Anjas und Winfrieds Reiseseite
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Abenteuer in Alaska

vom 08. Juli bis 20. Juli 2006

Tag 8 - Samstag 15. Juli 2006

Whittier - Valdez

Aufstehen ist um 7.30 Uhr. Wir wollen um 11 Uhr am Fähranleger sein, um das Schiff nach Valdez zu nehmen. Also haben wir viel Zeit für die  Körperpflege, das Kofferpacken und das Frühstücken. Nachdem ich aus dem Bad heraus bin und Anja darin ist, mache ich das Fenster weit auf. Was für eine Überraschung, was für ein grandioser Anblick. Direkt vor dem Hotel liegt ein riesiges Kreuzfahrtschiff. Es ist die Diamond Princess mit Heimathafen Hamilton. Das müssen wir uns später genauer ansehen. Nachdem Anja aus dem Bad heraus ist, werden erst einmal die Koffer gepackt und danach gehen wir um 8.30 Uhr notgedrungen im Hotel frühstücken.
Es ist Heute etwas mehr los als Gestern und die schönen Fensterplätze mit Blick auf das große Schiff sind belegt. Wir nehmen einen Tisch am Rand der Fensterseite neben einer Familie mit zwei halbwüchsigen Kindern. Es sind ein Junge und seine etwas jüngere Schwester. Wir bestellen wieder das gleiche Frühstück wie am Tag zuvor. Die Vier am Nachbartisch bekommen inzwischen ihre Teller. Nach knapp einer Minute lässt der Vater die Kellnerin (ja, unsere Texanerin) zum Tisch kommen. Irgendetwas ist nicht in Ordnung mit dem Frühstück. Die Bedienung nimmt die Teller wieder mit zurück in die Küche und da diese halb offen ist, kann man einen erregten Wortwechsel hören, ohne jedoch einzelne Worte verstehen zu können. Nach wenigen Minuten kommt die Texanerin zurück und legt die Teller etwas unsanft (vielleicht ist das texanisches Temperament) auf den Nachbartisch. Da reicht es der Familie. Sie stehen alle vier auf und verlassen ohne zu bezahlen das Restaurant. Wenn wir jetzt gedacht haben, dass ein großes Geschrei losbrechen würde, haben wir uns geirrt. Gleichmütig räumt das ältliche Cowgirl den Tisch ab. Als sie die Teller an unserem Tisch vorbeischleppt, können wir verbrannte Kartoffeln erkennen. Dies scheint wohl der Grund für die Beschwerde gewesen zu sein, der nicht abgeholfen wurde. Jedenfalls hat sich dadurch das Servieren unseres Frühstücks hinausgezögert. Als es dann endlich kommt, wird mein Gesicht sehr lang. Mir kommt es so vor, als hätte man aus den Tellern der vier am Nachbartisch meinen zusammengestellt. Sollte das wirklich so sein oder bin ich nur sehr empfindlich? Beweisen kann man es nicht und es sind auch keine verbrannten Stücke zu sehen, aber die vor Fett triefenden Kartoffeln werde ich nicht essen. Das Trinkgeld fällt auch entsprechen dürftig aus.
Nach diesem etwas unerfreulichen Frühstück haben wir noch viel Zeit. Es ist jetzt 9.30 Uhr und wir holen unsere Kameras aus dem Zimmer und filmen und fotografieren das große Schiff neben unserem dagegen klein wirkenden Hotel. Das Wetter hat sich nicht gebessert. Es ist sehr trüb und ab und zu nieselt es leicht. Deshalb holen wir unsere Koffer aus dem Zimmer, beladen das Auto und wollen an der Rezeption auschecken. Die füllige Dame ist wieder vor Ort, nimmt unsere Zimmerschlüssel entgegen und schaut geschäftig in ihren Computermonitor. Plötzlich sägt ein Nadeldrucker los und sie schiebt uns eine Rechnung über die beiden letzten Tage über den Tresen. Nun müssen wir ihr mühsam kauderwelschend beibringen, dass wir mit unseren Voucher schon