Anjas und Winfrieds Reiseseite
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Alaska und das Yukon Territory

vom 10. Juli bis 01. August 2004

Samstag 24. Juli 2004

Beaver Creek - Fairbanks

Um 7 Uhr lärmt der Wecker, aber uns ist überhaupt nicht nach aufstehen. Deshalb bekommt der mechanische Störenfried einen auf den Deckel und wir bleiben noch eine gute halbe Stunde in der Koje liegen. Nachdem wir ganz ausgiebig die Nasszelle benutzt haben, sind wir gegen 8.30 Uhr im Restaurant des Westmark Inn. Hier in der Wildnis einen Coffee Shop zu finden, ist so gut wie aussichtslos. Das Frühstück ist gut, aber wie in allen Hotels hier sehr teuer. Anja nimmt Eier mit Toast und ich gönne mir dazu noch Speck. Nach dem guten Frühstück packen wir unsere Koffer, checken aus und fahren los.
Es ist 9.30 Uhr geworden und es hat leicht zu regnen begonnen. Wir biegen auf den Highway ein und nähern uns nur knapp 5 Minuten später der Grenze. Im Grenzhäuschen ist niemand zu sehen und so fahren wir langsam weiter. Hoffentlich schießen die Amerikaner nicht auf uns, nur weil der Grenzbeamte mal auf dem Örtchen war. Aber es geht alles gut und wir kommen gut voran. Volle 50 Minuten später, ganz plötzlich und unvorhersehbar, steht noch ein Grenzhaus in dieser gottverlassenen Botanik. Was nun? Schnell kramen wir wieder unsere bereits verstauten Reisepässe wieder heraus und merken erst beim Näherkommen, dass dies hier die US-Grenzstation ist. Es war also den Kanadiern egal, ob wir ausreisten. Hier werden jetzt allerdings unsere Papiere einer sehr genauen und strengen Kontrolle unterzogen. Da wir bereits zum dritten Mal in diesem Urlaub nach Alaska einreisen, gibt es auch diesmal keinerlei Probleme. Wir müssen erneut unsere Uhren um eine Stunde zurück stellen. Damit ist es jetzt wieder genau so spät wie bei unserer Abfahrt in Beaver Creek.
Die nächsten zwei Stunden fahren wir durch eine einsame Landschaft. Es regnet immer mal wieder und es folgt eine Baustelle nach der anderen. Manche sind recht kurz, einige aber wieder mit Pilot Car. Um 11.20 Uhr erreichen wir den Schnittpunkt unserer virtuellen acht, Tetlin Junction. Hier sind wir von Tok kommend nach Dawson City abgebogen. Und kaum 10 Minuten später erreichen wir dann auch den Ort mit der nächtlichen Ruhestörung. Wir tanken und fahren gleich wieder auf den Highway zurück. Da das Wetter immer besser wird, hebt sich auch fast schlagartig unsere Laune. Es ist ein wunderbares Fahren hier in Alaska. Der Highway ist breit und Autos sehen wir nur alle paar Minuten mal. Der Himmel ist jetzt blau und kleine, weiße Wolken verschönern diesen tollen Anblick.
Um 13 Uhr erreichen wir den Dot Lake mit der gleichnamigen Lodge. Im Hintergrund befinden sich ein paar Hütten und Stellplätze für Wohnmobile. Wir parken unser mittlerweile sehr stark verschmutztes Auto vor dem Haupthaus der Lodge. Der arme Chevy hat doch arg auf den Gravelroads gelitten. Er ist schmutzig braun statt rot. Wir betreten das Restaurant, das auch gleichzeitig ein für diese Gegend typischer Kramladen ist und setzen uns schüchtern an einen freien Tisch. Eigentlich ist das kein Problem, denn es sind alle Tische frei. Der Wirt kommt schnell und eifrig auf uns zu und reicht uns die Karte. Da wir mächtigen Durst haben, bestellen wir erst einmal eine große Cola. Dann studieren wir eifrig die Karte und können uns nicht recht entscheiden. Eigentlich wollen wir in Fairbanks zu Abend speisen und so bestellen wir nur ein Thunfischsandwich. Der Wirt scheint deutsch zu verstehen, zeigt es allerdings nicht. Nach 10 Minuten kommt ein sehr großes Sandwich und er legt uns jedem ein Besteck hin und wir erhalten sogar einen leeren zweiten Teller. Wir sind im ersten Moment erstaunt und bedanken uns brav. Dann machen wir uns über das Weißbrot mit dem Fischbelag her und bedauern ganz ehrlich, dass wir nur eines bestellt haben. Aus den Augenwinkeln sehe ich, dass der Wirt uns beobachtet und seine Freude daran hat, weil es uns sichtlich gut schmeckt. Nach dem Essen kaufen wir noch zwei Dosen Cola für unterwegs, mehrere Postkarten und sind um 13.45 Uhr mit unserem dreckigen Auto zurück auf dem Highway.
