Anjas und Winfrieds Reiseseite
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Alaska und das Yukon Territory

vom 10. Juli bis 01. August 2004

Mittwoch 21. Juli 2004

Skagway - Haines

Heute wird es für uns einen ruhigen und entspannenden Tag geben. Wir fahren nur 29 Kilometer und davon 22 Kilometer mit der Fähre. Eigentlich war von der Planung des Reisebüros eine Fährfahrt in der nächsten Nacht gegen 4 Uhr früh vorgesehen, aber diesen Quatsch wollten wir nicht mitmachen. Was soll man den mit so einem Tag wie heute dann anfangen? Das Hotel morgens schon verlassen, den ganzen Tag herumgammeln und im Auto schlafen? Oder die Nacht noch bezahlen und um 2 Uhr auschecken? Und was soll man dann um 5 Uhr früh in Haines? Das alles hat uns nicht wirklich gefallen und deshalb haben wir die Nachmittagsfähre gebucht und sind so am frühen Abend bereits in Haines in einem Hotel.
Um 7.30 Uhr stehen wir auf und sind um 8.30 Uhr im Wohnzimmer des Hotels zum Frühstück, das hier kostenlos gereicht wird. Es gibt eine große Kaffeemaschine mit Selbstbedienung, einen Toaster für die Beagles und den Toast, Marmelade, Cream Cheese und Obst. Es ist zwar nicht sehr üppig, reicht aber bis zum Mittag. Die Koffer sind schnell gepackt und wir gammeln noch ein wenig im Zimmer herum. Da wir um 10 Uhr auschecken müssen, ziehen wir die Abreise bis dahin noch hinaus. Aber dann nützt alles Verzögern nichts mehr und ich bringe die Koffer zum Auto. Über die Koffer breite ich noch eine Decke aus, da wir das Auto bis zum Nachmittag vor dem Hotel hier in der ruhigen Seitenstraße stehen lassen wollen. Schweren Herzens trennen wir uns von dem Hotelschlüssel und laufen in Richtung Ort los.
Wir laufen erneut bis zur Broadway Street und biegen rechts ab zum Hafen, aber heute gibt es von hier aus kein großes Kreuzfahrtschiff zu sehen. Die Damen des Saloons sind gerade besonders aktiv und werben lautstark aus den oberen Fenstern für die Show, die bereits um 11 Uhr beginnen soll. Die frisch angekommenen Passagiere der Schiffe sind zu Tausenden in dem kleinen Ort, fast könnte man von einer Überschwemmung sprechen. Auch die schwarz-rosa gekleidete Lady vor dem Eingang gibt ihr Bestes und lotst die Menschen in die Show. Wir aber bummeln lieber über die Straße und fotografieren, was die Kameras hergeben. Gut, das es digitale Fotoapparate gibt. Mit Kameras, die Dia- oder Negativfilme verwenden, muss man wegen der Folgekosten hier schon etwas vorsichtiger sein. Motive gibt es hunderte, am liebsten würde man jedes Haus, jede Kutsche und viele andere Szenen ablichten.
Gegen 11 Uhr sind wir erneut am Bahnhof. Ich kann es kaum erwarten, den Souvenirshop zu plündern. Zuerst gehe ich langsam durch die Regalreihen und sondiere das Angebot. Ich hatte vorher schon eine Auswahl getroffen, da viele Artikel auch über die Internetseite des Shops zu sehen sind. Ich kaufe zwei Videokassetten in PAL-Version, einige Metallschilder mit dem Logo der Bahnlinie, eine schwarz-weiß gestreifte Eisenbahnermütze und einen originalen Gleisnagel. Der ist sandgestrahlt und trägt das Zeichen der Dampflok der Bahnlinie. Gerade als ich mit Karte gezahlt habe, hören wir das typische Pfeifen einer Dampflok. Wir sind wie elektrisiert, da wir die Dampflok gestern schon unter Dampf am Depot gesehen hatten. Wir stürmen auf den Bahnsteig und trauen unseren Augen kaum. Sie ist tatsächlich rückwärts mit einem Waggon rangierend in den Bahnhof eingefahren. Wieder raucht der Verschluss der Kamera und ich filme was das Zeug hält. Die Lok fährt wieder unter großem Getöse laut fauchend und tutend aus dem Bahnhof heraus. Das war doch mal ein so genanntes Highlight einer Urlaubsreise – wenn man ein Eisenbahnfan ist. Wir bummeln noch weiter über das Bahnhofsgelände und entdecken eine kleine Hütte. Der Einsiedler ist ein Scherzbold, denn vor seiner Unterkunft liegt das Fell eines Grizzlys auf einem Holzbock und ein Schild warnt: „Please Do Not Feed Or Sit On The Bear“. Wir schmunzeln darüber und beenden den Besuch des Bahngeländes.
