Anjas und Winfrieds Reiseseite
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Alaska und das Yukon Territory

vom 10. Juli bis 01. August 2004

Montag 26. Juli 2004

Denali Nationalpark

Um 5 Uhr, zu einer schrecklich frühen und urlaubsuntypischen Zeit melden sich beide Wecker. Ich hatte vorsichtshalber auch den Hotelwecker gestellt, um ja die Fahrt in den Denali Nationalpark nicht zu verpassen. In unserem Hotel, wenn man die Unterkunft so bezeichnen will, gibt es nichts – jedenfalls kein Frühstück. Weder gibt es auf dem Zimmer eine Kaffeemaschine noch hat die Rezeption um diese Zeit bereits auf und bietet hier ein Heißgetränk an. Da wir ein wenig knapp mit der Zeit sind, entern wir um 6.15 Uhr unser Auto und fahren bis zum Chalet Resort. Die Fahrt dauert nur knapp fünf Minuten mit Einparken und so haben wir Zeit, uns hier im Coffee Shop an eine Schlange nach einem Kaffee anzustellen. Der ist ausnahmsweise mal gut und jetzt haben wir fast 30 Minuten Zeit bis zur Abfahrt des Busses. Die nutze ich, um das Resort und andere Busse mit der Kamera aufzunehmen.
Unser Bus mit der Nummer 10 kommt mit 5 Minuten Verspätung an und ist bereits halb voll. Natürlich sind die vorderen Plätze alle besetzt. Der Bus ist wohl bei den etwas hinter dem Ort liegenden Hotels gestartet und hat hier seine letzte Station vor dem Park. Wir steigen in den kakifarbigen Bus ein und sind entsetzt. Es ist ein alter Bus, wie er auch als Schulbus eingesetzt wird. Nur vorne gibt es eine Tür, die mit einem großen Hebel geöffnet und geschlossen wird. Links und rechts bestehen die Sitzreihen aus Stahlrohrgestellen, die mit mittelbraunem Leder bezogen sind und kaum eine Polsterung aufweisen. Na, das kann ja heiter werden.
Wir bekommen auf der rechten Seite – in Fahrtrichtung - eine Sitzreihe und machen es uns so weit es geht bequem. Mit 10 Minuten Verspätung rumpelt der Schulbus um 7.00 Uhr vom Parkplatz des Chalet Resorts los. Zuerst geht es über den Highway in Richtung Süden und dann nach rechts ab an einem großen Schild vorbei, das auf den Denali National Park hinweist. Erst ca. 20 Kilometer weiter kommen wir an den eigentlichen Parkeingang. Hinter einer Brücke über einen kleinen Fluss steht eine Hütte mit einer Kontrollstelle und einem Schlagbaum. Die Fahrerin öffnet ihr Fenster, redet ein paar Worte mit der Person im Häuschen und fährt dann weiter.
Jetzt sind wir also im Denali Nationalpark. Die Fahrerin beginnt auch sofort über ihr Headset und die Lautsprecher in ihrem nervtötenden Slang fast pausenlos mit Erklärungen. Sie redet von der Natur, den Tieren und von der Geschichte des Parks. Leider verstehen wir nur sehr wenig, eigentlich nur Fragmente, von diesen Erklärungen. Es ist über die Lautsprecher einfach zu laut und zu undeutlich. Das empfinden auch noch zwei weitere deutsche Paare hinter uns. Noch in einem Waldstück ca. 5 Kilometer hinter der Kontrollstelle stoppt der Bus plötzlich und die Fahrerin stellt den Motor ab. Sie flüstert nur noch und bittet auch alle Passagiere um absolute Stille. Wir sehen im hinteren Teil des Busses erst gar nichts ungewöhnliches, aber nach einer Minute sehen wir auch auf unserer Fensterhöhe auf der rechten Seite einen Luchs vorbei streichen. Das stolze Tier mit den Ohrpuscheln läuft in aller Ruhe vorbei, hält kurz an und ist dann mit einem kurzen Satz im Unterholz verschwunden.