Nach weiteren 45 Minuten entspannter Fahrt erreichen wir den Ort Delta Junction und füllen Tank des Chevys erneut auf. Er ist zwar erst zur Hälfte leer, aber hier oben in Alaska ist es immer eine gute Idee, rechtzeitig beim Anblick einer Tankstelle zu tanken. An dieser Stelle vereinigt sich der Alaska Highway Nr. 2 mit dem Richardson Highway Nr. 4, der von Glennallen heraufkommt. Kurz hinter der Ortschaft gibt es vor der Brücke über den Tanana River an der rechten Straßenseite einen Parkplatz mit Hütten, in denen Andenken und allerlei Kunsthandwerk der First Nation verkauft wird. Wir fahren ab und parken den Chevy. Die wenigen Meter zum Fluss laufen wir und bestaunen die ausgeklügelte Architektur der Alaska Öl Pipeline, die hier den Strom überquert. Über zwei große Pilone sind mächtige Stahlseile gespannt, von denen wiederum dünnere Seile nach unten hängen und an diesen ist dann die Ölleitung angebracht. Bei immer noch schönem Wetter eine ganz tolle Szenerie. Wir gehen an den Souvenirbuden vorbei und sehen uns einige der First Nation Arbeiten an. Es sind ganz tolle Masken und sehr schönes Schnitzwerk zu sehen, aber immer das Gepäck für den Rückflug im Nacken beherrschen wir uns und kaufen nichts.
Zwischen Delta Junction und Fairbanks gibt es immer mehr Siedlungen neben der Straße. Dennoch können wir auf einer Lichtung am linken Straßenrand eine Elchkuh beim Grasen beobachten und filmen. Vor Moose Creek passieren wir die Eielson Air Force Base. Die lange und breite Startbahn liegt direkt neben und parallel zur Straße und es starten auch einige Kampfjets zu Übungsflügen. Leider muss ich auf die Straße achten und halten ist nirgendwo aus verständlichen Gründen möglich. Hinter Moose Creek sehen wir auf der linken Seite das Dorf North Pole. Das ist ein riesiges Shopping Center nur für Weihnachtseinkäufe. Wie sich so etwas in dieser verlassenen Gegend halten und so groß entwickeln kann, ist uns ein Rätsel. Es steht jedenfalls in allen Reiseführern, die wir zur Vorbereitung der Reise gelesen haben. Na, die Amis halt, kann man da nur sagen.
Gegen 16.30 Uhr erreichen wir den Stadtrand von Fairbanks. Der Highway wird breiter und hat bald auf jeder Seite 3 Fahrspuren. Der Highway nennt sich in der Stadt „Airport Way“ und unser Hotel liegt am „Old Airport Way“. Dummerweise gibt es aber vom Erstgenannten keine Abfahrt auf die Straße zu unserem Hotel und es kommt wie es kommen muss – wir haben uns total verfahren. Zudem stellen wir im nachhinein fest, dass der „Old Airport Way“ durch einen neu gebauten Highway unterbrochen wird, es gibt also zwei unverbundene Straßen mit gleichem Namen. Nun wird es knifflig, da wir keine Straßenkarte von Fairbanks haben und es hilft nur fragen. Endlich, um 17.07 Uhr sind wir glücklich im Aspen Hotel von Fairbanks angekommen und checken ein. Das Zimmer ist groß und geräumig und wir räumen zuerst wieder die Waschutensilien aus den Koffern aus. In der Halle an der Rezeption stärken wir uns mit einem kostenlosen Kaffee und den Resten aus einer Plätzchendose. Auf unserer Irrfahrt zum Hotel hatten wir in der Nähe einen Car Wash entdeckt, vor dem sich eine kleine Schlange gebildet hatte. Entweder ist er sehr gut oder der Einzige hier in der Gegend. Da unser Leihwagen eine Wäsche dringend nötig hat, werden wir es wagen, die Waschanlage zu suchen. Wir fahren also 45 Minuten nach unserer Ankunft noch einmal los und finden die Waschanlage tatsächlich sofort wieder. Die Schlange ist etwas kürzer als vorhin und wir stellen uns an. Es dauert ca. 15 Minuten und die all-inclusiv-Aussenreinigung kostet 13 Dollar. Es gibt eine Vorreinigung mit viel Schaum und zum Schluss sogar eine Trocknung des Lackes mit echtem Leder und von Hand.
