Anjas und Winfrieds Reiseseite
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Abenteuer in Alaska

vom 08. Juli bis 20. Juli 2006

Tag 6 - Donnerstag 13. Juli 2006

Seward - Whittier

6.45 ist der Wecker wieder mit seiner Tätigkeit dran. Also erst einmal raus aus den Federn und das Übliche erledigt. Anja geht nach mir ins Bad und so mache ich mich über die Frontscheibe unseres Autos her. Da ich auch unterwegs gerne aus dem Auto heraus Aufnahmen mache, sind die breiten und flüssigen Fliegen im Bild nicht so gut. Wie man auf dem Bild gut sehen kann, hat sich die ganze Mühe nach ein paar Kilometern Highway auch wieder erledigt, aber wenn man gar nichts tut? Danach filme ich noch das Restaurant, die Lobby des Hotels und unser schönes Haus „Windflower“. Wir haben uns hier in der Windsong Lodge wieder sehr wohl gefühlt. Die Zimmer sind sehr großzügig eingerichtet und es ist absolute Stille hier im Tal, da abends niemand mehr zum Exit Glacier fährt.
Um 8 Uhr früh ist das Gepäck im Wagen und wir gehen quer über den Parkplatz zum „Resurrection Roadhouse“, so heißt das Restaurant nämlich. Wir haben Breakfast a' la carte oder ein Buffet zur Auswahl. Anja bestellt sich bei der Bedienung Eier mit Toast und Hash Browns (kleine Bratkartoffeln) von der Karte. Ich nehme das Buffet und da gibt es das alles auch, man muss es sich nur holen. Heute ist mir auch zusätzlich nach Bacon und Frühstücksspeck. Ich bin schon lange mit meinem Frühstück fertig, aber Anja hat noch immer kein Essen. Auch der Refill mit dem Kaffee hat bisher nicht geklappt. Allen anderen Gästen wird immer nachgeschenkt und an unserem Tisch ist die Kanne dann leer. Das Mädel mit der vollen Kanne nimmt dann die Nachschenktour erneut im Uhrzeigersinn auf und bei uns ist diese dann wieder alle. So nicht. Nun machen wir uns lautstark bemerkbar. Das Frühstück für Anja wurde vergessen und sofort wuselte eine junge Lady in die Küche. Und wir hatten eine eigene Kanne Kaffee auf dem Tisch. Na also, geht doch. Um 9.30 Uhr sind wir dann in der Lobby und checken aus. Da sehen wir voller Freude Maria Rosa und Pedro aus Barcelona an der Rezeption. Sie wohnen auch für ein paar Tage hier und wir empfehlen ihnen die Captain’s Choice Tour mit der "Mariah". Dann tauschen wir noch die E-Mail Adressen aus und verabschieden uns.
Da der Trip nach Whittier nur knapp 2 Stunden dauert, haben wir noch viel Zeit und fahren in das alte Seward zum Alaska Sealife Center. Für 30 US $ für uns Beide gibt es ein paar Tiere zu sehen und einen Souvenir Shop. Wir kaufen eine Videokassette mit tollen Tieraufnahmen aus Alaska in PAL-Version und laufen noch etwas durch den Ort, der Heute bei voller Sonne noch einmal so schön aussieht.
Um 11.50 Uhr sitzen wir im Auto und steuern zurück durch Seward, den Hafen und dann weiter in nördliche Richtung über die Kenai Halbinsel wieder auf den Turnagain Arm zu. Es ist hier absolut kein Verkehr auf den Straßen und so sind wir bereits um 13.20 Uhr an der Einfahrt des Anton Anderson Memorial Tunnels, der nach Whittier führt. Er wird als Nordamerikas längster Eisenbahn-Auto-Tunnel bezeichnet. Nun ja, er ist 2,5 Meilen lang und kann von einem Zug und von Autos befahren werden. Natürlich nicht gleichzeitig, sondern immer schön nacheinander. Normalerweise ist der Verkehrsfluss so geregelt: z.B. darf man um 13 Uhr von Portage in Richtung Whittier eine viertel Stunde lang fahren. Dann wird der Tunnel gesperrt und da die Autos ca. 15 Minuten für die Durchfahrt brauchen, darf dann um 13.30 Uhr die Gegenrichtung auch für 15 Minuten fahren. So geht das immer wechselseitig. Wir bezahlen unsere 12 US $ Gebühr und dürfen auf Lane1 parken. Um 13.30 Uhr soll die Durchfahrt nach Whittier beginnen. Aber dann ändert sich die große Laufschrift an der Zufahrtsschranke. Es kommt ein Zug, ein langer Güterzug sogar. Hurrah, sofort