Die Fahrt geht weiter und am nächsten Stopp sehen wir eine kleine Schar Ptarmigans im Sommerfederkleid. Diese Schneehühner haben im Winter weiße Federn und sind somit zu jeder Jahreszeit gut getarnt. Das Ptarmigan ist übrigens der Nationalvogel Alaskas. Der Bus rumpelt weiter über die unbefestigte Straße den Polychrome Pass hinauf. Hier oben existiert eine Haltestelle für die Busse und es sind auch schon welche da. Also heißt es Anstellen an den Toilettenanlagen. Zu trinken gibt es auch etwas: Von der Fahrerin wird ein Plastikbecher gereicht, dazu eine Art Kaffeepulver in der Tüte oder einen Teebeutel und dann kann man sich am Heck des Motors aus einem kleinen Hahn lauwarmes Wasser zapfen. Toll. Ich schütte mein Gesöff heimlich in das Gras – Vorsicht Nationalpark und USA. Das ist jetzt aber bestimmt verjährt. Nach einer knappen halben Stunde geht es weiter. Die genauen Uhrzeiten kann ich in dem unbequemen Gewusel nicht aufschreiben, spielen hier aber auch keine große Rolle. Weiter geht die Fahrt durch den Nationalpark. Es grasen einige Kariboos am Rand der Straße und ab und zu gibt es einen Halt, um am gegenüberliegenden Berghang – Luftlinie ca. 500 Meter - einen Grizzlybären zu beobachten. Der ist aber so weit weg und auf der linken Seite des Busses, dass wir keine Chance haben, das Tier auf Foto oder Film zu bannen. Anja ist für die vor ihr stehenden Passagiere zu klein und für mein 20-fach Zoom wackelt das Gefährt zu arg hin und her. Also nix mit den Bären, aber da haben wir ja schon einige Prachtexemplare von vorherigen Begegnungen.
Nach einer weiteren kurzen Pause geht es immer weiter und tiefer und dabei ereignisloser in den Park hinein. Gegen Mittag ist die Hin-Tortour dann endlich zu Ende. An einer der Haltestellen schert der Bus aus und entlässt uns in die Freiheit der Wildnis. Wir dürfen den 6200 Meter hohen Mount McKinley bestaunen. Nur finden wir ihn leider nicht. Wir und alle anderen Passagiere sehen nur Wolken und die ungefähre Richtung, in die der Berg liegen soll, nützt uns aber auch nichts. Da es abartig windet und diese Briese auch noch eiskalt ist, ziehen wir uns nach nur wenigen Minuten wieder in den Bus zurück. Hier leiden wir noch fast 30 Minuten still auf unserer harten Bank vor uns hin. Wir haben das Gefühl, das diese Bank immer härter wird.
Gegen ca. 12 Uhr, kurz vor der Rückfahrt, bekommen wir von der Fahrerin noch einen Hinweis in Richtung unserer Mägen, die verdächtig anfangen zu knurren. In den Gepäckablagen über unseren Köpfen finden wir pro Person einen Karton. Darin sollen sich jede Menge Köstlichkeiten für einen ausgedehnten Lunch befinden. Von außen sehen die Kartons aus wie die EPAS unserer deutschen Bundeswehr. Und auch von innen. Das muss jetzt aber wirklich nicht sein. Bundeswehrverpflegung auf einer sündhaft teueren Ausflugstour. Gut, hier hinten im Park haben wir auch kein Gourmetrestaurant erwartet, aber wenigstens ein Sandwich und ein ordentliches Softgetränk wären schon standesgemäß gewesen. Aber wir sind mittlerweile abgestumpft und öffnen mit Mühe eine Plastikverpackung mit krümelnden Hartkeksen. Mehr von dem Fraß geht gar nicht über den Knorpel und wie soll man sich ohne Tisch, ähnlich wie im Flugzeug, da noch Marmelade draufquetschen?
