Anjas und Winfrieds Reiseseite
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Abenteuer in Alaska

vom 08. Juli bis 20. Juli 2006

Tag 4 - Dienstag 11. Juli 2006

Anchorage - Seward

Nach der grandiosen Tour gestern ist heute ein „Fahrtag“. Diese Tage haben wir in die Reise eingebaut, um den nächsten Tag am Ort in voller Länge zur Verfügung zu haben, was bei manchen Exkursionen enorm wichtig ist. Daher piept relativ spät der Wecker und kurz vor 8 Uhr sind wir am Frühstücksbuffet im Hotel. Es ist mehr los als gestern in aller Frühe, aber wir finden einen Platz und lassen uns die frischen, warmen Waffeln mit Erdbeersoße schmecken. Hinter uns kommt nach und nach eine japanische Reisegruppe. Die sind zum ersten mal in einem Extended Stay De Luxe Hotel und wir beobachten vergnügt die immer wieder kehrende Prozedur: „wie geht das hier, wo fang ich an?“ Zuerst schreitet man einmal am Buffet entlang und begutachtet die Angelegenheit. Dann nimmt man sich ein Getränk. Die erste Hürde ist geschafft. Die Sache mit den Bagels ist da schon schwieriger. Die sind rund und vor allem dick. Die passen so nicht in die Schächte der Toaster, von denen zwei Stück zur Verfügung stehen. Da steht etwas abseits eine Art Schneidemaschine, in die man den Bagel hochkant hineinstellt und mit einem geführten Messerteil von oben in zwei Hälften teilt. Diese passen dann in die beiden Schächte eines Toasters. Auch die Bedienung der beiden Waffeleisen ist nicht so einfach zu durchschauen. Das Oberteil hochklappen, einen bereitstehenden und gefüllten Messbecher mit Waffelteig in das Unterteil schütten, dann das Oberteil wieder schließen kann man ja so gerade noch verstehen. Aber dann tut sich mit dem Gerät nichts mehr. Das man das gesamte geschlossene Gerät um 180 Grad drehen muss, damit die Zeitschaltuhr zu laufen beginnt, ist auf den ersten Blick auch nicht ersichtlich. Ich denke an 2004 zurück, wo wir an unserem ersten Morgen genau so „japanisch verstört“ hier standen und verschämt aus den Augenwinkeln die anderen Gäste beobachtet haben, wie die das denn machen. Da ich meine Waffel bereits verzehrt habe, stehe ich auf und zeige einer mittelalten Lady aus dem fernen Osten die Handhabung des Waffeleisens und der Bagelteilmaschine. Sie nimmt die Ratschläge dankend an und muss nun ihrerseits den massenhaft nachrückenden Neuankömmlingen alles erklären. Da wir bald mit dem Frühstück fertig sind, sind wir auch froh, der schnatternden Horde fernöstlicher Lebensfreude zu entkommen. Zum Ende nehmen wir noch ein „Coffee to go“ mit ins Zimmer.
Um 9 Uhr checken wir im Hotel aus. Es war unsere insgesamt fünfte Nacht in diesem Hotel und wir haben uns hier wohl gefühlt. Die Zimmer sind groß genug und die citynahe Lage ist sehr gut. Wir fahren vom Parkplatz erst links auf die 9th Avenue und dann nach ein paar Blocks rechts auf die Gambell Street, die nur wenige hundert Meter später zum Seward Highway Nr. 1 wird. Hier tanken wir, da es in der Stadt immer etwas billiger ist als draußen im Hinterland. Weiter fahren wir zum Northern Light Boulevard und suchen den Wal-Mart. Wir sehen ihn auch, verfahren uns aber zwei mal, da wir in dem Gewirr von One Way Streets die Einfahrt auf den riesigen Parkplatz immer verfehlen. Aber geschafft. Wir parken unseren Leihwagen, schnappen uns einen Einkaufswagen und legen los. Von Deutschland kennen