die Kamera angeschaltet und gefilmt. Das ist wirklich ein toller Zufall. Der Zug ist durch und der nächste „Traffic Release“ wird uns für 13.45 Uhr angekündigt. Dann geht es los. Das erste Auto bekommt grünes Licht für die Durchfahrt. Die Ampel springt zwischen den Autos immer von grün auf rot, um zwischen die Fahrzeuge etwas Abstand zu bringen, aber viele geben gleich wieder Gas und sitzen dann dem Vordermann auf der Pelle. Wir wissen, was auf uns zukommt. Im letzten Urlaub hatten wir auch schon einmal das Vergnügen mit dieser Tunneldurchfahrt. Die meisten Autofahrer sind schon einmal beim Autofahren mit den Rädern bei nasser Fahrbahn in Straßenbahnschienen gekommen und haben gemerkt, dass der Wagen ganz furchtbar „schwimmt“ bzw. leicht hin und her tanzt. Nun, der Tunnel hier bietet dieses Vergnügen auf gut 4 Kilometern. Die Fahrbahn ist im nackten Felsen des Tunnels nass und zwischen den Eisenbahnschienen sind Bleche verlegt. Hier muss man mit einem PKW mit voller Konzentration und mehr als einem fest gehaltenen Lenkrad fahren. Ich habe schon vorher den Allradantrieb zugeschaltet und so ist die Fahrt erträglich. Doch die 15 Minuten Durchfahrt dauern ewig.
Aber dann sind wir durch und am Prince William Sound. Wir lassen den Hafenbezirk links liegen und fahren bis zum Ende der Straße. Hier sind die An- und Ablegestellen für die Fähren und die Ausflugsschiffe. Bei der Firma „Prince William Sound Cruises & Tours“ buchen wir die 6-stündige Wilderness Explorer Glacier Cruise am nächsten Tag. Während ich mit der Kreditkarte das Geschäftliche erledige, hat sich Anja in eine rote Mütze mit „Nativ-Motiven“ auf der Krempe verliebt. Die wird dann auch sofort mitgenommen. Um 14.15 Uhr stehen wir vor unserem Hotel direkt am Jachthafen von Whittier. Es ist das „Inn at Whittier“. Ein imposanter Holzbau mit Kupferdächern. Es sieht noch sehr neu aus. Auf der Straße vor dem Hotel ist überall Parkverbot, sehr witzig. Das Gepäck ausladen sollte aber doch erlaubt sein? Nun vertrauen wir darauf, das die Sheriffdichte hier in Whittier nicht sehr hoch ist und stellen uns genau vor den Haupteingang. An der Rezeption ist auch eine freundliche, beleibte Lady und studiert sorgfältig unsere Vouchers. So einen Zettel hat sie wohl noch nicht gesehen, was die Theorie des neuen Hotels stützt. Nach zahllosen Drehungen und Wendungen des armen Papiers wird dann ein Telefon bemüht. Wir verstehen von dem Gespräch wenig, aber danach bekommen wir den Schlüssel für Zimmer 203 und eine Wegbeschreibung dort hin. Von der Mitte des Hotels müssen wir zunächst zu einer der Seiten laufen und dort unser Gepäck durch eine Tür ins Hotel schaffen. Dann mit einem kleinen Aufzug eine Etage hochfahren und dann wieder quer durch das Hotel zur ganz entgegen gesetzten Seite durch einen langen Flur tappen. Gut das die Koffer Rollen haben. Wir sind vor unserem Zimmer angekommen und durch die vielen Biegungen und Windungen habe ich kurzzeitig die Orientierung verloren. Um 15 Uhr stehen wir vor unserer Zimmertür.
Nach dem Öffnen aber dann ein großes Ah und Oh. Das Zimmer ist sehr schön eingerichtet und verfügt über 2 Queen Betten, Schreibtisch und einen hohen Schrank mit Fernseher. Auch das Bad ist großzügig gehalten. Aber das Beste ist der Blick aus den beiden doppelflügeligen Fenstern. Wir sehen genau auf den Prince William Sound mit dem Jachthafen sowie auf die gegenüber liegende Bergkette. Traumhaft. Wir packen unsere Koffer aus, laden alle Akkus und relaxen etwas. Um 17.30 Uhr raffen wir uns bei noch immer sehr schönem Wetter zu einem Spaziergang durch den Ort auf. Wir schlendern am Jachthafen entlang, wo es einige Holzhäuser mit Charterbootsverleihern gibt und sind schon bald (nach 5 Minuten) am Ende des Touristenbereiches.
