Anjas und Winfrieds Reiseseite
www.wurzelsreisen.de
 

 

Alaska und das Yukon Territory

vom 10. Juli bis 01. August 2004

Mittwoch 28. Juli 2004

Wasilla - Anchorage

Es ist 7 Uhr in der Frühe – eigentlich noch viel zu früh nach unserer Meinung. Da wir nichts Wichtiges vor haben, drücke ich den Wecker aus und wir bleiben noch bis 7.50 Uhr liegen. Jetzt, kurz vor dem Ende des Urlaubs lässt die Anspannung auch deutlich nach. Anchorage und damit die letzte Station vor dem Rückflug ist das heutige Tages- und Endziel. Die Koffer sind schnell gepackt, da wir auch nie viel auspacken. Anja ist im Bad und ich schleppe schon mal die Koffer runter. Die Reisetaschen mit den Badutensilien nehmen wir immer zum Schluss mit zum Auto. Nachdem wir alles verstaut haben, gehen wir zum Restaurant und sehen hier ein Frühstücksbuffet. Entweder ist es jetzt um kurz vor 9 Uhr schon geplündert oder es sind so wenige Gäste da, dass sich ein Buffet nicht lohnt. Jedenfalls sagt uns das karge Frühstück nicht zu und wir checken aus dem „Best Western Lake Lucille“ Hotel aus. Ich mache im weichen Morgenlicht noch ein paar Aufnahmen von der Front des im Blockhausstiel gebauten Hotels und dann geht es ab auf die Hauptstraße durch den Ort Wasilla.
Wir fahren ca. 3 Kilometer in Richtung Palmer und entdecken auf der linken Seite ein Schild mit der Aufschrift „Wasilla Country Kitchen“ mit dem Zusatz Breakfast. Wir nehmen die nächste Gelegenheit zum Wenden war und parken unseren braven Chevy direkt vor dem Restaurant. Es ist 9 Uhr als wir einen sehr seltsamen Laden betreten. Es sind nur Einheimische Gäste hier und das Restaurant ist sehr gut besucht. Die meisten Personen sind Holzfäller oder schwer arbeitende Menschen. Sie sehen alle sehr grobschlächtig aus. Die Dekoration hier drin ist voll weihnachtlich gestaltet und das ist jetzt im Juli sehr merkwürdig. Wir haben keine Zeit uns umzusehen und zu wundern, da kommt auch schon eine als Santa Claus angezogene Bedienung auf uns zu und schubst uns an einen freien Tisch. Sie wischt mit einem Lappen kurz darüber und legt die vorbereiteten Tischsets samt Besteck vor uns hin. Eine Speisekarte liegt auf dem Tisch und wir haben gerade einen kurzen Blick hineingeworfen, haben wir auch schon jeder einen Kaffee vor uns stehen. Nun ja, was soll’s, machen wir den Spaß einfach mit.
Die Lady mit dem Weihnachtskostüm und den Tannenbäumchen als Ohrschmuck nimmt unsere Bestellung auf. Wir entscheiden uns beide für das Frühstück „Family Style“ und diese Wahl war sehr gut. Wir bekommen von jedem etwas und tauschen untereinander die Beilagen. Dabei können wir wieder aus den Augenwinkeln sehen, wie wir als Ausländer identifiziert und genauestens von einigen Gästen beobachtet werden. Trotz des Nippes überall im Restaurant wirkt es urban und dabei gemütlich. Am Ende des guten Frühstücks kommt Anja von der Toilette und grinst mich an. Dort gibt es keine Türen vor den Kabinen sondern nur Vorhänge. Da sich im Restaurant nur Männer aufhalten, sind Türen auf dem Damenklo wohl nur Verschwendung, denken wir und zahlen das vom Preis her recht günstige Frühstück. Es war reichhaltig und schmeckte.
Um 9.45 Uhr sitzen wir wieder im Auto und düsen weiter in Richtung Palmer. Hier biegen wir auf den Highway nach Glenallen ab und fahren bis zum Hinweisschild zur Musk Ox Farm, die wir um 10.11 Uhr erreichen. Das Wetter wird schlechter und es fängt an zu tröpfeln. Wir parken vor dem Haupthaus der Farm und gehen hinein. Hier gibt es einen kleinen Souvenirladen und eine Kasse. Ich kaufe 2 Eintrittskarten zu je 8,50 US$ und bekomme die Auskunft, dass die nächste Führung um 10.30 Uhr beginnt. Da haben wir aber Glück gehabt. Ich verlasse das Gebäude und mache draußen noch einige Aufnahmen. Anja schaut sich im Shop die aus Moschuswolle gestrickten Mützen und Schals an. Die sind sehr schön, flauschig warm aber sehr, sehr teuer.