wir nur den ehemaligen Wal-Mart in Düsseldorf Reisholz und daher waren unsere Erwartungen nicht sehr hoch. Das Konzept ist hier in den USA aber erfolgreich und so sind wir gespannt. Schon der erste Eindruck ist großartig. Eine hohe, gut ausgeleuchtete Halle mit viel Platz zwischen den Regalen. Wir schieben unseren Caddy durch mehrere Reihen und suchen nach Schirmen, die wir in Deutschland vergessen haben. Dabei werden wir immer wieder von höflichem Personal nach unseren Wünschen gefragt. Wir sind aber ehrgeizig und wollen das Regal mit den Schirmen selber finden. Fast am Ende der Regalreihen geben wir auf. Nun nehmen wir doch die freundlich angebotene Hilfe einer netten Verkäuferin an. Und dann kommen wir ins Staunen. Die junge Dame bittet uns, ihr zu folgen. Sie geht von einem Ende der Halle bis zum anderen Ende der Halle, also wieder fast bis zum Eingang, und zeigt auf die Verkaufsgondel mit den Schirmen. Wir sind echt platt. In „Good Old Germany“ hätte man uns zurückgeschickt mit den Worten: „Ham se die da vorne nich jesehen???“  „Nee, ham wer nich, sonst wärn wer ja nich bis hier hinter gelatscht!!! So klingt es mir imaginär im Kopf herum. Wir bedanken uns freundlich und das Mädel zieht ebenfalls strahlend wieder zur anderen Hallenseite ab. Wir entscheiden uns für zwei kleine Taschenschirme. Übrigens haben wir die neuen Schirme im gesamten Urlaub nicht gebraucht. Etwas Knabberkram für unterwegs landet ebenfalls noch im Wagen. Und dann trifft mich auf dem Weg zu einer Kasse fast der Blitz. Da liegen in einer Gondel jede Menge der feinsten Alaska-Caps herum. Genau die, die ich schon 2004 einmal auf dem Kopf eines Touris gesehen hatte, danach aber nicht mehr in einem Geschäft. Tiefblau und mit den gestickten, goldenen Sternen der Staatenflagge Alaskas. Tolles Teil und die fast 20 Bucks sind mir egal. Her damit. Hinter der Kasse werden wir von einer schon etwas älteren Dame kontrolliert, ob wir auch alles bezahlt haben. Das hatten wir vor Jahren immer in der Metro erlebt, ist da aber auch schon lange passe`. Die Dame macht das aber ausgesprochen freundlich und als sie merkt, das wir „Ausländer“ sind, wird sie noch freundlicher und fragt uns die üblichen Löcher in den Bauch. Oh nice, Germany, wonderful and so on. Das übliche smallgetalke mit dem woher und wohin. Das wohin ist ja einfach, Seward kennt diese nette ältere Frau ja noch, aber sagen sie mal beim woher: Düsseldorf. No? Close to Cologne! No?  Near by Frankfurt! No? Aber mit München oder Berlin klappt es dann. Sind bei uns ja auch keine wirklichen Entfernungen. Fahren Sie mal von New York nach Los Angeles, das sind dann Entfernungen, aber die fliegt man ja hier. Nein, wir sind von der Freundlichkeit wirklich überwältigt und denken, dass das Konzept so wie hier in Amerika in Deutschland zumindest eine Chance gehabt hätte. Aber woher nimmt man so freundliches Dienstleistungspersonal?