bezahlt haben. Wir zeigen ihr unsere Durchschrift und sie sucht nach dem Original. Irgendwann findet sie ihn in einer Plastikhülle, zweifelt aber immer noch. Wieder ein Anruf bei Irgendjemandem und danach dürfen wir dann gnädigerweise gehen. Dieser Dame würde ein bisschen mehr Ausbildung sehr gut tun. Wir haben in keinem Hotel unserer Reisen jemals Probleme mit den Vouchers gehabt. Sie wurden immer ohne Beanstandung akzeptiert. Wir halten ihr zu Gute, dass wir eventuell die ersten Gäste mit Voucher sind, die sie zu sehen bekommt.
Um 10.15 Uhr sind wir dann endlich am Fährterminal und parken auf einem Schotterplatz vor einem Zaun. Wir betreten das neu gebaute Gebäude der Fährgesellschaft „Alaska Marine Highway System“. Vor 2 Jahren stand hier noch eine Holzbaracke und der Platz vor der Einfahrt war geschottert. Jetzt steht hier ein schmuckes Steinhaus mit verglastem Kassenschalter, Wartebereich mit Tischen und einem Fernseher und sehr sauberen Toilettenanlagen. Auch der große Platz mit den Wartespuren für die Fahrzeuge ist asphaltiert. Am Schalter sind wir die Einzigen und so bekommen wir mit unserem Voucher auch sofort die Fährtickets. Danach dürfen wir unser Auto im abgezäunten Bereich auf Spur 2 stellen. Hier ist der Wagen mit dem gesamten Gepäck sicher und bewacht abgestellt. Es ist erst 10.30 Uhr und die Fähre geht planmäßig erst um 12.45 Uhr. Wir nehmen die Kameras mit und laufen in Richtung Hafengebiet für die kleineren Boote. Um diese frühe Stunde sind die Ladenbesitzer noch mit dem Herrichten ihrer Läden beschäftigt und nicht auf Touristen eingerichtet. Von einem großen Holzsteg hat man eine gute Übersicht über Whittier und den gesamten Hafenbereich. Leider fängt es wieder an zu regnen und die Stimmung ist durch das Wetter auf dem Tiefpunkt. Wir laufen also zurück zum Terminal, setzen uns an einen Tisch unter dem Fernseher. Anja liest in einem Buch und ich studiere einige der ausgelegten Flyer über die örtlichen Ausflugsmöglichkeiten. Nach einer halben Stunde kommt ein Bus und ergießt seine Passagiere in das Terminal. Sofort entsteht eine Schlange schnatternder Touristinnen an der Tür zur Damentoilette. Als sich der Ansturm etwas gelegt hat, verrichten wir unser Bedürfnis und flüchten uns um 11.30 Uhr vor dem immer mehr anschwellendem Geräuschpegel im Terminal in unser Auto. Hier machen wir das Radio an und suchen uns einen Musiksender. Wir müssen immer wieder über die Scheiben wischen, da sie wegen der Feuchte und Kälte draußen von innen beschlagen. Aber es ist angenehm leise bei sanfter Musik hier im Auto.
Gegen 11.45 Uhr sehen wir durch die beschlagenen Scheiben die Fähre kommen. Es ist die M/V Chenega. Sie manövriert rückwärts an den neuen Anleger heran und öffnet die Heckklappe. Zuerst dürfen natürlich die Passagiere und die Autos das Schiff verlassen. Um 12.15 Uhr sind wir dran und unser Auto ist das zweite, das auffahren darf. Anja hat meinen kleinen Hochkantcamcorder, um das Check In beim Purser und die Einfahrt in den Katamaran vom Beifahrersitz aus zu filmen. Leider hat der Auslöser nicht so funktioniert wie er sollte. Die Kamera ist neu und sie hat damit noch nicht gefilmt. Schade, aber nicht mehr zu ändern. Wir werden genau eingewiesen und stehen nur wenige Zentimeter hinter unserem Vordermann. Platzoptimierung ist auf einer Fähre eben alles. Wir steigen aus, nehmen unsere vorher gepackten Utensilien und laufen zielstrebig zur Treppe zum Oberdeck. Hier gibt es wunderbar bequeme Sitze mit hoher Rückenlehne und wir wollen in der ersten Reihe vor den Panoramafenstern einen Platz haben. Da die anderen Passagiere sich erst umschauen, bekommen wir in der vordersten Reihe die mittleren Plätze. Besser geht nicht.