Pünktlich um 10.30 Uhr beginnt dann eine junge, korpulente Dame mit der Führung. Zuerst zeigt sie uns eine Landkarte mit dem Verbreitungsgebiet der Moschustiere und erzählt etwas über deren Domestizierung. Dann führt sie uns bei immer noch leichtem Regen hinaus zu den Gehegen. Wir sind beide sehr überrascht. Unter Moschusochsen hatten wir uns Tiere vorgestellt, die in etwa so groß wie Wisente oder gar Büffel sind. Wir sehen hier aber Tiere, die kaum die Größe eines Ponys erreichen. Den männlichen Tieren hat man die Spitzen der Hörner abgesägt, damit sie sich in der Brunft, wenn sie mit den Köpfen zusammenhauen, nicht verletzen. Im Nachbargehege stehen die Damen mit ihren Kälbchen. Sind die süß, kaum größer als ein Hund und dabei noch so tollpatschig. Der Besuch auf dieser Farm hat sich trotz der Nässe gelohnt. Im Shop zeigt uns eine ältere Inuitfrau, wie aus den hauchdünnen, aus dem Fell der Tiere ausgekämmten Haaren, ein Schal gehäkelt wird. Für einen normalen Schal braucht sie mehrere Wochen und jetzt verstehen wir auch den Preis für diese Waren.
Kurz nach 11 Uhr sind wir wieder auf dem Highway und fahren weiter in Richtung Glenallen. In dem unbedeutenden Ort Chicaloon gibt es eine Tankstelle und der Chevy wird wieder voll gemacht. Toiletten gibt es hier auch und wir gönnen uns ein Eis am Stiel. Dann geht es weiter bis zur Abfahrt hinunter zum Matanuska Gletscher. Die ist allerdings abenteuerlich und wir können sie nur mit Geländewagen empfehlen. Bis zu einem lang gestreckten Haus können wir noch unbehelligt fahren, dann stehen wir vor einem Schlagbaum. Auf einer Tafel lesen wir, dass man eine Einfahrgebühr bezahlen muss. Wir parken und betreten das Haus. Die Einfahrt zum Gletscher kostet 10 US$ und die sind schnell bezahlt. Zusätzlich müssen wir aber noch ein Formular ausfüllen, mit dem wir uns aber schwer tun. In der Hauptsache geht es um den Haftungsausschluss und den Ausschluss der Verantwortung des Pächters und darum, das wir auf eigenes Risiko die Straße hinter zum Gletscher benutzen. Wir kreuzen alles an und suchen hier noch einmal die Restrooms auf.
Wir fahren los und der Schlagbaum öffnet sich wie von Geisterhand für uns. Er wird wohl von innen gesteuert. Nach 16 abenteuerlichen Fahrminuten und vielen Schweißtropfen erreichen wir den Parkplatz am Gletscher. Jetzt wissen wir, warum wir diesen Schrieb ausfüllen mussten. Schlaglöcher sind keine Beschreibung für die Hindernisse, die wir um- bzw. durchfahren mussten. Brücken über reißende Bäche bestanden meist nur aus 2 Baumstämmen für jedes Rad, auf die ein Brett genagelt ist. Durch den Regen sind die Bretter auch noch glitschig. Abenteuer pur hier hinten am Matanuska Gletscher. Und die gleiche Strecke müssen wir wieder zurück. Na ja.