Zurück im Ort auf der Broadway Street suchen wir uns ein Restaurant. Wir wollen jetzt nur eine Kleinigkeit essen und lieber später in Haines in Ruhe ein gutes Abendessen genießen. Das Restaurant ist brechend voll. Erstaunlich, weil doch die meisten Touristen hier auf ihren Schiffen Vollpension haben. Aber vielleicht ist ihnen der Weg dahin und wieder zurück zu umständlich. Wir bekommen mit Glück einen Platz an einem Tisch, an dem bereits ein typisch amerikanisches, älteres Ehepaar sitzt. Sie ist mit Goldschmuck behangen und übermäßig geschminkt. Er hat ein kariertes Hemd und eine Weste an und auf dem Tisch liegt ein heller Stetson. Wir haben noch nicht bestellt und sind schon in ein Gespräch mit ihnen verwickelt. Leider ist das Gespräch sehr einseitig, weil eigentlich nur die Amerikaner erzählen. Natürlich von ihrer wunderbaren Zugfahrt und von ihrem Hubschrauberflug den Lynn Kanal entlang. Zwischendurch dürfen wir uns einen Stampeder Burger und Cola bestellen und auch essen. Da wir nicht unhöflich sind und die Amerikaner im Allgemeinen trotz ihrer Schrullen auch mögen, ertragen wir das Ganze stoisch. Wir zahlen recht schnell und entschuldigen unsere Eile mit der Fähre, die wir dringend noch erreichen müssen.
Gegen 13 Uhr sind wir wieder am Hotel und holen unser Auto. Wir haben noch viel Zeit und beschließen, noch vor Haines zu tanken. Wir fahren den Ort hoch und runter, finden aber leider keine Tankstelle. Da wir nicht wissen, was wir weiter machen sollen, fahren wir zum Fährterminal und parken vor dem Gebäude. Danach gehen wir zu einem Schalter und präsentieren dem Angestellten hinter der Glasscheibe unseren Voucher. Er schaut in seinen Monitor und schickt uns mit neuen Papieren, die er herausreicht, auf Lane 1. Es ist jetzt 13.30 Uhr und wir haben noch zwei Stunden Zeit bis die Fähre kommt. Wir vertrödeln die Zeit mit Lesen und Herumspazieren. Ich entdecke das Ehepaar mit dem weißen Chevrolet Blazer, denen wir in Anchorage im Flughafenparkhaus geholfen hatten. Sie stehen mit ihrem Fahrzeug nur sechs Positionen vor uns auf der Spur 1.
Die Fähre kommt pünktlich und legt an, es dauert aber eine ganze Weile, bis die ersten Fahrzeuge das Deck durch das seitliche Tor verlassen können. Danach ist Ruhe eingekehrt. Von 15.30 Uhr bis 17.15 Uhr tut sich praktisch nichts. Eigentlich hätten wir schon längst auf der Fähre sein müssen, denn die soll laut Fahrplan um 16.15 Uhr ablegen. Es geht langsam los, aber nicht unsere Spur wird in die Fähre eingelassen, sondern die Spuren rechts von uns dürfen zuerst losfahren. Das ist auch logisch, denn wir fahren ja am ersten Halt in Haines direkt wieder heraus. Endlich, um 17.45 Uhr stehen wir in der Fähre mit dem Namen „TAKU“. Wir nehmen unsere persönlichen Sachen, steigen die steilen Treppen hinauf zum Passagierdeck und suchen uns einen Platz. Mit etwas Glück finden wir auch noch einen, die Fähre ist vermutlich voll. Es dauert aber immer noch und wir wissen nicht warum. Erst um 18.30 Uhr beginnen die Arbeiter damit, die dicken Seile und Trossen einzuholen. Dann setzt sich das Schiff langsam rückwärts in Bewegung und dreht, nachdem es freies Wasser erreicht hat.
Wir fahren jetzt bei heftigem Wind in den Lynn Kanal hinaus. Dieser Wind ist wahrscheinlich dafür verantwortlich, dass dieser sehr lange Fjord im Winter nicht zufriert und die Goldgräber mit ihren Schiffen hier auch in der kalten Jahreszeit ankommen konnten. An Steuerbord begleitet uns eine kurze Zeit ein Boot der US Coast Guard und bald ist Skagway nur noch klein im Hintergrund zu sehen. Ich gehe wieder in die Passagierkabine zu Anja, der es draußen zu frisch ist. Wir beobachten eine kleine Gruppe von Jugendlichen, die ihre Jacken wie Flügel ausbreiten, in die Luft springen und tatsächlich vom starken Wind 50 oder gar 100 Zentimeter weit getragen werden. Eine Stunde später kommt bereits Haines in Sicht und die Fähre steuert nach rechts auf das Land zu.