Die Fähre ist kaum gefüllt und so verteilen sich die Passagiere großzügig über das Deck. Nach einer halben Stunde, um 12.45 Uhr, legt die Chenega ab. Sie ist das neueste Schiff der gesamten Flotte. Es ist ein Hochgeschwindigkeitskatamaran, gebaut von Derecktor Shipyards of Bridgeport und hat 34,5 Millionen US $ gekostet. Er wurde erst 2005 in Dienst gestellt und wird von 4 Dieselmotoren mit je einem Wasserjetantrieb vorwärts bewegt. Die Chenega zählt zu den schnellsten Fähren der Welt und wir freuen uns auf die Fahrt mit diesem Schiff. Vor zwei Jahren sind wir die gleiche Strecke mit der M/V Aurora gefahren, einem eher gemütlichen Schiff von 1977. Da begann die Fahrt um 14 Uhr und wir sollten laut Fahrplan um 21 Uhr in Valdez sein. Was wir nicht wussten war, dass bei Bedarf die Aurora den Ort Chenega auf einer Insel im südlichen Prince William Sound mit Versorgungsgütern bedient. Durch diesen Riesenumweg waren wir erst um 1 Uhr nachts in Valdez und mussten am nächsten Morgen direkt weiter. Auch diesmal hatte unser Reisebüro die Fährfahrt mit der Aurora vorgebucht. Es ist ja auch die schönere und viel gemütlichere Tour mit der langsameren Aurora. Man hat bei schönem Wetter einen viel besseren Blick für die Natur und man kann seelenruhig die vielen Wale in der Nähe des Schiffes beobachten. Viele Tümmlerschulen ziehen direkt neben dem Bug vorbei und die Tiere springen aus dem Wasser. Spät abends um 23 Uhr fuhren wir bei einem karibischen Sonnenuntergang am Columbia Icefield vorbei. Aber diesmal wollten wir nicht das Risiko des Umweges eingehen und haben auf die früher fahrende Chenega umgebucht. Kurz vor dem Ablegen der Fähre gehe ich zum Heck, um die Turbinen bei Ihrer Arbeit zu beobachten.
Es ist ein gewaltiger Anblick, wie das Wasser schäumt, wenn es durch die Jets gejagt wird. Die junge Dame, die die Rampe hochgefahren hat, winkt zum Abschied und die Fähre nimmt Fahrt auf. Hier vom Wasser aus sieht man gut unser Hotel und die riesige Diamond Princess daneben. Das Wetter ist nicht besser geworden und so verbringen wir die Zeit auf unseren Plätzen im Schiff. Um 13 Uhr macht das Selbstbedienungsbuffet auf und nach dem ersten Ansturm holt Anja ein Sandwich mit Eiersalat für sich, einen Cheese Burger für mich und 2 Cola. Unterwegs kreuzt unseren Weg noch ein großes Kreuzfahrtschiff. Es ist die Veendam IV der Holland Amerika Linie. Kurz vor Valdez passiert die Fähre das berühmt berüchtigte Bligh Riff. An dieser Stelle schrammte in der Nacht des 24. März 1989 der einwandige Tanker Exxon Valdez an dem Unterwasserfelsen vorbei und riss sich dabei die Bordwand auf. Von den 163.000 Tonnen Rohöl liefen 40.000 Tonnen in den Prince William Sound und verursachten eine riesige Ölpest. Noch heute findet man an den Ufern unter Steinen Reste des Ölteppichs. Nach den Seetonnen in der Einfahrt der Bucht von Valdez schwenkt die Fähre nach Steuerbord und wir sehen die riesigen Vorratstanks der Verladestation für das Rohöl. Hier in Valdez befindet sich das Ende der Trans-Alaska-Ölpipeline. Das Öl wird in großen Tanks zwischengelagert und heute mit doppelwandigen Riesentankern an die Westküste der USA verbracht.
