Anjas und Winfrieds Reiseseite
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Alaska und das Yukon Territory

vom 10. Juli bis 01. August 2004

Dienstag 20. Juli 2004

Whitehorse - Skagway

Um 7.30 Uhr soll der Wecker piepsen, aber wir sind lange vorher schon wach. Es ist unmenschlich warm in diesem Zimmer und das im Yukon Gebiet. Das Fenster hat einen unbekannten Mechanismus, ich glaube sogar, es ist absichtlich nicht zu Öffnen. Durch die Hitzewelle der vergangenen Wochen ist das ganze Hotel ein einziger Backofen. Egal, wir müssen trotzdem ins Bad und ich dusche zuerst. Nach mir geht Anja ins Bad und ich koche Kaffee und bereite das Frühstück vor. Wir wollen hier im Zimmer essen, da wir noch einige Kleinigkeiten an Vorräten haben, die weg müssen. Nach dieser Arbeit sind meine frisch angezogenen Sachen wieder halb durchgeschwitzt. Wir sind froh, bald aus diesem Hotel herauszukommen. Nicht das es schlecht ist, im Gegenteil. Aber die fehlende Klimaanlage, die hier im Yukon kaum ein Hotel hat, macht uns stark zu schaffen.
Wir bringen um 9 Uhr die Koffer zum Auto und freuen uns über die frische Luft hier vor dem Hotel. Das Auto lassen wir stehen und laufen die wenigen Meter zum Schaufelraddampfer SS Klondike. Das Schiff ist ein ganz anderes Kaliber als die Keno in Dawson City. Sie ist bestimmt eineinhalb Mal so lang und auch viel breiter. Auch sie ist ein Museums- und Veranstaltungsschiff auf dem Trockenen. Leider ist das Schiff noch nicht geöffnet und so bleibt uns nur der Blick von außen. Wir machen einige Fotos und laufen zum Hotel zurück. Da wir bereits ausgecheckt haben, fahren wir auch sofort los. Von der Stadt Whitehorse haben wir nichts gesehen. Da wir gestern nach unserer Ankunft sofort zum Schwatka Lake gefahren und erst nach 21 Uhr wieder im Hotel waren, ergab sich kein Stadtbummel mehr. Und heute steht am Nachmittag in Skagway noch eine Zugfahrt auf dem Programm, für die wir auch einen Termin haben. Also fahren wir wenigstens langsam über die Second Avenue durch Whitehorse. Am Ende dieser Straße liegt auf der linken Seite eine Tankstelle, die wir auch direkt ansteuern. Wir brauchen nicht nur Sprit, unser Auto ist von den vielen Schotterstraßen im Yukon Gebiet unvorstellbar dreckig geworden. Nach dem Tankvorgang gehe ich an die Kasse zum Bezahlen. Die junge Frau ist allein und ich frage nach einem Car Wash. Sie druckst herum und fragt nach einiger Zeit einen Mann in einer Halle. Aber der Typ hat keine Lust oder keine Zeit und ich bekomme eine Absage. Etwas angefressen fahren wir im Serviceland Kanada weiter.
Wir stoßen auf die Fourth Avenue, biegen rechts ab und sind auf der Two Mile Road. Von hier biegen wir an einer großen Ampelkreuzung links ab und befinden uns jetzt wieder auf dem Alaska Highway Nr.1, nur nicht in Richtung Alaska, sondern wir fahren nach Süden. Wir sind kaum 2 Kilometer gefahren und befinden uns in Höhe des Internationalen Flughafens, da entdecken wir rechts hinter der Straße ein Schild mit der Aufschrift Soapy Car Wash. Es ist erst 11 Uhr, ich biege zwei Mal rechts ab und wir stehen vor einer leeren Waschhalle. Im Büro bezahle ich 12 Can$ für eine Handwäsche mit extra Reinigung und keine fünf Minuten später macht sich ein älterer Herr, bei uns wäre er schon lange Rentner, an die Arbeit. Er arbeitet sauber und schnell, übergibt uns das Auto aber nass. Da ich das Preisschild nicht ausgiebig studiert habe, will ich deshalb auch keine Diskussion beginnen. Es ist warm und das Fahrzeug wird schon von alleine trocknen. Wir geben ihm 3 Can$ Tip und fahren mit einem sauberen Auto zurück zum Highway.
