Anjas und Winfrieds Reiseseite
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Abenteuer in Alaska

vom 08. Juli bis 20. Juli 2006

Tag 5 - Mittwoch 12. Juli 2006

Seward - Kenai Fjords NP

Nach und nach legt sich der Jetlag und wir können die Nacht gut durchschlafen. Um 5.45 Uhr piept der Wecker und es folgt die übliche, allmorgendliche Reinigungsprozedur. Das Restaurant öffnet erst um 7 Uhr und das wird uns zu hektisch. Es gibt ja eine Kaffeemaschine mit einem Filterpad im Zimmer und Toast mit Belägen hatten wir ja gestern bei Safeway gekauft. Da wir dem Hotelshuttlebus nicht so recht trauen, fahren wir selbst zum Parkplatz in der Nähe des Hafens und warten da auf einen Shuttlebus. Wir sind sehr früh hier, aber nach und nach kommen noch einige andere Personen, die scheinbar alle zum Hafen wollen. Nach 20 Minuten warten kommt der Shuttlebus, es ist natürlich der von unserem Hotel L und fährt uns im Hafen genau zu Kenai Fjord Tours. Wir melden uns am Schalter an und tauschen unsere Karten gegen die echten Bordkarten für unser Boot. Es ist erst 7.30 Uhr und so haben wir noch viel Zeit. An der Wasserseite des Gebäudes gibt es eine lange Bank und so machen wir es uns in der aufgehenden Sonne gemütlich. Der Kapitän der „Mariah“ wird uns hier abholen, hat man uns gesagt.
Um 8.15 kommt er dann endlich. Es ist kein schmucker Traumschiffkapitän mit dunkler Uniform und goldenen Streifen an den Ärmeln. Ein etwas älterer, grauhaariger, beleibter Mann mit Jeans und blauem T-Shirt kommt auf uns zugeschlurft und begrüßt uns. Statt der 15 Passagiere sind wir 17, aber es ist für alle genug Platz. So trotten wir alle hinter ihm her auf einen Anleger, von dem weitere abzweigen. Dann haben wir das Boot erreicht. Eine freundliche junge Frau Anfang der 30er begrüßt uns. Sie ist für die Betreuung der Passagiere zuständig, darf das Boot aber auch steuern, wie wir später feststellen. In der Kajüte ist Platz für 6 Personen, der Rest muss draußen auf Bänken ohne Dach und auf Ausrüstungskisten Platz nehmen. Nur gut, dass wir fast wolkenfreies Wetter haben und es auch warm werden soll. Da wir in der Prozession zum Boot vorne sind, haben wir trotzdem einen Platz in der Kajüte besetzt. Der Fahrtwind könnte doch unangenehm werden und Salzwasser spritzt auch bei voller Fahrt auf das Deck. Unsere Kameragehäuse aus Aluminium werden es uns danken. Dann hält der Kapitän seine Ansprache. Die Fahrt heißt ja „Captain’s Choice“ und er fragt seine Passagiere, was sie alles sehen möchten. Natürlich kommen von allen Seiten so viele Vorschläge, wie es Tiere hier in der Resurrection Bay und im Kenai Fjords National Park gibt. Unser Beitrag ist der Buckelwal, hier „Humpback Whale“ genannt. 2004 hatten wir auf der Nachmittagsfahrt schon einmal 2 Wale gesehen, einen sogar mit „tail“. Die Schiffsführer kommentieren immer begeistert den „tail“ Das ist, wenn der Wal steil abwärts taucht und dabei seine Schwanzflosse schön sichtbar aus dem Wasser ragt. Das kannten wir auch nur von Tierdokumentationen aus dem Fernseher und hatte uns so begeistert, das wir das unbedingt auch noch einmal sehen wollten. Als alles geklärt ist, geht der Kapitän in sein Ruderhaus und wirft die Maschine an.