Um 19.50 Uhr legt die Fähre an, aber nicht in Haines, der Ort ist bestimmt noch fünf Kilometer entfernt. Wir sitzen im Auto, Anja am Steuer und wir warten auf die Ausfahrt. Ich habe tatsächlich einen Ortsplan von Haines bei der Reisevorbereitung auftreiben können und werde die Funktion des Lotsen übernehmen. Vor uns verlassen mindestens zwanzig Fahrzeuge die Fähre, die stehen aber am Straßenrand und suchen nach irgendetwas. Plötzlich sind wir tatsächlich das erste und bald auch das einzige Fahrzeug in Richtung Haines. Die Straße führt immer geradeaus und im Ort müssen wir einmal rechts, dann links und dann wieder rechts abbiegen und stehen direkt vor unserem Hotel. Es ist das Hälsingland Hotel, ein historisches Gebäude aus der Kolonialzeit der Engländer. Hier an dieser Stelle existierte früher das Fort William H. Seward und das ehemalige Gebäude für die kommandierenden Offiziere hat man zu diesem Hotel umgebaut. Es strahlt einen etwas eigenwilligen Charme aus und liegt am Rand des früheren Exerzierplatzes.
Wir parken und betreten das Hotel. Drei Stufen sind es bis zur Rezeption und wir checken ein. Wir bekommen ein Zimmer im Erdgeschoss und holen unsere Koffer, die wir direkt aufs Zimmer bringen. Danach gehen wir wieder zur Rezeption. Wir wollen uns erkundigen, wo die Vorführungen der Chilkat Indianer stattfinden. Es soll ein Chilkat Center for the Arts geben, in dem die Chilkat Indian Dancers ihre traditionellen Tänze vorführen und genau dafür interessieren wir uns sehr. Die Antwort des an der Rezeption Dienst tuenden kommt etwas komisch rüber. Habe ich mich unverständlich ausgedrückt oder mag der die Indianer nicht oder steht er mit ihnen gar auf „Kriegsfuß“? Jedenfalls ist die Antwort kurz und barsch, er weiß davon nichts!!! Da es bereits 20.15 Uhr ist hat es auch keinen Zweck, woanders herumzufragen und wir gehen lieber an die frische Luft, um den Ärger in „Rauchzeichen“ abzulassen.
Draußen am Auto treffen wir auf das Ehepaar mit dem weißen Chevrolet, die gerade erst angekommen sind und wir kommen mit ihnen ins Gespräch. Da sie erst einchecken wollen, verabreden wir uns gleich zum Abendessen im Restaurant. Sie gehen zur Rezeption und wir suchen im Restaurant einen Angestellten, bei dem wir einen Tisch reservieren können. Viel scheint hier im Hotel nicht los zu sein, denn wir müssen eine Weile nach einem Ober suchen. Wir finden schließlich jemanden, der uns für 20.45 Uhr einen Tisch am Fenster reserviert. Die Tischnachbarn stehen noch an der Rezeption und ich sage ihnen die Uhrzeit für unsere Verabredung. Wir gehen noch zum Zimmer und machen uns ein wenig frisch und ziehen uns zum Essen um.
Wir sind pünktlich im Restaurant und das Ehepaar kommt auch gerade. Wir nehmen Platz und stellen uns erst einmal vor. Die Namen haben wir bald wieder vergessen und sie direkt am Tisch in den Pearlcorder zu sprechen, wäre sehr unhöflich. Wir haben nur behalten, dass das Ehepaar aus Mainz kommt. Wir plaudern angeregt und trinken Wasser und Wein. Dazu gibt es glasierte Ente für die Herren und Lachs für die Damen. Das Essen ist sehr gut, der Preis aber auch. Ich glaube, es ist das teuerste Essen auf der ganzen Reise, dafür ist es mit den netten Tischnachbarn aber sehr gemütlich.
Um 22.45 Uhr ziehen wir uns auf unsere Zimmer zur Nachtruhe zurück. Es wird eine sehr ungemütliche und laute Nacht werden, aber davon morgen mehr.

nächster Tag

 

 

 

 

 



Klick für große Bilder:


Saloon am Broadway


Türwerberin


Fensterwerberin


Broadway in Skagway

 

 


Pferdekutsche

 

 


Oldtimer-Haus

 

 


Alte Fassade

 

 


Dampflok 1

 

 


Dampflok 2

 

 


Bitte nicht füttern

 

 


Goldgräberdenkmal

 

 


Spur 1 zur Fähre

 

 


Fähre TAKU

 

 


Kreuzfahrer