschelsuppe mit Kartoffelstücken. Die kennen wir von 2004 aus Ninilchik und wir waren damals ganz begeistert von dem guten Geschmack. Auch hier hätten wir gerne noch einen Nachschlag gehabt, aber die Suppe war wohl genau portioniert. Um 19 Uhr bleibt unser Schiff noch neben einem Fischtrawler liegen. Der zieht gerade ein volles Netz Lachse in sein Boot. Das Boot liegt aber schon bis zur Linie im Wasser. Der Kapitän des Trawlers kennt sein Schiff aber genau. Er leert sein Netz aus und jetzt darf aber keine größere Welle kommen. Sensationell, was die hier so treiben. Wir nehmen wieder Kurs auf Valdez in die nun langsam untergehenden Sonne. Danach sind wir genau um 19.40 Uhr im Hafen und am Anleger von Stan Stephens.
Es war eine sehr schöne Schifffahrt, die unvergesslich bleibt. Es hat nicht geregnet, aber es war auch keine Sonne mit blauem Himmel zu sehen. Wir verabschieden uns von der netten Crew und laufen zu unserem Auto. Zum Hotel ist es auch nicht sehr weit, aber mit beiden Kameraausrüstungen, dem kleinen Rucksack mit Regenschutz, warmen Sachen und Kleinigkeiten zum Essen ist es zum Laufen einfach zu umständlich und zu weit. Um 20 Uhr sind wir im Hotel. Ins Totem Inn gehen wir nicht, es gab ja Essen auf dem Schiff und so gibt es für jeden noch einen Apfel. Ob der Rauchmelder repariert wurde? Die Akkus kommen noch in die Ladegeräte und um kurz vor 9 Uhr machen wir den Fernseher an. Ich schlafe fast sofort ein und Anja schafft es noch bis 22.15 Uhr. Dann ist auch dieser tolle Tag zu Ende.

 





 

 

 

 



Klick für große Bilder:


Der Hafen von Valdez


Katamaran Valdez Spirit


Kapitän und Moderator


Seeotterfamilie

 

 


Zwei Weißkopf-Seeadler

 

 


Insel im Prince William Sound

 

 


Rest eines Eisberges

 

 

Seelöwen auf einer Tonne

 

 

Das Columbia Icefield 1

 

 

Das Columbia Icefield 2

 

 

Noch eine schöne Insel

 

 

Robben auf einer Eisscholle

 

 

Kalben des Mears - Gletschers

 

 

Steller Seelöwenkolonie

 

 

Volles Fischerboot