Anjas und Winfrieds Reiseseite
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Alaska und das Yukon Territory

vom 10. Juli bis 01. August 2004

Sonntag 25. Juli 2004

Fairbanks - Denali Nationalpark

Um 7 Uhr lärmt der Wecker, eigentlich noch viel zu früh. Heute müssen wir nur knapp 200 Kilometer fahren und wir wollen uns vorher noch ein wenig in Fairbanks umsehen. Aber daraus wird erst einmal nichts. Fünf Minuten nach dem Wecker tönt die Alarmanlage des Hotels. Feueralarm. Alle raus auf den Parkplatz. Aber mal ehrlich: Im Schlafanzug? Ich springe aus dem Bett und öffne erst einmal die Zimmertür und blinzele in den Flur des Hotels. Kein Rauch oder sonst eine Aktivität ist zu erkennen. Einige weitere Gäste lassen ihre Blicke aus den Zimmertüren den langen Flur hinauf und wieder hinunter wandern. Wir sind in einem Zimmer im Erdgeschoss und haben zur Not unser Zimmerfenster als Fluchtweg. Also keine Panik und erst einmal in Ruhe anziehen. Dann sammeln wir unsere wichtigen Papiere und die Devisen zusammen und gehen in aller Ruhe hinaus auf den Parkplatz vor das Hotel. Der Feueralarm tönt immer noch in voller Lautstärke und nervt mittlerweile immens. So stehen wir mit weiteren ca. 100 Hotelgästen auf dem Parkplatz an unseren Autos und sehen uns ungläubig um. Keine einzige Rauchschwade ist erkennbar und auch die typisch amerikanische Feuerwehrsirene bleibt aus. Die Videokamera ist schussbereit, aber auch nach über 20 Minuten tut sich nichts. Langsam wird es langweilig und kalt. Hier oben in der Nähe des Polarkreises ist es auch im Sommer morgens empfindlich kalt. Im Schlafanzug wäre es allerdings noch ungemütlicher. Aber dann, kurz vor halb acht Uhr kommt die Erlösung in Gestalt einer jungen Hotelangestellten vor die Tür. Sie verkündet ungerührt, fast steif, den Fehlalarm. Kein Wort des Bedauerns. Na ja, wir sind froh, zurück ins Zimmer zu dürfen.
Das Zimmer ist unberührt und wir waschen uns jetzt erst einmal. Dann ziehen wir uns an und packen die Koffer. Anja sucht uns im Frühstücksbereich schon einmal einen Platz, was nach dem Alarm und der Weckorgie nicht einfach ist. Ich schleppe die Koffer raus und packe das Auto voll. Dann geselle ich mich zu Anja und wir sammeln unser Aspen-Frühstück ein. Anja macht sich wieder Waffeln aus den Bechern und ich teile meine Bagels mit der Köpfmaschine in zwei Teile, die ich dann gekonnt in den Toaster stecke. Dabei sehe ich aus den Augenwinkeln, wie ich neugierig von einigen Greenhorns auf diesem Gebiet beobachtet werde und grinse in mich hinein. Der Bagel mit Creme Cheese schmeckt ganz gut und der Kaffee ist auch heiß. Was will man von einem kostenlosen Frühstück hier in den USA anderes erwarten.
Um 9.00 Uhr checken wir aus und fahren mit dem Auto in die Stadtmitte. Es ist Sonntag und die Stadt Fairbanks schläft um diese Uhrzeit noch. Es ist kaum ein Mensch zu sehen und wir bekommen auf der Hauptstraße einen Parkplatz. Wir schlendern ein wenig durch die Innenstadt, aber kein Geschäft ist auf. Am Visitor Center ist auch noch nichts los und es ist geschlossen. Gegenüber ist ein Park mit einer großen Bronzestatue für die Inuit. Die wird gefilmt und fotografiert. In einiger Entfernung sitzt eine dieser Familien unter einer Uhr und unterhält sich lautstark. Einer der Ureinwohner schläft auf einer Bank und hat eine Flasche Alkohol neben sich stehen. Aber da wollen wir nicht stören und verziehen uns in Richtung Auto.
Wir brauchen noch Benzin für den Chevy und steuern gegen 10 Uhr auf dem Highway eine Tankstelle an. Hier sind die Zapfsäulen aber abgeschaltet und nur wenn man die Kreditkarte an der Kasse abgibt, bekommt man das explosive Nass. Hallo – geht’s noch? Das geht nun gar nicht und wir fahren weiter. Gibt es hier oben nahe der absoluten Wildnis so viel Benzinklauer? An der nächsten Tanke die gleiche Prozedur. Also einigen wir uns diplomatisch mit der Dame an der Kasse auf folgenden Kompromiss: Anja bleibt mit der Kreditkarte an der Kasse stehen und ich tanke. Danach bekommt die Gute die Karte und ihr elektronisches Geld. Man sollte nie, wirklich nie, die Kreditkarte unbeaufsichtigt aus der Hand geben. Wer kann schon wissen, was die mit der Karte machen, während man selbst tankt. Das Misstrauen ist dann eben auf beiden Seiten. Um 10.15 Uhr steuern wir endlich unseren roten Chevy in Richtung Denali Nationalpark.
