Anjas und Winfrieds Reiseseite
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Abenteuer in Alaska

vom 08. Juli bis 20. Juli 2006

Tag 7 - Freitag 14. Juli 2006

Whittier - Prince William Sound 1

Ein neuer Tag, eine neue Fahrt. Um 11 Uhr startet unser Schiff und wir haben viel Zeit. Deshalb piept erst um 7.30 Uhr der Wecker, und 1 Stunde später gehen wir im Hotel zum Frühstück. Gestern haben wir in dem Ort Whittier nach einem Coffee Shop gesucht, aber nichts gefunden. Mag sein, dass die eine oder andere Bretterbude, die tagsüber Fisch und Chips verkauft, auch Breakfast anbietet, aber vertrauen erweckend sah keine aus. Es gibt im Restaurant am gleichen Tisch wie am Vorabend ein normales Frühstück mit Eiern, Hash Browns, Speck und Toast. Dazu Kaffee und Tee und den kostenlosen Blick auf die jetzt trostlos wirkende Bucht. Tief hängende, graue Wolken, aus denen leichter Nieselregen herunter fällt. Wir lassen uns mit dem Frühstück viel Zeit, von der wir ja auch reichlich haben. Erst um 9.30 Uhr gehen wir zurück auf unser Zimmer und telefonieren mit den Lieben daheim. Bei 10 Stunden Zeitunterschied sitzen alle in Deutschland noch vor dem Fernseher.
Gegen 10 Uhr parke ich das Auto vor dem Fährterminal der „Alaska Marine Highway“. Da steht auf dem Parkplatz ein Schild, dessen Inhalt ich mir auch durchlese. Irgendetwas mit max. 2 hours. Egal, zuerst wird eingecheckt. 100 Meter hinter dem Fährterminal befinden sich das Büro und die Anlegestelle der Firma „Prince William Sound Cruises & Tours“. Hier sind wir schon um kurz nach 10 Uhr und checken ein. Einchecken heißt nichts anderes als die vorreservierte Fahrt auch zu bezahlen und eine Bordkarte zu bekommen. Ich erledige wieder das Monetäre und Anja schleicht bei den Mützen herum, von denen sie gestern eine rote gekauft hatte. Nun hat sie eine blaue entdeckt, und da eine andere Frau auch auf die blaue Mütze spekuliert, wird kurz entschlossen die blaue auch noch gekauft. In der Zwischenzeit habe ich die Bordkarten und mir fällt das Schild mit der 2-Stunden Aufschrift wieder ein. Hier vor dem Büro sind im Schotter noch ganz schwach gelbe Linien zu erkennen und anderen Gäste stellen ihre Autos dazwischen auch hintereinander ab. Dieses Schotterbett ist also ein Parkplatz. Ich gebe Anja mein Kameraequipment und laufe wieder zum Fährterminalparkplatz. Ehe mir jemand Kreidestriche an die Reifen des Autos macht und sich eine Zeit merkt, ist mir der Schotterparkplatz doch lieber. Ich fahre also zum Schiffsanleger und stelle mich hinter einen anderen PKW. Wenn der auch auf unserem Schiff ist, gibt es ja kein Problem für ihn beim Wegfahren. Da er noch vor seinem Auto steht, ist die Angelegenheit schnell zur Zufriedenheit aller geklärt. Er ist auch auf dem Schiff. Hoffentlich stellt sich jetzt nicht noch jemand von einem anderen Schiff hinter uns. Dann hätten wir beide ein Problem. Ich hole meine Frau mit meiner Kamera und ihrer neuen blauen Mütze ab und um 10.50 Uhr gehen wir gemeinsam auf das Schiff mit dem Namen „Nunatak“. Es nieselt immer noch leicht und so entscheiden wir uns für einen Platz auf dem Oberdeck innen, ganz vorn beim Schiffsführer. Hier ist auch eine Tür in unmittelbarer Nähe, durch die wir raus ins Freie können. Idealer Platz.
Kurz nach 11 Uhr legt das Schiff zur 6-stündigen „Wilderness Explorer Glacier Cruise“ mit Mittagessen ab. Wir überqueren die Bucht und das Schiff legt sich vor eine Kolonie Seevögel, die hier ihre Nester zu tausenden am steilen Hang neben einem Wasserfall haben. Kurz nach der Seevögelkolonie gibt es bereits um 11.30 Uhr ein „Mittagessen“. Eine kleine Scheibe Heilbutt, Nudelsalat, 1 Brötchen mit Butter. Für 129 US $ kein schlechter Kurs, aber die Schifffahrt ist ja wohl die Hauptsache. Der Nudelsalat ist Fabrikware und so schrecklich im Geschmack, dass wir nur den Fisch und das Butterbrötchen essen. Ah, einen heißen Kaffee gibt es auch noch.