Nach nur 18 Kilometern durch eine waldreiche Landschaft sind wir am Abzweig zum South Klondike Highway Nr. 2. Hier müssen wir rechts in Richtung Carcross und Skagway abbiegen. Der Highway ist gut ausgebaut und wir kommen gut voran. Überhaupt ist die heutige Tagesetappe nur 175 Kilometer lang und deshalb haben wir ein wenig Zeit. Der nächste Stopp ist 25 Kilometer nach dem Abzweig am Emerald Lake, von den Yukonianern auch gern Rainbow Lake genannt. Der extrem helle Seeboden reflektiert das einfallende Licht und wirft es je nach Seetiefe in unterschiedlichen Grüntönen bis hin zu Schwarz zurück. Wir gehen einige hundert Meter am See entlang und fotografieren ihn aus vielen unterschiedlichen Blickwinkeln. Auf dem Parkplatz stehen einige Fahrzeuge, alles Touristen. Mit einem holländischen Paar wechseln wir einige belanglose Worte, Small Talk eben, und fahren dann gegen 11.50 Uhr weiter.
Der nächste Stopp ist an der Carcross Desert kurz vor der Namen gebenden Ortschaft. Der Parkplatz liegt auf der linken Straßenseite, was bei dem geringen Verkehr also kein Problem darstellt. Vom Parkplatz aus beginnt direkt diese Wüste, die von der Tourismuswerbung auch als kleinste Wüste der Welt bezeichnet wird. Wie groß oder besser klein sie tatsächlich ist, haben wir nicht herausgefunden, aber sie ist ein Überbleibsel eines uralten Gletschersees, der seine Sandfläche hier zurückgelassen hat. Da sie am Fuß der Caribou Mountains liegt und vom tiefer liegenden Lake Bennett stetig ein strammer Wind heraufweht, wird dadurch die Ansiedlung von vielen Pflanzen verhindert. Nur einige kleine Fichten, Kiefern und Kinnikinnick, eine immergrüne Kriechpflanze, können sich halten. Wir machen unsere Fotos und wandern ein wenig in diesen Sandtopf hinein. Wir sind zurzeit die einzigen Touristen hier und wir wollen deshalb unser Auto auch nicht aus den Augen lassen. Nach 20 Minuten Aufenthalt fahren wir weiter und erreichen Carcross. Hier in diesem Ort trifft der Carcross Highway Nr. 8 von Osten kommend auf unseren South Klondike Highway Nr. 2. Jetzt könnte man denken, das sich der Name im Englischen von dieser Autokreuzung ableitet. Weit gefehlt, denn der Name des 150 Seelen Ortes kommt von einer Stelle, an der sich die Wanderwege der Caribous kreuzten. In Deutsch kann man also Caribou-Kreuzung sagen.
Wenige Kilometer weiter sehen wir auf der linken Seite am steilen Seeufer die Reste der Venus Mine und wieder wenige Kilometer weiter verlassen wir das Yukon Territory und passieren die Grenze nach British Columbia. Um 13 Uhr erreichen wir die Log Cabin, eine historische Stelle des Goldrausches. Hier gibt es eine Ausstellung und viele Hinweistafeln auf die Geschichte dieses Ortes. Ich habe etwas Ehrfurcht vor diesem Ort, denn ich habe schon viele Berichte über die Goldsuche am Klondike gesehen, und darin kam diese Schinderei immer wieder vor. Reiche Goldgräber konnten sich Pferde mieten und ihr Gepäck über den Pfad des White Pass bis zum Lake Bennnett tragen lassen. Von hier gelangte man mit Booten nach Whitehorse und zum Yukon River. Die mittellosen Goldsucher mussten ihr Gepäck und ihre Ausrüstung etappenweise auf dem Chilkoot Trail über den Chilkoot Pass bis zum See schleppen. Die kanadischen Grenzbeamten haben damals jeden Goldsucher, der ins Land wollte, genau auf die Vollständigkeit der Ausrüstung kontrolliert. Diese Ausrüstung mit den vorgeschriebenen Vorräten war bis zu 1000 Kilogramm schwer. Ohne durften sie nicht weiter, weil zu viele in der Wildnis verhungert und erfroren waren. Wie die Goldsucher dies ohne Lastentiere logistisch über den Chilkoot Pass geschafft haben, bleibt uns allerdings ein Rätsel.