Um 8.40 legt das Boot ab und steuert dann tuckernd in langsamer Fahrt auf die Hafenausfahrt zu. Zuerst bekommen wir ein kleines Frühstück von der 30erin. Es ist ein großer Joghurtbecher mit Cerealien und vielen Früchten darin. Da der Joghurt kalt ist, schmeckt es erstaunlicherweise sehr gut.  Mittlerweile sind wir in der Bucht, die hier direkt bei Seward Resurrection Bay heißt. Die erste Tierbeobachtung ist ein Seeotter, der wenige Meter neben dem Boot auf dem Rücken im Wasser treibt und putzig seine gefalteten Vorderläufe aneinander reibt. Da wir in der hier noch relativ engen Bucht nahe am Ufer entlang gleiten, bekommen wir noch Puffins (Papageientaucher) und Bald Eagles (Weißkopf-Seeadler) vor unsere Kameralinsen. Hinter dem Bear-Gletscher  wird die Bucht breiter und nun zeigt die „Mariah“ was sie kann. Mit voll aufgedrehten Motoren pflügt sie durchs Wasser bis zur nächsten Bucht. Nach gut 45 Minuten voller Fahrt kommen wir in der südlichen Ecke der Resurrection Bay in eine weitere kleine Bucht. Hier ist eine ganze Herde Tümmler (Harbour Porpoise) zu sehen. Mache schlagen verspielt mit den Schwanzflossen und einer springt sogar ganz aus dem Wasser. Direkt danach sehen wir die riesige Rückenflosse eines Orcas (Schwert- oder Killerwal) aus dem Wasser ragen. Ob da unten wirklich gespielt wird? Das Wasser ist nicht durchsichtig und wir werden es auch nie erfahren. In der nächsten kleinen Bucht sehen wir dann mehrere Buckelwale, die im Wechsel immer wieder tauchen. Mal mit und mal ohne „tail“. Unser Kapitän sagt jedes mal vorher an, ob es einen „tail“ gibt. Ich kann das nicht erkennen, wenn der Wal runtergeht, ob er sich so stark krümmt, das der „tail“ zu sehen ist. Egal, wir bekommen es ja gemeldet. Zwei oder drei Wale ist ein wenig dürftig, aber der Kapitän gibt seinen Passagieren bekannt, das er noch einmal auf der Rückfahrt hier vorbeifahren wird. Erfahrungsgemäß sind dann viel mehr Tiere hier zu sehen. Das macht uns Hoffnung, denn der Mann fährt ja jeden Tag hier her und muss es schließlich genau wissen.
Die Fahrt geht weiter ganz nah an traumhaft schönen und wilden Küsten entlang. Mal liegen einige Exemplare „Steller Sealions“ (Seelöwen) auf Klippen herum, mal sehen wir Trottellummen wie Pinguine in großen Kolonien herumwackeln und immer wieder jede Menge Papageientaucher. Bei fast wolkenlosem Himmel und sehr angenehmer Temperatur einfach nur ein Traum. Zur Mittagszeit steuert der Schiffsführer nun um das Ajalik Cape herum in Richtung Ajalik Gletscher. Hier ist schon die offene Bucht zum Pazifik spürbar. Der Wellengang nimmt zu. Die 30erin bastelt in der Kombüse herum und bald gibt es für jeden Passagier eine heiße Gemüsesuppe und danach einen Sandwich Basket, ein flaches Plastikkörbchen in dem sich ein Toast mit Käse und Schinken belegt herumlümmelt . Als Nachtisch reicht man uns noch eine Auswahl an Schokoriegeln. Gut, das wir abends im Crab Pot reserviert haben. Das Boot fährt nun während des "Mittagsmales" ein gewaltiges Stück die Ajalik Buch hinauf. Da ganz klares Wetter ist, können wir auf weite Entfernung sogar den Holgate Gletscher sehen, an dem wir vor zwei Jahren ein spektakuläres Kalben beobachten konnten. Damals war es aber kalt, regnerisch und dadurch kein Vergnügen. Nach einer ¾ Stunde sind wir dann gesättigt am Ajalik Gletscher.
Langsam steuert unser Kapitän seine „Mariah“ auf die Eiswand zu. Er hält zwar einen respektablen Abstand ein, aber der Anblick ist einfach gewaltig. Ich bin im Schätzen nicht sehr gut, aber 1 1/2 bis 2 Kilometer ist der Gletscher lang und bestimmt gut 200 Meter hoch. Bitte nicht festnageln an dieser Stelle, es fehlen die Vergleichsmöglichkeiten. Mit leise blubberndem Motor pendelt das Boot den Gletscher auf und ab. Einmal stellt der Kapitän diesen auch kurz ab. Es herrscht eine gespenstige Stille. Ab und zu peitscht ein lauter Knall wie ein Gewehrschuss aus dem Gletscher heraus. Diese Geräusche entstehen, wenn das Eis auf dem Weg zu Tal