Um 13.16 Uhr sind am Parkplatz vor dem Gletscher und wir sehen, dass wir mindestens noch 10 Minuten bis zur Gletscherzunge laufen müssen. Auch hier ist die globale Erwärmung stark zu sehen. Der Betreiber kommt scheinbar gar nicht so schnell mit der Verlängerung der Straße bis hin zum Gletscher nach, wie dieser sich zurückzieht. Wir stapfen auf dem mit schwarzem Geröll belegten Weg hinunter zum Gletscher. Dieser ist tückisch, weil man nicht sofort erkennen kann, ob unter dem Geröll Eis ist oder nicht. So stolpern wir mehr schlecht als recht bis zur Zunge des Gletscher vor. Anja macht vor dem Eis halt. Der Gang auf das blanke Eis hinauf ist ihr zu gefährlich. Ich wage mich ungefähr 50 Meter hinauf auf den Eisberg, das aber wie auf rohen Eiern gehend. Trotzdem habe ich eine tolle Aussicht und lasse die Videokamera schnurren. Danach beginnt der mühevolle Abstieg. Immer mal wieder bin ich kurz vor einem Sturz, da ich den glitschigen Belag nicht richtig einschätzen kann. Nach einer dreiviertel Stunde Gletscherbesichtigung sind wir zurück am Auto. Vor uns parkt ein japanisches Paar mit einem kleinen PKW aus und fährt vor uns her. In diesem Auto möchten wir nicht sitzen. Der Fahrer schlingert wie wild über die Buckelpiste und die Pseudobrücken nimmt er im Kriechgang, teilweise bei geöffneter Fahrertür, um besser sehen zu können. Wir haben da mit unserem SUV weniger Probleme. Ich habe den Allradgang eingelegt und der Chevy fährt wie auf Schienen.
Um 14.15 Uhr sind wir wieder am Gebäude und für den Japaner und uns geht die Schranke hoch. Wir parken, benutzen die Restrooms, kaufen noch ein Getränk und fahren dann die steile Rampe zum Highway hoch. Wir biegen links ab und machen uns auf den Rückweg nach Anchorage. Die Fahrt wird sehr eintönig und ermüdend. Nach ca. 75 Minuten Fahrzeit, bei Meile 53, schrecke ich aus meiner Lethargie plötzlich hoch. Wenige Meter vor dem Auto kreuzt plötzlich eine Elchkuh mit Kalb die Fahrbahn von rechts nach links. Das Kalb kann höchstens drei Meter vom Kühler des Chevy entfernt gewesen sein. Ich trete mit voller Wucht auf die Bremse und rette uns und den Tieren wohl das Leben. Mir zittern die Knie, ich muss rechts ran und anhalten. Außer uns war glücklicherweise gerade kein weiteres Auto in der Nähe. Nachdem ich wieder hell wach bin, nehmen wir die letzten Meilen des Tages in Angriff. Gegen 16.45 Uhr sind wir wieder zurück am Aspen Hotel in Anchorage.
Wir stellen den braven Chevy auf den Hotelparkplatz und gehen zur Rezeption. Hier dauert es etwas, denn vor uns ist ein Bus Japaner aufgeschlagen. Die schnattern wie wild, laufen orientierungslos in der Lobby herum und der Reiseleiter hat alle Hände voll zu tun, diese Hühnerschar zusammen zu halten. Wir bekommen ein Zimmer zur achten Straße hinaus und hauen uns erst einmal ein paar Minuten auf das Bett. Danach werden noch die Schuhe vom Schmutz des Gletschers gereinigt und die Akkus der Kameras geladen.
Um 18.50 Uhr, die Sonne steht hier oben noch voll am Himmel, gehen wir zur 5th Avenue. Wir sehen ein Restaurant, aber hier sollen wir 2 Stunden auf das Essen warten. Wir gehen weiter und landen im Straßenrestaurant „King Krab“. Hier sitzen wir an der frischen Luft, es ist gerade schönes Wetter und auch nicht so kalt. Anja bestellt eine Seafood Chowder mit Knoblauchbrot und ich gönne mir Heilbutt Nuggets mit French Fries. Dazu trinken wir natürlich jeder ein Alaskan Amber Bier. Der Preis für das nicht allzu üppige Mal beträgt allerdings stolze 50 US$. Halb gesättigt kehren wir gegen 21 Uhr in unser Aspen Hotel zurück, sehen CSI Miami und den ersten Zorro Film. Da wir morgen nur in der näheren Umgebung sind, machen wir erst um Mitternacht das Licht aus.

nächster Tag

 

 

 

 

 



Klick für große Bilder:


Nahe bei Palmer


Musk Ox Farm


Verbreitungstafel


Moschus Ochse

 

 


Herde Ochsen

 

 


Farmgebäude mit Ochsen

 

 


Haus am Gletscher

 

 


Zufahrtsschranke

 

 

Erster Gletscherblick

 

 

Kalte Angelegenheit

 

 

Matanuska-Gletscher

 

 

Filmer

 

 

Letzter Gletscherblick