Um 13.30 Uhr sind wir in Fraser, der kanadischen Grenzstation und da wir nicht kontrolliert werden, legen wir eine kurze Pause ein, die Anja zum Verzehr eines Apfels nutzt. Um 14 Uhr sind wir dann an der US-Grenze. Die Kontrolle geht schnell, wir haben ja den grünen Zettel der Einwanderungsbehörde in unserem Reisepass. Der Grenzbeamte ist sogar so nett und fragt uns, ob wir einen besonderen Stempel haben möchten. Natürlich möchten wir, was für eine Frage, und bekommen einen Motivstempel, der ein Packpferd des Goldrausches zeigt. Und wir bekommen nicht nur den schönen Stempel, sondern auch noch eine Gratisstunde. Da wir jetzt im Pfannenstiel von Alaska sind, dürfen wir unsere Uhren um eine Stunde zurück stellen. Dadurch ist es jetzt wieder 13 Uhr und wir haben bis zur Zugfahrt noch viel Zeit.
An der Grenzstation höre ich ein lautes Tuten. Da hier direkt auf der anderen Talseite die Eisenbahnlinie entlangführt, muss auch bald ein Zug kommen. Ich suche mir einen guten Standplatz und lege mich mit der Videokamera auf die Lauer. Es dauert tatsächlich nur fünf Minuten bis der erste Zug kommt. An dieser Stelle muss es für die Eisenbahn auch ganz schön steil sein, denn der erste Zug kommt mit mächtigem Dröhnen der Motoren der drei Dieselloks den Berg herauf. Schön langsam zieht er an der Talseite vorbei und bietet ein schönes Motiv, als er um einen großen Felsen herumfährt. Tatsächlich kommen drei Züge hintereinander den Berg herauf und alle Waggons sind voll mit Passagieren. Na, das kann ja heiter werden, wenn die Züge am Nachmittag ebenfalls so voll sind. Wir packen die Kameras wieder ein und fahren weiter nach Skagway. Die gut ausgebaute Straße führt immer bergab am Hang der Berge entlang, überquert kurz vor dem Ort noch den Skagway River und wir fahren die State Street in den Ort hinein. An der 8th Ave biegen wir rechts ab und stehen nur wenige Meter später um 13.40 Uhr vor unserer Unterkunft.
Wir sind schier erschlagen von der Schönheit des Hauses. Ein echtes Kolonialhaus aus dem letzten Jahrhundert, wunderschön restauriert und sauber angestrichen. Es nennt sich „At The White House“ und wir sind sehr gespannt, ob es von innen genau so schön ist wie von außen. Wir nehmen erst einmal nur unsere Taschen mit und betreten das Haus durch die Doppeltür. Auch innen hält das 1902 erbaute Haus was es außen verspricht. Es ist liebevoll möbliert und strahlt einen sehr privaten Charme aus. Links gibt es eine kleine Rezeption und aus dem hinteren Teil des Erdgeschosses eilt eine Dame herbei. Wir nennen unseren Namen und zeigen unser Voucher für die Übernachtung. Nachdem sie uns in ihrem Computer gefunden hat, bekommen wir den Schlüssel für Zimmer Nummer 102. Es ist gleich im Erdgeschoss kurz vor der Rezeption. Wir stecken den „echten“ Schlüssel ins Schloss, öffnen die Tür und betreten das Zimmer. Auch hier setzt sich die private Atmosphäre dieses Hauses fort. An der linken Wand stehen zwei