Wir sind schon um 15.30 Uhr in Valdez und fahren aus der Fähre aus. Es geht direkt zum Hafen, denn wir wollen auch jetzt schon für den nächsten Tag eine Schiffstour buchen. Im Internet habe ich Stan Stephens entdeckt. Dieses Unternehmen hat einen sehr guten Internetauftritt und bietet auch die interessantesten Fahrten an. Wir wollen die neun Stunden dauernde “Columbia Icefield & Mears Glacier Cruise“ buchen. Leider sind wir am Office von Stan Stephens vorbeigefahren, entdecken aber ein Hinweisschild bei „Bear Paw“. Also kaufen wir die Tickets hier, es ist sowieso der gleiche Preis. Danach fahren wir die wenigen hundert Meter zu unserem Hotel. Es ist das „Aspen Hotel Valdez“. Hier waren wir 2004 nach der Aurorafahrt für ein paar Stunden Nachtruhe. Um 16.15 Uhr sind die Koffer im Zimmer und wir versorgen wieder einmal das Equipment. Die viele frische Luft auf hoher See hat an meiner Kondition genagt. Ich lege mich auf das Bett und möchte gern für eine halbe Stunde Augenpflege machen. Dank meiner lieben Frau, die mich nicht weckt, wache ich geschockt um sieben auf. Da wollten wir eigentlich schon im „Totem Inn“ sein. Auch das hatte ich im Internet entdeckt und sah viel versprechend aus.
Ich bin ich schnell fertig und wir gehen los. Da es genau dem Hotel gegenüber liegt, gibt es keinen Grund zur Panik. Dann sind wir eben erst um19.30 Uhr in dem Restaurant. Was soll’s, wir haben ja Urlaub und wenn mein Körper Schlaf braucht! Wir betreten das Lokal und werden natürlich platziert. Wie der Name, so auch die Inneneinrichtung. Wie ein großes Blockhaus mit großen rohen Baumstämmen, Kamin und vielen Jagdtrophäen an den Wänden. Einen eigenen Souvenirshop gibt es hier sogar. Anja nimmt die Spaghetti mit Fleischsoße und ich entscheide mich für einen Heilbuttkorb mit Fritten. Dazu gibt es zwei Alaskan Amber und zwei Alaskan Summer Biere. Das Auto hatte gegenüber am Hotel einen schönen Parkplatz und ich will nach der unfreiwilligen Schlafeinlage wieder Bettschwere haben.Der Ort Valdez wurde im 19. Jahrhundert als eisfreier Hafen für die nach Alaska kommenden Goldsucher angelegt. 1964 wurde der ursprüngliche Ort durch das Karfreitagserdbeben und die folgende Flutwelle fast völlig zerstört und an sicherer Stelle in der Bucht wieder aufgebaut. Dadurch ist der Ort sehr weitläufig angelegt und zu dieser Zeit zu Fuß nicht mehr zu erkunden.
Daher gehen wir zurück in unser Hotel. Hier machen wir es uns vor dem Schirm gemütlich. Es gibt Willy Wonka and the Chocolate Factory von 1971 mit Gene Wilder in der Hauptrolle. Von diesem Film gibt es sogar ein neueres Remake mit Johnny Depp als Willy Wonka. Erst spät um 23 Uhr ist dann Bettruhe. Die dauert aber nicht lange, weil mitten in der Nacht die Batterie des Rauchmelders schwächelt und das Gerät einen lauten Alarmton abgibt. Der Heimwerker kann sich helfen und entfernt kurzerhand die Batterie, damit die Nachtruhe weiter gehen kann.

 

 





 

 

 

 



Klick für große Bilder:


Hotel mit Kreuzfahrtschiff


Die Diamond Princess


Schnellfähre Chenega


Ablegen mit voller Kraft

 

 


Hotel und Kreuzfahrer

 

 


Navigationsmonitor

 

 


Zaandam

 

 

Das Schild der Chenega

 

 

Schläfer unter einem Sitz

 

 

Hafen von Valdez

 

 

Hafen von Valdez