Anjas und Winfrieds Reiseseite
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Alaska und das Yukon Territory

vom 10. Juli bis 01. August 2004

Donnerstag 22. Juli 2004

Haines - Haines Junction

Heute wird ein sehr ruhiger Fahrtag. Bis Haines Junction sind es nur 238 Kilometer und es steht ein erneuter Grenzübertritt nach Kanada an. Der Wecker steht auf 7.30 Uhr, aber ich bin bereits seit einigen Stunden fast ständig wach. Das Zimmer ist die Hölle. Hinter dem Fenster zum Hof steht ein sehr schlecht schallisolierter Kompressor, der immer genau dann anspringt, wenn ich gerade eingeschlafen bin. Zu allem Überfluss führt noch eine Rohrleitung von dieser Höllenmaschine unisoliert an der Decke genau durch unser Zimmer. Und von dieser gehen dann, wenn der Kompressor läuft, ebenfalls seltsame Geräusche aus. Ob wir dem Typ an der Rezeption auf Anhieb unsympathisch waren oder er uns als die Ersten gleich das schlechteste Zimmer gab, wissen wir nicht, aber eine andere Alternative gibt es hier nicht. Eventuell noch ein Umzug in ein Motel, aber wer macht das schon mitten in der Nacht? Das ist jetzt nicht übertrieben dargestellt, es war wirklich an der Grenze des Erträglichen.
Ziemlich sauer stehe ich um 7.30 Uhr endlich auf und bringe das altertümliche Badezimmer hinter mich. Die Einrichtung hier wurde seit der Zeit, als es noch militärischen Zwecken diente, bestimmt nicht ausgetauscht. Die Armaturen sind ziemlich vergammelt und die Chromauflage ist blind an den Wasserhähnen. Waschbecken und Badewanne sind an einigen Stellen abgeplatzt und der Spiegel ist nur eine blinde Metallplatte. Aber das warme Wasser funktioniert und wir sollten nicht vergessen, wir sind ja auf einer Abenteuerreise im Yukon. Da muss man eben mal ein paar Abstriche machen. Anja benutzt mit leicht skeptischem Blick ebenfalls das Bad und danach strömen wir zum Frühstück. Der Typ an der Rezeption von gestern Abend schläft wohl noch, hoffentlich besser als wir, aber eine Dame gibt uns Auskunft. Frühstück gibt es im Hotel nicht, da müssen wir in den Ort zu einer Bäckerei fahren. Freundlicherweise gibt sie uns einen Plan, es ist ein Platzset aus Papier mit aufgedrucktem Stadtplan von Haines. In diesen zeichnet sie uns die Lage der Bäckerei ein. Wir checken sofort aus, verstauen unsere Koffer im Auto und fahren los.
Es ist die Chillkat Bakery, die wir in nur fünf Minuten Fahrt erreichen. Erstaunlicherweise ist der Gastraum der Bäckerei fast voll und wir bekommen nach fünf Minuten Wartezeit erst einen Platz. Was soll ich hier lange schreiben, es ist wieder ein großer Reinfall. Die Bedienung macht zwar zügig den Tisch sauber und deckt neu ein, dann aber beginnt das lange Warten. 30 Minuten bis wir bestellen können, 30 Minuten bis das Frühstück kommt und weitere 30 Minuten, die wir auf das Bezahlen warten müssen. Es gibt für uns auch nur eine Tasse Kaffee. Die Schlafmütze rennt mit der vollen Kanne immer zu anderen Tischen und wenn sie bei uns vorbeikommt, ist diese leer. Nach eineinhalb Stunden sind wir es satt, stehen ohne einen Tip zu hinterlassen auf und stellen uns in der Bäckerei am Tresen an. Aber auch hier müssen wir noch fünfzehn Minuten warten, bis die Frau mit den zwei kleinen Kindern abgerechnet ist. Als wir dann endlich bezahlen dürfen und unsere Beschwerde vorgebracht haben, tut die Frau an der Kasse so, als könne sie nur Kisuaheli (Swaheli) und reagiert nicht darauf. Dafür hat sie jetzt Schwierigkeiten mit dem Wechselgeld und redet auf uns ein. Komisch, wir versehen kein Wort und sie muss nach hinten, um Wechselgeld zu holen. Das ist sicher ein grober Ausreißer, aber eigentlich darf so etwas nicht passieren. Da wir heute Zeit haben, schmerzen uns die zwei Stunden für das Frühstück nicht, aber dieser Ärger muss nicht sein.