Queenbetten mit Nachttischen und auf den in Nordamerika üblichen Tagesdecken liegen zwei handgearbeitete Puppen. Das Zimmer hat einen Erker, in dem ein kleiner Tisch und zwei Stühle stehen. Daneben befinden sich eine Nische für die Koffer und ein geschlossener Fernsehschrank. Das Badezimmer mit WC ist behindertengerecht ausgebaut und genau so liebevoll ausgestattet wie das Zimmer. Wir sind begeistert und ärgern uns schon jetzt über die blöde Fährverbindung nach Haines, denn eigentlich hätten wir zwei Nächte statt nur einer in diesem tollen Haus verbringen können. Aber dazu später mehr. Nachdem wir unsere Kinnladen wieder hoch geklappt haben, holen wir unser Gepäck aus dem Auto und machen es uns für ein paar Minuten im Zimmer gemütlich.
Um 15 Uhr verlassen wir das Hotel zu Fuß und laufen die kurze Strecke auf der 8th Ave, über die State Street hinweg bis zur dahinter liegenden Broadway Street. Hier schlägt das Herz des alten Goldgräberortes. Auf der linken Straßenseite steht ein großer Saloon, aus dessen Fenstern „Damen“ in historischen Kleidern auf die Straße hinunter rufen und die Touristen animieren, die Show im Saloon zu besuchen. Pferdekutschen stehen auf der Straße und die Kutscher sprechen die Touristen auf eine Rundtour an. Alle weiteren Gebäude sind zumindest augenscheinlich historisch und wenn man sich die Autos und den Asphalt auf der Straße wegdenkt, kommt man sich um über 100 Jahre in der Zeit zurückversetzt vor. Aber der optische Knaller ist die Perspektive in Richtung Wasser. Direkt hinter den letzten Häusern des Ortes liegt einer der vier Docks, an dem riesige Kreuzfahrtschiffe festmachen können. Genau an dem, der in der Verlängerung der Broadway Street liegt, hat ein riesiges Schiff festgemacht. Es wächst förmlich aus dem kleinen Ort heraus. Was für ein Anblick.
Wir bummeln die Straße weiter hinunter und sind um 15.45 Uhr an der Second Ave, in die wir nach links einbiegen. Fast gegenüber befindet sich der Bahnhof der White Pass & Yukon Route Railroad und wir betreten die Schalterhalle. Zuerst stellen wir uns an einem Schalter an und bestätigen unsere Tickets. Der Typ hinter dem Schalter schaut kurz auf das Papier, welches wir ihm hinhalten, murmelt etwas Unverständliches und gibt es zurück. Wir halten das für eine Zustimmung und trollen uns weiter zum Shop. Hier gibt es ein echtes Paradies für Eisenbahnfans und ich muss meine Geldbörse ganz schön festhalten. Schilder, Kappen, Videos, DVD’s echte Gleisnägel und viele unzählige Sachen mehr hängen und liegen hier zum Verkauf herum. Da wir die Zugfahrt ja noch vor uns haben und ich die Artikel nicht mit mir rumschleppen möchte, was mich beim Filmen ja behindern würde, werde ich mich erst morgen eindecken. Ich hoffe inständig, dass es vorher keinen Brand oder gar ein Erdbeben gibt und der Laden auch dann noch existiert.
Schweren Herzens trenne ich mich von den schönen Auslagen und wir gehen zur Gleisseite aus dem Bahnhofsgebäude heraus. Ich schaue nach oben und suche die Webkamera, deren Bilder ich schon monatelang immer wieder betrachtet habe, und entdecke sie hinter der Scheibe eines Büros im ersten Stock. Sie zeigt den Hafen, die Gleisanlagen und zwei Bänke, auf denen immer wieder Touristen zu sehen sind. Die stehen nur wenige Meter entfernt und sind gerade frei. Wir setzen uns und ich bedauere, dass wir jetzt keinen Laptop mit kabellosem Internetanschluss haben, denn