Die Fahrt erfolgt ereignislos. Schon von weitem sehen wir bei schönstem Wetter am Horizont den mächtigen Gipfel des Mount McKinley, dem höchsten Berg der USA. Gegen 11.20 Uhr erreichen wir den kleinen Ort Nenana am Takkana River, einem mächtigen Nebenfluss des Yukon River. Der Ort ist recht klein und übersichtlich. Es stehen einige interessante Exponate im Ort verteilt herum. Darunter auch ein Fishwheel, wie wir es bei Dawson im Yukon gesehen hatten. Ein weiteres Exponat steht am Flussufer, ein Tripod. Das ist ein großes Dreibein, unten ca. 5 Meter im Durchmesser und ungefähr 8 Meter hoch. Es ist schwarz und weis angepinselt und dient nur einem einzigen Zweck. Im Winter wird es auf den zugefrorenen Fluss geschoben und die Spitze wird mit einer Glocke am Ufer verbunden. Wenn im Frühjahr das Eis schmilzt und der Tripod im Fluss versinkt, läutet am Ufer die Glocke. Den ganzen Winter über wetten alle Einwohner aus nah und fern auf genau diesen Zeitpunkt und wer am nächsten mit seiner Zeitschätzung ist, bekommt den Jackpott. Einer Tafel am Museum zufolge soll es schon bis zu 200.000 US Dollar dafür gegeben haben. Wir sehen uns noch ein wenig im Souvenirshop des Eisenbahnmuseums um und fahren dann gegen 11.50 Uhr weiter.
Unterwegs nach Denali stehen wieder ein paar Autos am Straßenrand. Das erste Mal ist es ein junger Elchbulle auf der linken Seite, der nach ein paar Schnappschüssen im Unterholz verschwindet. Wenige Kilometer weiter sehen wir eine Elchkuh mit Kalb in einem Teich stehen und grasen. Eigentlich ist das eine Sensation, wird aber schon nach wenigen dieser Sichtungen zur Routine. Irgendwie ist das schade.
Gegen 13.30 Uhr sind wir in dem Touristenort Denali und steuern das Chalet Resort an. Hier müssen wir unseren Voucher für die Denali Tundra und Wildernes Tour am nächsten Tag eintauschen. Es dauert fast eine viertel Stunde, bis wir den richtigen Schalter gefunden haben. Das hier ist absoluter Massenbetrieb und lässt schon jetzt Horrorvisionen für den nächsten Tag aufkommen. Wir erhalten Karten für die Tour Nummer 10 mit der Busabfahrt um 6.50 Uhr. Wann starten denn die ersten Busse wird man sich da noch fragen dürfen? Zurück im Auto suchen wir unser Hotel für die nächsten 2 Nächte. Das Hotel nennt sich River View Inn und das finden wir ganz am Ende des Ortes. Es ist auf Stelzen über den Abgrund zum Fluss gebaut. Vorne zur Straße ist die Rezeption, zu den Zimmern geht es auf der Rückseite über eine Holztreppe. Wir erhalten die Schlüssel für Zimmer 202 im 2. Stock. Da kann uns wenigstens in dieser Holzkonstruktion keiner auf dem Kopf herumtrampeln. Nachdem ich die Koffer ins Zimmer gewuchtet habe machen wir uns erst einmal auf den Weg in den Ort.
Es ist erst 14 Uhr und sehr schönes Wetter. Im Ort gibt es eine Agentur für Hubschrauberflüge zum Mount McKinley. Wir fragen nach, aber die Flüge sind heute alle von einer japanischen Gruppe ausgebucht. Wieder schade, aber bei diesem schönen Wetter und um diese Uhrzeit ist das kein Wunder. Also ab zu Subway und auf den Ärger wird erst einmal ein Roastbeef-Sandwich erstanden und geteilt. Dann sehen wir uns noch die zahlreichen Souvenirläden an und sind um 15 Uhr wieder im Zimmer und machen es uns gemütlich. Gegen 17 Uhr holen wir uns unten an der Rezeption einen kostenlosen Kaffee und brechen danach zu einer weiteren Tierbeobachtungssafari auf. Leider haben die vielen Touristen das Wild verscheucht, jedenfalls ist in den 3 Stunden kein Tier abseits der Hauptstraßen zu sehen. Um 20 Uhr sind wir wieder zurück und parken unser Auto am Hotel.
Fast gegenüber ist die Salmon Bakery, wir müssen nur einige hundert Meter zu einer Ampel, um den viel befahrenen Highway gefahrlos überqueren zu können. Die Salmon Bakery ist ein sehr rustikales Restaurant. Mit rustikal ist gemeint, dass es aus Brettern, Latten und Planen zusammengenagelt ist. Hier bestellt man sein Essen an einer Luke vor und bekommt nach Zahlung des Betrages  eine Aufrufnummer. Wir haben die 46 und warten und warten und warten. Bei Nummer 50 wird es Anja zu bunt und fragt an der Luke nach. Es gibt eine ganz einfache Erklärung: Wir wurden vergessen. Erst gegen 20.45 Uhr bekommen wir jeder einen McKinley Burger zu je 9,95 $, jeder eine Flasche Alaskan Amber zu je 4,75 $ und eine Entschuldigung. Der Burger ist genießbar und das Bier zischt, wie man landläufig so sagt. Nach dem Essen sind wir zwar noch nicht müde, aber sonst ist in diesem Ort ja nichts los. Wir strömen zurück ins Hotelzimmer, lassen die Glotze glühen und schlafen gegen 23 Uhr. Schließlich müssen wir morgen früh raus.

nächster Tag

 

 

 

 

 



Klick für große Bilder:


Fairbanks Downtown


Fairbanks Downtown


Fairbanks Downtown


Fairbanks Stadtpark

 

 


Fairbanks Visitor Center

 

 


Inuit Statue im Stadtpark

 

 


Nenana Fish Wheel

 

 

Nenana Tripod

 

 

Schild am Tripod

 

 

Eisenbahnmuseum

 

 

Elchbulle an der Straße

 

 

Elche im Teich