Um 12 Uhr haben wir die Insel Esther Island erreicht. Langsam steuert der Kapitän in eine Bucht. Ganz nahe am Ufer können wir zahlreiche Nester von Weißkopf-Seeadlern (bald eagle) sehen. Manche Nester sind besetzt und über anderen kreisen die Adler in der Luft. Ich habe eine Aufnahme von 2 Altvögeln mit ihrem Jungvogel gemeinsam in der Luft. Die Jungvögel der Adler haben noch nicht die typischen weißen Federn der Seeadler. Sie sind ganz dunkelbraun. Leider zeigt die Aufnahme das gegen den hellen Himmel nicht ganz so deutlich. Langsam tuckern wir an der Küstenlinie entlang. Ab und zu sehen wir einen toten Lachs im Wasser treiben. Es werden immer mehr und bald erkennen wir auch den Grund. Vor uns liegt eine Fischzuchtstation (hatchery). Es ragen große Zuchtbecken in die Bucht hinaus. Auch hier fahren wir langsam daran vorbei. Mit dem Polarisationsfilter der Videokamera kann man im Wasser sogar hunderte von Lachsen außerhalb der Becken erkennen. Es platscht und spritzt nur so um das Schiff herum. Die weiblichen Lachse springen für eine bessere Eiablage immer schräg aus dem Wasser heraus. Auf dem Rückweg aus der Bucht sehen wir parallel neben dem Schiff schwimmende Steller Seelöwen und weitere Weißkopf-Seeadler. Nach einer kurzen Wetterbesserung beginnt es jetzt in der Esther-Passage wieder zu regnen. Die Wolken kommen sogar ziemlich tief herunter und es ist eine gespenstige Atmosphäre außerhalb des Schiffes. Vor unserem Platz hängt ein Flachbildschirm mit den Kursdaten des Schiffes und wir können sehen, dass wir in der Estherpassage sind. Das ist die engste Stelle zum Festland an der nordöstlichen Spitze der Insel.
Es ist jetzt 12.45 Uhr und das Schiff steuert den offenen Barry Arm an. Wir haben noch Hunger und ich gehe zum Tresen im Unterdeck um zu sehen, was es hier gegen Bargeld zu kaufen gibt. Kaffee und Tee sind  kostenlos, aber Schokoriegel kosten 80 US Cent. Schweren Herzens, weil nichts anderes zu haben ist, nehme ich 2 Snickers, einen Tee für Anja und einen Kaffee für mich mit nach oben. Viel gefilmt habe ich bisher noch nicht, das Wetter war für tolle Aufnahmen nicht besonders geeignet und das Schiff schwankte bei langsamer Fahrt ordentlich. Zwanzigfache Zoomaufnahmen gehen da gar nicht. Im Barry Arm treiben jede Menge Seeotterfamilien, die zahlreich an Tieren sind. Die Größte hat bestimmt an die 80 bis 100 Tiere, die fast alle auf dem Rücken im Wasser treiben. Das ist ein toller Anblick. Das Schiff fährt nun den schmaler werdenden Barry Arm hinauf und dann weiter westlich in den Harriman Fjord bis zum Surprise Gletscher.
Um 14.10 Uhr sind wir da und kreuzen vor dem Gletscher auf und ab und beobachten Seeotter auf den treibenden Eisschollen. Auch hier regnet es still vor sich hin und ich bin froh, dass ich mir eine professionelle Schutzhaube für meine Videokamera gekauft habe. Nur der Kunststoffschirm für das Objektiv hängt mir hin und wieder ins Bild und rundet es im oberen Bereich schwarz ab. Hin und wieder knallt es wie ein Gewehrschuss vom Gletscher herüber. Nach 30 Minuten fahren wir zurück und besuchen um 15.15 Uhr den Coxe Gletscher und direkt daneben den Barry Gletscher. Diese gewaltigen Eismassen direkt vor der Kameralinse sind einfach nur beeindruckend. Leider regnet es immer noch. Dieses Sauwetter hängt hier hinten in der Bucht wie angeklebt. Um 16.30 Uhr sind wir wieder an der Südspitze Esther Islands und nehmen Kurs auf Whittier, wo wir um 16.55 Uhr mit der „Nunatak“ anlegen.