dann könnten wir uns sehen und das Bild abspeichern. Schade, aber dieses Equipment steht uns erst im Jahr 2008 in Kanada und USA zur Verfügung. Mittlerweile ist es 16.30 Uhr und die ersten Züge treffen ein. Wir beobachten vom Bahnsteig des Bahnhofsgebäudes aus die Einfahrt des ersten Zuges. Er kommt schön malerisch am Bahnsteig entlang auf uns und unsere Kameras zu. An einem Waggon hängt ein Rangierer und winkt dem Lokführer zu, wie weit er noch fahren kann. Wir sind begeistert von dieser Szenerie. Da am Nachmittag von hier zwei Züge fahren, wissen wir nicht, in welchen wir einsteigen müssen und fragen eine der Zugbegleiterinnen. Sie schaut auf unsere Fahrkarten und sie schickt uns ein Gleis weiter, denn dort kommt der Zug, der vorher die Gäste des großen Kreuzfahrtschiffes abgeholt hat. Mir schwant Furchtbares, hoffentlich ist der Waggon nicht so voll, dass wir stehen müssen. Aber das Gegenteil ist der Fall. Die meisten Passagiere der Schiffe sind wohl bereits am Morgen und am Mittag mit den Zügen gefahren, damit sie bei der Rückkehr um 19 Uhr das Abendbuffet nicht leer vorfinden. Der Waggon ist leer und wir können den Platz frei wählen. Natürlich nehme ich einen Sitz direkt an der Tür des Waggons, um von hier aus leicht auf die Plattform stürmen zu können. Es kommen noch höchstens zehn Passagiere in den Waggon, bevor es los geht.
Um 16.40 Uhr setzt sich der Zug mit seinen drei Dieselloks ruckartig in Bewegung und verlässt laut hupend das Bahnhofsgelände. Noch keine drei Minuten sind seit der Abfahrt vergangen, da hält es mich nicht mehr auf meinem Platz. Ich schnappe die Kamera und postiere mich auf der noch freien Plattform des Waggons in Fahrtrichtung. Dieser Platz ist derart hervorragend, dass ich ihn auch nicht mehr frei mache, was mir manch bösen Blick anderer Passagiere einbrachte. Natürlich habe ich mich vor Antritt der Fahrt schlau gemacht und stehe in Fahrtrichtung auf der linken Seite des Waggons, denn hier kann man mit Blickrichtung zum Tal alle Sehenswürdigkeiten gut sehen.
Auf dieser Seite haben wir einfach nicht genug Platz, die Beschreibung der gesamten Fahrt sowie die vielen schönen Fotos unterzubringen. Deshalb werden wir in den Highlights eine Extraseite über diese tolle und auch spektakuläre Zugfahrt einstellen. Bitte habt etwas Geduld, bis dieser Bericht fertig ist. Es wäre wirklich schade, hier nur sehr kurz darüber zu berichten und höchstens drei oder vier Bilder einstellen zu können.
Die Fahrt bergauf dauert über eine Stunde und ist wirklich spektakulär. Der Schienenstrang verläuft an steilen Abhängen entlang und führt über eine wackelige Brücke direkt in einen Tunnel hinein. Kurz vor dem White Pass kommt die Steel Bridge in Sicht. Die Konstruktion ist ziemlich filigran und das ganze Bauwerk macht auch einen ziemlich verrosteten Eindruck. Gerade als ich über ein Testament nachdenke, huscht der Zug an der Abbiegung auf die Brücke vorbei und befährt einen weniger gefährlichen Abschnitt zum Pass. Hier sehen wir die historische Grenzstation des White Pass, die Grenze zwischen Kanada und USA, und der Zug hält an. Vorne werden die Lokomotiven abgekuppelt und sie fahren direkt an mir vorbei zum Zugende, das dadurch jetzt zum Zuganfang wird. Wenig später trifft der nachfolgende Zug ein und fährt an unserem vorbei. Unser Zug macht nun Platz und beginnt die Talfahrt. Ich räume meinen Platz auf der Plattform und