Auto beladen, gestartet und runter vom Parkplatz. Östlich den Northern Light Boulevard bis zum Seward Highway und dann südlich weiter. Mittlerweile ist es schon 11 Uhr und wir halten noch einmal vergeblich am Beluga Point nach den weißen Walen Ausschau. Jetzt sind wir am Bird Point und filmen und fotografieren in toller Landschaftskulisse einen Zug der Alaska Railway auf dem Weg von Anchorage nach Whittier. Dort werden die Passagiere dann mit einem Schiff eine Ausflugsfahrt in den Prince William Sound machen. Wir aber fahren weiter und einige Kilometer hinter der Abzweigung der Straße nach Whittier sind wir dann auf der wunderschönen Kenai Halbinsel. Zuerst fahren wir durch eine alpenähnliche Bergwelt, immer wieder an schön gelegenen Bergseen vorbei, durch Wälder und schöne Täler. Ortschaften sind hier nur Ansammlungen von verstreut liegenden Häusern. Die meisten Häuser sieht man von der Straße aus nicht, nur am Briefkasten mit dem Winkarm erkennt man, dass da jemand in der Nähe wohnt. Um 13.30 Uhr sind wir nach gemütlicher Fahrt in Seward. Wir lassen die Zufahrt zum Exit Gletscher und zum Hotel erst einmal rechts liegen und fahren direkt in den Ort.
Hier am Hafen von Seward gibt es mehrere Charterfirmen für Ausflugsfahrten. 2004 sind wir um fast die gleiche Zeit aus Homer kommend hier gewesen, haben die letzte Fahrt von 15 Uhr bis 21 Uhr gebucht, ins Hotel gerast, Zimmer geentert und gleich wieder zurück zum Hafen. Dann brauchte man noch einen Parkplatz etwas entfernt, denn hier im Hafen darf man nur sehr kurz parken. Das war uns damals alles viel zu stressig. Wir parken also kurz und strömen in das Office der Firma Kenai Fjord Tours. Mein Puls ist etwas höher als sonst. Ich habe bei der Planung der Reise für uns die Captain’s Choice Tour herausgesucht. Die wird mit einem kleinen Boot und nur für 15 Personen angeboten. Was, wenn die Fahrt schon ausgebucht ist? Aber der Herzschlag kann sich wieder beruhigen. Wir sind sogar erst die Dritten und Vierten für Morgen. Wir bekommen nummerierte Bordkarten für das Schiff „Mariah“ morgen früh um 8 Uhr. Wenn jetzt das schöne Wetter von heute auch noch bis morgen hält, was für ein Glück wäre das.
Also, weiter und zurück zum Hotel. Parken am großen Haupthaus der Seward Windsong Lodge. Das ist hier in Seward eines der sehr guten Hotels. Die Lodge ist aufgeteilt in 8 Holzhäuser mit je 12 großen Zimmern verteilt auf 2 Etagen. Erstaunlicherweise bekommen wir exakt das gleiche Zimmer im Haus Windflower wie vor 2 Jahren. Wir können direkt vor der Treppe parken, die zu unserem Zimmer im ersten Stock führt. Wir tragen unsere Koffer die paar Stufen hoch und in das Zimmer. Unten ist es zwar bequemer, aber je nach Gästen können die einem schon mal im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Kopf herumtrampeln. Da sind wir lieber oben. Tür zu und jetzt fällt auch schlagartig die Anspannung der letzten Tage von uns ab. Wir merken eine kleine Müdigkeit, und da es erst 14.30 Uhr ist, überreden wir uns zu einem kleinen Mittagsnickerchen. Nach 1 ½ Stunden sind wir wieder fit und fahren zum Haupthaus. Hier kaufen wir für 3 US $ Kaffee und bummeln durch den obligatorischen Shop der Lodge. Anja entdeckt eine sehr schöne, ärmellose Weste mit einem gestickten Schriftzug der Windsong Lodge und kann nicht widerstehen. Ich plündere inzwischen das Regal mit den Flyern der verschiedenen Restaurants und den Freizeitangeboten.