Ein Mal hält der Bus noch an einer Dixi-Klo Anlage und erreicht gegen 15 Uhr wieder das Parkende. Völlig gerädert verlassen wir die Rumpelkiste und missachten die offene Hand der Fahrerin. Nee, das war gar nix außer Geldschneiderei. Denali Tundra- und Wilderness Tour? Nein danke – nicht noch einmal.
Völlig fertig setzen wir uns in das Chalet Resort, holen uns einen großen Kaffee und schimpfen erst einmal vor uns hin. Dann fahren wir zum Hotel zurück, Gegen 15.40 Uhr sind wir angekommen, im Zimmer und hier machen wir erst einmal ein paar Minuten Siesta, ja trotz Kaffee - die Tour war eben sehr lang und ermüdend. Um 17.25 Uhr gehen wir runter zur Rezeption und holen uns einen Kaffee und unterhalten uns mit der Dienst tuenden Lady hinter ihrem Tresen. Dazu knabbern wir ein paar Kekse, die sich noch im allgemeinen Fundus fanden. Gegessen hatten wir ja den ganzen Tag fast nichts. Das trockene Zeug aus dem Karton hat sich ja beim hinein beißen in alle Himmelsrichtungen verteilt.
Kurz vor 18 Uhr sind wir wieder im Zimmer. Plan- und ziellos wollen wir nicht wieder in der Gegend herumfahren. Die Tiere sind vor Jahren schon vor diesem Massentourismus weit ins Hinterland geflohen und nicht zu sehen, wie wir gestern gemerkt hatten. Der Ort lädt auch nicht zum bummeln und shoppen ein und so machen wir es uns erst einmal auf unseren Betten bequem. Ich sehe mir die Videos auf dem Kameramonitor an und suche die interessanten Tieraufnahmen heraus. Wieder Frust – es ist außer dem Luchs kaum etwas verwertbares zu sehen – Stopp – die Schlange vor den Dixie Klos ist ganz lustig, da einer Dame in der Schlange im Wind die Kappe wegfliegt und sie diese verlässt, um ihrer Kopfbedeckung nachzujagen. Anja schaut im Werbefernsehen der Amis einen Film mit Bruce Willis und Denzel Washington.
Um 20 Uhr ist der Film zu Ende und der Hunger treibt uns auf die Straße. Wir laufen lustlos in Richtung Ort und landen wieder bei der Salmon Bakery. Es gibt einfach nichts Besseres und alle anderen Läden sind auch gleich teuer. Irgendwie haben wir den Hunger überwunden und teilen uns wieder einen McKinley Burger – nein, keine Angst, das Teil ist nicht so hoch wie der gleichnamige Berg. Wer weiß, woher er diesen Namen hat? Aber das Bier wollen wir uns nun doch nicht teilen. Jeder bekommt zum halben Burger ein ganzes Alaskan Amber. An das Bier haben wir uns nun nach über 3 Wochen gewöhnt und es schmeckt uns auch sehr gut.
Nach einer Stunde ist das fürstliche Mahl zu Ende und wir gehen nun doch noch einmal an den Schaufenstern der Läden hier in Denali Ort vorbei. Ich entdecke einen schönen Schlüsselanhänger und wir kaufen als Mitbringsel noch ein Moose Xing Schild. Ein Schild, das vor der Gefahr die Fahrbahn wechselnde Elche hinweist. Natürlich nur aus Kunststoff und nur für die Touristen angefertigt. Kurz nach 21 Uhr sind wir wieder im Hotelzimmer und knallen uns auf die Betten. Der Fernseher wird noch zwei Stunden traktiert und es wird bei jeder Werbepause wie wild durch die Programme gezappt. Aber um 23 Uhr sind wir dann doch endlich müde und löschen das Licht.

nächster Tag

 

 

 

 

 



Klick für große Bilder:


McKinley Chalet Resort


Busankunft


Kurz vor der Abfahrt


Einfahrt zum Nationalpark

 

 


Ptarmigan

 

 


Luchs

 

 


Grizzlybär

 

 

Pause

 

 

Bus von Innen

 

 

Mount McKinley

 

 

Noch eine Pause

 

 

Mützenjagd