setze mich zu Anja in den Waggon. Hier kommen wir gleich mit Amerikanern ins Gespräch, die ja sowieso sehr kommunikationsfreudig zu Fremden sind. Sie fragen uns ungeniert, woher wir kommen. Als sie erfahren, dass wir aus Deutschland sind, folgt die Frage, warum wir nicht an ihrem Irakkrieg teilnehmen. Zuerst sind wir etwas perplex, aber Anja fängt sich sofort und antwortet, dass von Deutschland genug Kriege ausgegangen seien und das es jetzt reicht. Erstaunlicherweise finden die Amerikaner das in Ordnung und geben uns Recht. Wir smalltalken noch etwas weiter bis ein Schaffner den Waggon betritt. Er verkauft schwarze Caps mit dem Zuglogo, die es exklusiv nur im Zug für die Passagiere zu kaufen gibt. Das sind mir die 20 Dollar für dieses einmalige Souvenir wert und es werden morgen noch weitere folgen.
Um 19 Uhr sind wir zurück in Skagway, aber der Zug hält nicht am Bahnhof. Er fährt bis zum Kreuzfahrtschiffterminal durch und lässt hier erst diese Passagiere heraus. Dann setzt der Zug zurück und wir dürfen am Bahnhof aussteigen. Noch ein Wort an dieser Stelle zu der Zugfahrt. Bei der Vorbereitung zu dieser Reise habe ich natürlich auch Webseiten anderer Reisender besucht. Da war mir aufgefallen, dass einige Menschen hier nur kurz Station gemacht haben, sich negativ über die Zugfahrt geäußert haben, ohne sie überhaupt zu machen und schnell weitergefahren sind. Auch wenn man kein Eisenbahnfan ist, allein die Landschaft und das Erlebnis sind es Wert, diese Zugfahrt durchzuführen. Einzig sehr schlechtes Wetter sollte einen davon abhalten.
Wir laufen jetzt noch zum Small Boat Harbour am Congress Way, denn hier steht ein vorzügliches Fischrestaurant und da wir nach dem Frühstück fast nichts mehr gegessen haben, sind wir ordentlich hungrig. Aber die Enttäuschung ist groß, kein einziger Platz ist mehr frei und die Wartezeit beträgt bis zu eineinhalb Stunden. Wir machen uns auf den Rückweg und es kommt ein weiterer Zug zum Railroad Dock. Auch hier steigen nur wenige Passagiere aus und strömen zu den beiden riesigen Schiffen. Insgesamt liegen zurzeit vier große Kreuzfahrtschiffe in Skagway. Gegen 19.30 Uhr sind wir auf der 4th Ave zwischen State und Main Street in der Skagway’s Pizza Station. Etwas Besseres haben wir nicht gefunden, denn auf der Broadway Street ist jetzt, nachdem die Passagiere auf den Schiffen sind, nichts mehr los. Wir bekommen einen Platz und bestellen Pizza, die auch gut schmeckt. Aber um 21.15 Uhr sind wir doch von dieser Tagesetappe geschafft und wollen so schnell wie möglich noch etwas unser schönes Hotel genießen. Wir besorgen uns noch zwei Dosen Bier und schreiben am Erker des Zimmers die zweite Partie Postkarten in die Heimat. Danach mache ich noch meine Reisebuchführung und wir schauen fern. Um 22.30 Uhr ist dann Bettruhe.

nächster Tag

 

 

 

 

 



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Hinweisschild


Emerald Lake 1


Emerald Lake 2


Hinweisschild

 

 


Carcross Desert

 

 


Log Cabin

 

 


Lake Bennett

 

 


Fraser

 

 


White Pass

 

 


Grenze nach Alaska

 

 


Zug am Berghang

 

 


At The White House 1

 

 


At The White House 2

 

 


At The White House 3

 

 


Skagway - Broadway

 

 


Skagway - Bahnhof

 

 


Ticketschalter

 

 


Souvenirshop

 

 


Schaffner

 

 


Bergfahrt

 

 


Steel Bridge

 

 


Brückenfahrt

 

 


Talfahrt

 

 


Fahrt ins Depot