Nach dem Frühstück fahren wir zum Hafen und finden eine Tankstelle. Die ist aber nicht besetzt und wir fahren weiter, finden aber in ganz Haines keine weitere Tankmöglichkeit. Deshalb fahren wir noch einmal zu der Tankstelle und entdecken jetzt ein Schild, das auf die Möglichkeit der Kreditkartenzahlung an einer automatischen Tanksäule hinweist. Wir gehören eigentlich zu der vorsichtigen Kategorie von Kreditkartennutzern und lassen die Plastikkarte nie aus den Augen. Aber hier nützt es nichts, wir müssen ran und gehen genau nach den Hinweisen der Tafel vor. Es klappt und zum Schluss der Tankaktion bekommen wir sogar noch eine Quittung mit dem Namen der Tankstelle darauf.
Da hier in Haines sich nichts Interessantes mehr für uns auftut, fahren wir langsam los. Die breiteste Straße hier im Ort ist der Haines Highway und auf den biegen wir in Richtung Norden ab. Kurz hinter dem Ort liegt auf der linken Seite der Straße der kleine Flugplatz, an dem wir schnell vorbei sind. Danach erstreckt sich ebenfalls links das breite Flussdelta des Chillkat River, das eine Touristenattraktion ist. Im Spätherbst und Winter, wenn die Berge keine Nahrung mehr bieten, versammeln sich hier an diesem Fluss tausende von Bald Eagles, Weißkopf-Seeadlern. Sie sitzen überall in den Wipfeln der Bäume und spähen nach Nahrung. Es ist in dieser Zeit die größte Ansammlung dieser Tiere weltweit. Wir verrenken unsere Augen und Köpfe, können aber jetzt im Sommer keinen dieser schönen Adler erspähen.
Um 11.23 Uhr, nach vielleicht 25 Kilometern immer am Ufer des Flusses entlang, erreichen wir den Grenzort Klukwan. Hier zeigen wir wieder unsere Reisepässe vor und sind erneut in British Columbia. Und wir sind wieder um eine Stunde ärmer, denn hier wird die Uhr wieder auf kanadische Zeit vorgestellt. Nach weiteren 10 Kilometern steht mitten im Straßenverlauf ein Grenzhäuschen. Erst hier ist die offizielle Grenze zwischen Alaska und Kanada. Da aber nur auf der Einreiseseite kontrolliert wird, dürfen wir in ganz langsamer Fahrt passieren. Von hier an wird die Landschaft immer einsamer und bergiger. Kein Auto ist vor uns und auch keines hinter uns. Absolute Wildnis und Einsamkeit. Auf der linken Seite erhebt sich eine mächtige Bergkette mit Gletschern und hohen Gipfeln. Hinter dieser Bergkette befindet sich der Glacier Bay National Park, den wir leider durch den knappen Reiseverlauf nicht besuchen können. Die Straße führt steil bergan und ich stoppe plötzlich. Links im Wipfel eines kahlen Baumes sitzt tatsächlich ein Weißkopf-Seeadler. Er wendet uns den Rücken zu, dreht aber ab und an den Kopf in unsere Richtung. Das war Glück, denn es ist der erste Adler hier in dieser Gegend, den wir zu sehen bekommen.
Es geht weiter auf der einsamen Straße und wir passieren zuerst den Three Guardsman Pass und danach den Chillkat Pass. Beide sind um die 1000 Meter hoch und liegen in einer malerischen Berglandschaft. Grüne Wiesen säumen links und rechts die Fahrbahn und die Ränder stehen voll mit rosa bis pink leuchtendem Fireweed. Leider fehlt für sehr schöne Fotos die Sonne, die sich hinter den Wolken versteckt. Nach 146 gefahrenen Kilometern liegt an der rechten Fahrbahnseite ein Parkplatz und es steht ein großes Holzschild darauf. Hier verlassen wir British Columbia und sind wieder im Yukon Territory. Das wird natürlich fotografiert und wir fahren weiter. Immer noch sind keine weiteren Fahrzeuge zu sehen. Weitere 40 Kilometer später passieren wir den Ort Klukshu, da es aber leicht regnet, fahren wir ohne zu halten weiter. Danach passieren wir den auf der rechten Straßenseite malerisch liegenden Dezadeash Lake und nähern uns nach dem an linker Hand liegenden Kathleen Lake langsam Haines Junction.