Hier ist dann die Anlegestelle der „Alaska Marine Highway“, mit der wir übermorgen mit dem Fährkatamaran Chenega nach Valdez wollen. Im Hintergrund sehen wir einen großen Gebäudekomplex, der auch schon bessere Tage erlebt hat. Es soll sich um ehemalige Wohnungen für Militärangehörige handeln. Die Anlage sieht wie eine Ruine aus und ist wohl auch eine.  Neben dem Fähranleger gibt es einen langen Fußgängertunnel, der in die Wohnsiedlung von Whittier führt. Er unterquert die breite Gleisanlage, auf der die Züge rangieren. Es ist gerade ein Zug unterwegs und wir sehen dem emsigen Treiben der Eisenbahner gespannt zu. Auf der anderen Seite der Gleisanlage laufen wir wieder in Richtung Hotel. Ganz am Ende, fast schon wieder am Hotel, gibt es nur noch ein Gleis und ein rotes Blinklicht. Das blinkt natürlich und wir müssen warten. Interessiert schauen wir noch ein paar Minuten dem Zug beim Rangieren zu, dann ist das Blinklicht aus und wir gehen ins Hotel zurück.
Um 19 Uhr sind wir im Restaurant des Hotels und nehmen am reservierten Tisch am Fenster platz. Eigentlich hätten wir nicht reservieren müssen, es sind fast alle Tische frei, aber man weiß ja nie. Die Bedienung ist eine Frau Ende der Fünfzig mit einer rauchigen Stimme mit tiefstem Slang. Sie kommt aus einem der Südstaaten, eventuell Texas. Das haben wir herausbekommen, aber sie versteht unser deutsches Englisch nicht so gut. Kommen hier nur Amerikaner hin? Nach einigem hin- und her bestellen wir unser Dinner. Für zwei Burger und zwei Softdrinks werden wir 30,28 US Dollar los. Eigentlich ist 1 ½ Softdrink richtiger. Die Gute hat mit dem Begleichen der Rechnung auch den Tisch abgeräumt und Anjas halbvolles Glas Diät-Cola mitgenommen. Das ging so schnell, das der Überraschungsmoment zu lange dauerte und sie schon mit allem weg war. Andere Länder, andere Sitten. Es ist 20.30 Uhr und wir sitzen an einem leeren Tisch am Fenster im Restaurant des „Inn at Whittier“. Durch eine Tür mit Scheibe sehen wir neben dem Restaurant, auch mit Fenstern zur Bucht, eine Bar. Das ist doch was, und so strömen wir in diese Richtung. Es gibt sogar noch einen Fensterplatz und dort lassen wir uns nieder. Wir bestellen natürlich ein frisch gezapftes Alaskan Amber (draft beer). Hier in der Bar sind mehr Gäste als nebenan im Restaurant. Die Kellnerin spielt zwischen ihren Bedienungseinsätzen mit einem Hausboy Poolbillard. An der Bar sitzt ein Typ mit einem Handy am Ohr und telefoniert ununterbrochen. Als er sein bestelltes Essen bekommt, telefoniert er trotzdem weiter und isst sein Gericht einfach mit den Fingern der freien Hand. Na bitte, geht doch. Auf einem anderen Barhocker sitzt ein weiterer, alleinreisender Mann, der seinen Kopf mit einer Mütze ziert. Es ist hier drin nicht kalt und es regnet auch nicht. Vielleicht fehlt ihm das nötige Haupthaar, um bei Damen noch zu wirken. So benimmt er sich jedenfalls. Minutenlang mustert er alle Frauen so auffällig, das es schon anzüglich ist. Das Bier schmeckt uns so gut, das noch ein zweites Glas dran glauben muss.
Draußen ist immer noch schönes Wetter. Doch plötzlich ein kurzer,  heller Schein und direkt danach ein ohrenbetäubender Knall. Blitz und Donner. Hinter uns, auf der gegenüberliegenden Bergkette der Bucht, haben sich dunkle Wolken herangeschlichen und sich lautstark gemeldet. Es blitzt und donnert noch ein mal und dann ist der Spuk schon vorbei. Leider behalten wir die dunklen Wolken und die geben auch noch das gespeicherte Wasser nach unten ab. Es beginnt zu regnen. Nach den zwei Bieren haben wir die nötige Bettschwere und um 21.45 Uhr ist für uns der Tag zu Ende.

 

 





 

 

 

 



Klick für große Bilder:


Sealife-Center in Seward


Hafen von Seward


Hauptstrasse in Seward


Kenai Halbinsel

 

 


Blick zurück

 

 


Der Anderson Memorial Tunnel

 

 


Das Inn at Whittier

 

 


Whittier am Ende der Strasse

 

 


Unser Hotel vom Anleger- Steg aus gesehen