Zurück im Hotel gönnen wir uns noch einen Kaffee, aber die Kekse sind mittlerweile alle. Wir wollen von Fairbanks noch etwas sehen, aber für eine Schifffahrt mit dem Schaufelraddampfer auf dem Tanana River ist es schon viel zu spät. Ich haben in meinen vor der Reise ausgearbeiteten Tipps noch das Ester Gold Camp gefunden. Das ist nicht sehr weit den Highway entlang in Richtung Denali. Um 18.20 Uhr sind wir am Camp und sehr erstaunt, dass es keine Parkplätze mehr gibt. Es ist Samstagabend und deshalb wohl auch nicht erstaunlich. Mein Adlerauge erspäht ein Paar, das auf ein Auto zusteuert und ich fahre schon mal in Position. Dieser Parkplatz ist uns sicher. Danach gehen wir in ein kleines Geschäft, in dem ein Ticketshop ist. Leider auch hier eine große Enttäuschung. Die Westernshow im Malemut Saloon ist auch bereits ausverkauft. Das ist sehr schade, denn im Saloon gibt es ein paar historische Sachen aus der Goldgräberzeit zu bestaunen. Das Prachtstück ist die originale Bar aus einem Saloon aus Dawson City, die hier her mit dem Schiff gebracht wurde. Dafür gibt es aber noch Karten für die Diashow „Crown of the Light“. Das ist eine Multimediaschau mit mehreren Projektoren über Nordlichter, die Aurora Borealis. Da wir jetzt unseren mächtigen Hunger spüren, es gab ja an der Dot Lake Lodge nur ein halbes Sandwich, reservieren wir auch gleich noch einen Platz im Restaurant für das „all you can eat“ Buffet um 20 Uhr.
Am Feuerwehrhaus postieren wir uns in der ersten Reihe und werden auch bereits 15 Minuten vor Beginn der Show eingelassen. Das rettet uns das Leben, denn die Stechmücken hier in Flussnähe sind noch hungriger als wir und im Freien sind wir ihnen fast wehrlos ausgeliefert. Auch ein großes Taschentuch, durch die Luft geschwungen wie Zorros Peitsche, nützt nicht viel. Um 19 Uhr startet der freundliche Herr, der die Aufnahmen auch alle selbst gemacht hat, seine Show. Mit 3 Diaprojektoren in Überblendtechnik und tollem Sound dauert diese Vorführung gut 45 Minuten und hat und vollauf begeistert. So etwas haben wir bisher noch nicht gesehen. Auf einer Mattscheibe kann man diese Qualität der Bilder nicht darstellen. Diese Vielfalt an verschiedenen Farben und Formen der Polarlichter sind nicht vorstellbar. Die Dias sind brillant und gestochen scharf. Das können wir nur empfehlen. Nach der Show um 19.45 Uhr mache ich vom Feuerwehrhaus noch Außenaufnahmen und filme den Künstler, als er sein Auto besteigt. Freundlich grüßt er zurück und braust davon. Um 21 Uhr gibt es noch eine Show, da wird er wohl wieder zurückkommen.
Die Plagegeister mit dem blutsaugenden Stachel haben draußen auf uns gewartet und wir eilen schnell weiter zum Restaurant. Wir bekommen einen Platz an einem großen Tisch mit vielen anderen Gästen. Es ist immer noch sehr voll und wir bestellen erst einmal ein kühles Getränk. Anja geht schon mal am Buffet vorschauen und kommt auch gleich mit einem Teller voll mit King Krab Beinen zurück. Ich schaue lieber nicht hin, denn die mag ich nun gar nicht. Ich gehe los und bediene mich lieber am Heilbutt und dem leckerem Gemüse. Danach gibt es noch Fleisch, aber das Rentiergulasch ist leider zäh und schmeckt nicht. Ich lasse den Teller stehen und hole mir noch etwas vom Huhn. Zum Abschluss holen wir noch den leckeren Nachtisch und gönnen uns einen weiteren Softdrink. Das Vergnügen ist nicht preiswert. Fast 60 Dollar kostet das Buffet mit Getränken, Steuern und Trinkgeld. Aber wir sind wenigstens satt bis kurz vorm Platzen.
Um 21.30 Uhr sind wir zurück im Hotel und sehen uns das Werbefernsehen an. In einem Kanal läuft noch ein Rest des Films Chicken Run. Aber die Serie Law and Order schaffe ich nicht mehr und ratze gegen 22.30 Uhr voll weg.

nächster Tag

 

 

 

 

 



Klick für große Bilder:


Dot Lake Lodge


Dreckiger Chevrolet


Elchkuh in Weideröschen


Delta Junction

 

 

Alaska Öl-Pipeline

 

 

Tanana River

 

 

Tanana River

 

 

Tanana River

 

 

Tanana River

 

 

Ester Gold Camp

 

 

Festschmaus

 


Ticket Shop

 


Malemuth Saloon

 


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