Dank der Zeitvorstellung ist es bereits 16 Uhr und wir checken im Alcan Motor Inn ein. Das Motel liegt direkt am Haines Highway, nur wenige Meter vor der Abzweigung, die dem Ort den Namen gibt. Es ist ein ganz normales Standartmotel, wie es hier im Hinterland üblicherweise anzutreffen ist. Blockhausstiel, nur in zweigeschossiger Bauweise. Da wir uns das Zimmer noch aussuchen können, wählen wir einen Raum in der oberen Etage. Ich muss die Koffer zwar die Treppe hoch wuchten, dafür trampelt uns aber niemand auf dem Kopf herum. Nachdem wir unser Standardzimmer bezogen haben, fahren wir noch einmal los. Geradeaus geht es über die Abzweigung in den Ort Haines Junction. Nach wenigen hundert Metern liegt links in einer Nebenstraße das Kluane National Park Visitor Center. Hier gibt es eine Ausstellung und ein großes Gipsmodell des Nationalparks. Das Schaustück ist beeindruckend, vor allem die Darstellung der Wrangell und Saint Elias Mountains ist beeindruckend. Auf kanadischer Seite liegt in den Saint Elias Mountains der Mount Logan, mit knapp 6000 Metern der höchste Berg Kanadas. Die Gletscherzungen, die das Gebirge wie riesige Autobahnen aus Eis durchziehen, müssen gewaltige Ausmaße haben. Da dieses Gebiet nur auf dem Luftweg zu sehen ist, bleibt es für den Autotouristen leider unsichtbar. Nach der Besichtigung der Ausstellung decken wir uns mit Info-Material ein und gehen zurück zum Parkplatz.
Genau gegenüber liegt die Village Bakery, die in einem Reiseführer als sehr gut beschrieben wurde, besonders das Gebäck soll hier hervorragend schmecken. Leider ist die Auslage schon arg geplündert, was jetzt um 17 Uhr auch kein Wunder ist. Wir kaufen dennoch einen Kaffee und eine Kirschrolle, die tatsächlich gut schmeckt. Es ist nach dem Frühstück das Erste, das wir zu uns nehmen und wir merken plötzlich den Hunger. Aber wir belassen es bei der einen Kirschrolle, da wir lieber später noch etwas essen wollen.
Nach dem Besuch in der Bäckerei fahren wir zurück zum Motel und besuchen den direkt daneben liegenden Supermarkt. In Madley’s General Store, wie es mit großen Lettern über dem Eingang steht, kaufen wir für die langen Fahretappen der nächsten Tage etwas Proviant. Apfelsaft, Erdnüsse, etwas Obst und Cream Cheese für Anja. Danach gehen wir in unser Zimmer und legen uns ein paar Minuten auf das Bett. Danach wird noch geduscht und da noch Zeit ist, brechen wir um 19 Uhr zu einer Tiersafari auf. Wir fahren die Willow Acres Road hinunter, sehen aber keinerlei Tiere. Dafür ist der Bewuchs an der Straße auch zu dicht. Wir wären besser den Highway in Richtung Whitehorse gefahren, da hätte sich eventuell eine Tierbeobachtung ergeben.
Relativ enttäuscht kehren wir um 20.30 Uhr zum Motel zurück und treffen auf das Mainzer Ehepaar. Die kommen gerade vom Dinner in einem Chinarestaurant. Da wir jetzt auch keine großen Ansprüche mehr haben und gestern sehr gut gegessen hatten, lassen wir uns den Weg beschreiben und laufen los. Es sind nur zweihundert Meter und wir stehen vor einer Eissporthalle. Gespielt oder trainiert wird nicht mehr und der Laden ist fast leer. Wir fragen vorsichtshalber, bekommen auch mit viel gutem Willen noch etwas zu essen. Anja nimmt Reis mit Krabben und ich begnüge mich mit einem Cheeseburger, der aber das Potential für zwei Portionen hat. Dazu trinken wir jeder ein Yukon Gold Bier, das richtig frisch und kühl serviert wird.
Da im Restaurant und in der Eissporthalle bald tote Hose ist und wir bequemer im Hotel auf dem Bett in die Röhre schauen können, brechen wir um 21.45 Uhr auf und laufen zurück zum Motel. Hier flegeln wir uns noch auf die Betten und schauen das Werbefernsehen mit den gelegentlichen Filmunterbrechungen. Irgendwann, so gegen 23 Uhr schlafen wir in Haines Junction im Yukon Territory fest ein.

nächster Tag

 

 

 

 

 



Klick für große Bilder:


Fort Seward


Hotel Hälsingland


Interpretiv Center


Weißkopf Seeadler

 

 


Endloser Highway

 

 


Rast mit Aussicht

 

 


Haines Highway

 

 


Von British Columbia...

 

 


...ins Yukon Territory

 

 


Rastplatz mit Plattform

 

 


Schönes Panorama

 

 


Rest Room

 

 


Sommer wie in Europa

 

 


Wunderbare Berge