zerbirst  und über die Abbruchkante zum Wasser hängt. Dieses Erlebnis behält man sehr lange in Erinnerung. Leider ist in der Zeit, die wir vor dem Gletscher kreuzen, kein großer Abbruch zu beobachten. Man kann eben nicht jedes Jahr das große Glück haben. Es ist jetzt 14 Uhr und das Boot steuert wieder nach Süden in die Ajalik Bucht. Eine kleine Gruppe von 5 Seeottern schwimmt am Boot vorbei und auf einer kleinen Insel sehen wir von Nahem noch einen Schwarzbären in der Sonne Gras fressen. Unterwegs begegnen wir noch einer kleinen Flotte Boote mit Lachsfischern, die ihre Angeln ausgeworfen haben. Ein Fisch nach dem Anderen wird da an Borg gezogen. Um 15 Uhr sind wir am „Three Hole Point“, einer Felsformation, bei der man durch 3 Löcher das Küstenpanorama beobachten kann. Der Punkt wird von allen Ausflugsschiffen angefahren, aber mit unserer „Mariah“ kommen wir ganz nah heran. Auch ein tolles Erlebnis auf dieser Fahrt. Aber der absolute Höhepunkt kommt jetzt. Unser Kapitän hatt uns ja versprochen, am Nachmittag noch einmal zu den Buckelwalen zu fahren.
Die Wale heute Morgen waren ja noch verschlafen und nicht so zahlreich. Jetzt aber sind alle putzmunter und tauchten um das Boot herum, als ob wir viel Geld dafür an sie bezahlen würden. Mehrere Herden mit 5 bis 7 Tieren tauchten auf, blasen asthmatisch aus und verschwinden mit einem tollen „tail“ wieder in der Tiefe der Bucht. Immer und immer wieder. Manchmal scheint es so, als würden sie sogar zusammenstoßen, so nahe kommen sie sich. Sogar extrem nahe am Boot, keine 15 Meter, so das wir auch das röcheln beim Atmen hören können. Auch das ein unvergessliches Abenteuer. Aber alles geht einmal zu Ende und so startet unser Kapitän die Maschine und um 16.15 nimmt die „Mariah“ Fahrt auf zurück nach Seward.
Hier legen wir ohne weiteren Stopp um 17.30 an und verabschieden uns brav von der 2 köpfigen Crew des Bootes. Das war wirklich ein Highlight hier in Alaska. Wetter absolute Spitze und die Captain’s Choice Tour der Knaller. Nach ein paar Minuten kommt der Shuttlebus und befördert erst Passagiere zum Bahnhof, da der Zug nach Anchorage schon abfahrtbereit ist. Danach steigen wir am Parkplatz aus und fahren mit dem Auto zum Hotel. Wir haben noch 1 ½ Stunden Zeit, ruhen uns ein bisschen aus und nach einer wohltuenden Dusche verlassen wir um 19.30 das Zimmer. 2 Minuten vor 20 Uhr sind wir im Restaurant „Crab Pott“ und setzen uns auf die für uns reservierten Plätze. Die Bedienung ist sehr nett und wir bestellen Salat, Clam Chowder, T-Bone Steak und hinterher noch Kaffee. Das Restaurant und das Essen sind sehr gut und zu empfehlen. Gute Bedienung in gutem Ambiente und geschmeckt hat es auch noch. Nun ist es 21.30 Uhr und wir sind fertig. Draußen ist noch heller Tag und von einsetzender Dämmerung noch keine Spur. Hier nahe am Polarkreis geht die Sonne zwar unter, aber es bleibt auch in der Nacht noch etwas dämmrig. Aber über 9 Stunden auf dem Wasser und immer angespannt nach Tieren und Motiven Ausschau halten fordert seinen Tribut. Wir sind geschafft und müde und möchten nur noch in die Horizontale. Zurück mit dem Auto zum Hotel, etwas noch ins Werbefernsehen geschaut und danach Augenpflege bis zum nächsten Morgen.

 





 

 

 

 



Klick für große Bilder:


Der Hafen von Seward


Kapitän der "Mariah"


Seeotter in der Resurrection Bay


Weißkopf-Seeadler in seinem Nest am Ufer

 

 


Steller Seelöwen in der Ajalik Bucht

 

 


Der Ajalik Gletscher

 

 


"Tale" - die Schwanzflosse eines Buckelwales

 

 

Ein Buckelwal

 

 

Zwei Buckelwale

 

 

Restaurant Crab Pot