Nach dem Kaffee halten wir auf dem Weg nach Seward beim Restaurant „Salmon Bake“. Das wird in einer Reisebeschreibung lobend erwähnt und wir wollen einen Tisch am Abend reservieren. Das ist bei guten Restaurants hier in USA auch dringend zu empfehlen, da man sonst lange Wartezeiten in Kauf nehmen muss, bis man an einem Tisch platziert wird. Aber um so erstaunter sind wir, dass man keine Reservierung entgegen nimmt. Es sei genug Platz, so viele Gäste kommen an einem Wochentag nicht. Also gut, wollen wir denen mal glauben. Wir fahren weiter nach Seward hinein und halten an einem Safeway Supermarkt. Hier besorgen wir uns Obst, fragt nicht nach dem Preis, und Toastbrot, Cream Cheese und etwas Wurst. Danach fahren wir am Hafen vorbei bis ganz weit nach Seward hinein, in den alten Teil des Ortes. Hier parken wir auf der Main Street. Es ist zwar die 3rd Avenue, sieht aber so aus wie die Main Street in einer alten Westernstadt. Statt der schräg geparkten Autos müssten da die Pferde an den Stangen stehen. Wir bummeln nun die Main Street hinunter und sind um 17.45 am Sealife Center. Es gibt hier für den nächsten Tag eine Führung „Behind the Scene Tour“, aber die ist leider schon ausgebucht. Also zurück auf die 3rd Avenue und shopping gemacht. In dem Souvenirshop „Once in a blue Moose“, irgendwas mit einem blauen Elch, habe ich ein originales, abgelaufenes Nummernschild aus Alaska entdeckt. Es soll 6,95 US $ kosten. Ein echtes Schnäppchen, denn in Kalifornien und anderen Touristenorten kosten die echten leicht mal das doppelte. Nachgemachte für Touristen bekommt man an jeder Ecke, aber eine echte „Plate“, die mal an einem Auto hing, ist schon seltener. Beim blauen Elch um die Ecke ist das Restaurant „Crab Pot“. Auch hier gibt es eine Empfehlung, aber da wollen wir erst morgen essen. Eine Reservierung ist nötig, aber heute für morgen kein Problem.
Danach fahren wir zurück und sind um 19 Uhr wieder am Salmon Bake. Vorhin war der Parkplatz leer, jetzt ist er schon fast voll. Misstrauisch entern wir das Lokal und sind erstaunt, das wir einen sehr schönen Fensterplatz bekommen. Die Einrichtung hier drin ist sehr urig. Alles aus Holz und im alten Westernstil. Grobe Holztische und Holzstühle, Jagdtrophäen an den Wänden und ein Kronleuchter aus Hirschgeweihen zieren den großen Speiseraum. Nebenan am Eingang gibt es noch eine Bar, aber da sitzt um diese Zeit noch kein Gast. Nur der in keinem amerikanischen Restaurant weg zu denkende Fernseher mit dem obligatorischen Baseballspiel stört den tollen Gesamteindruck. Wir bestellen natürlich wieder unser Alaskan Amber, ein mittelbraun gefärbtes Bier, welches kalt sogar sehr gut schmeckt. Wir bekommen es zusammen mit dem obligatorischen Glas Wasser in einem Schraubdeckelglas. Bier aus einem Marmeladenglas? Egal, es ist vorher gespült worden und hat keinen Erdbeergeschmack mehr. Die anderen Gäste trinken ebenfalls alle aus solchen Gläsern, das ist im Salmon Bake wohl ein Gag. Wir entscheiden uns zum Dinner für Heilbutt und Lachs, hier in Alaska immer frisch und eine Delikatesse, mit Bohnen, Cold Slaw (Krautsalat) und den üblichen French Fries (Pommes). Nach dem sehr guten Abendessen fahren wir zum Hotel, versorgen unser gesamtes Kamera-Equipment und lassen uns noch mit Dauerwerbung, unterbrochen von einer Serie, die hier immer ein Jahr eher läuft als bei uns, unterhalten. Kurz vor 22 Uhr ist dann Bettruhe angesagt.





 

 

 

 



Klick für große Bilder:


Gletscher am Turnagain Arm


Turnagain Arm


Schild am Highway


Zug der Alaska Railroad am Bird Point

 

 


Schild an der Kenai Halbinsel

 

 


Office von Kenai Fjords Tours

 

 


Seward Windsong Lodge

 

 

Hauptstrasse von Seward

 

 

Salmon Bake, Seward

 

 

Heilbutt im Salmon Bake