Der kurze Weg zum Hotel kommt uns sehr gelegen. 17.05 Uhr ziehen wir die klammen und zum Teil nassen Sachen im Hotelzimmer aus und warme, trockene an. Danach machen wir uns jeder über einen Apfel her und laden die Akkus. Ich versorge auch noch meine „Quatschmaschine“. Das ist ein kleines Diktiergerät mit Minikassetten. Darauf halte ich alle Ereignisse des Tages minutiös fest. Nach einem vierwöchigen Urlaub mit so vielen Eindrücken kann man sich an viele wichtige Erlebnisse nicht mehr erinnern. Ich schreibe dann nach der Rückkehr sofort ein Tagebuch nach den Aufzeichnungen vom Band. So ist der Urlaub auch noch nach Jahren jederzeit präsent. Nach dem der „Bürokram“ erledigt ist, haue ich mich auch noch wenige Minuten auf mein Bett. Kann sein, dass ich auch eine halbe Stunde geschlafen habe. Die frische Seeluft und ähnliche Umstände. Jedenfalls sind wir um 19 Uhr abmarschbereit zum Restaurant. Eigentlich wollten wir im „Ort“ noch mal nach einer Lunchgelegenheit sehen, aber das Wetter!
Als wir durch die Tür des Restaurants sehen, wuselt da unsere „Texanerin“ von gestern mit vollen Tellern in den Händen vorbei. Nö, nicht noch einmal die Getränke wegnehmen lassen. Da wir das Hotel jetzt schon einigermaßen kennen, gehen wir an der Rezeption vorbei den Gang entlang zum Fahrstuhl. Hier gegenüber befindet sich noch ein Eingang in die Bar, da müssen wir nicht durch das Restaurant. Von gestern Abend wissen wir, das es hier auch eine Speisekarte gibt und das Essen aus der gleichen Küche kommt. Also rein und unseren Platz am Fenster besetzt. Die Sicht ist nicht so gut wie Gestern, aber dass Bier exakt so frisch. Nur die nette weibliche Bedienung wurde durch den Poolspieler ersetzt. Sie hat wohl Heute frei. Anja bekommt einen Burger, ich ein Prime Rib Steak und dazu jeder ein Alaskan Amber Bier. Nach dem guten Essen dürfen wir auch unsere Gläser behalten und sehen uns in der Bar um. Der Dauertelefonierer ist wieder da und…, na klar, er telefoniert. Nur mit dem Essen scheint er Heute schon fertig zu sein. Am Nebentisch, wunderbar in unserer Blickrichtung sitzt ein recht merkwürdiger Typ. Er ist allein und hat ein Glas Bier vor sich stehen. Er stiert immer gerade aus und ab und zu fällt der Kopf nach vorne oder nach hinten und röchelt dabei seltsam. Nach ein paar Sekunden oder längstens einer Minute ist er dann wieder wach und guckt in der Runde herum. Nach einer halben Stunde bestellt er sich ein Steak mit Fritten und Salat. Wer jetzt denkt, das macht den Typen etwa munterer irrt gewaltig. Er schneidet ein Stück Fleisch ab, kaut darauf herum und das Spiel mit dem Kopf und den Geräuschen wiederholt sich am laufenden Band. Warum der hier in der Bar ist und isst ist uns schleierhaft. Im seinem Zimmer und da im Bett währe der besser dran.
Nun gibt es in der anderen Richtung aber auch noch Interessantes zu sehen. Im Jachthafen direkt am Hotel schwimmt ein Seeotter herum und auf der Kaimauer sitzt ein Weißkopf-Seeadler. Was für ein Panorama. Anja will kein zweites Bier, immerhin sind das 0,473er Gläser und so sind wir schon um 21.10 Uhr im Zimmer. In der Glotze läuft die Westernserie „Deadwood“ in der 3. Staffel. Bei einer Schlägerei reißt da Einer einem Anderen ein Auge heraus, welches dann herunter hängt. Na, ob wir das im deutschen Fernsehen zu sehen bekommen? Nach der Folge mit Werbung ist dann um 22 Uhr für heute Schluss.

 

 





 

 

 

 



Klick für große Bilder:


Büro der Prince William Sound Cruises & Tours


Unser Ausflugsschiff "Nunatak"


Navigations-Monitor


3 Weißkopf-Seeadler in der Luft

 

 


Alles voller Lachs

 

 


Weißkopf-Seeadler

 

 


Weißkopf-Seeadler

 

 

Fischerboot im Barry Arm

 

 

Surprise Gletscher

 

 

Coxe Gletscher

 

 

Barry Gletscher