Anjas und Winfrieds Reiseseite
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Alaska und das Yukon Territory

vom 10. Juli bis 01. August 2004

Montag 19. Juli 2004

Dawson City - Whitehorse

Um 7.15 Uhr piept unser Wecker, aber der Abend im Diamond Tooth Gerties war lang und schön und wir bleiben noch 15 Minuten liegen. Aber dann lockt doch das gute Frühstück nach Schweizer Art und um 8.30 Uhr sitzen wir wieder im Frühstücksraum des Hotels. Es gibt erneut den sehr guten Kaffee, die leckeren Croissants, Marmelade und Käseaufschnitt. Das Aurora Hotel können wir sehr empfehlen, zumal auch das angeschlossene Restaurant sehr gut ist. Nach dem Frühstück bezahlen wir noch unsere gereinigten Sachen und gehen zurück aufs Zimmer. Die Koffer hatten wir gestern Nachmittag bereits vorbereitet und ich schleppe den ersten nach unten. Die Sache mit den Schuhen wirkt sich jetzt etwas negativ aus, denn zuerst muss ich das Auto holen und vor das Hotel fahren. Dann muss ich den ersten Koffer aus dem Hotel holen und verladen. Danach ist dann der zweite Koffer dran und jedes Mal muss ich die Schuhe wechseln. Aber auch das ist bald überstanden und wir verabschieden uns herzlich von dem Besitzerehepaar.
Gegen 9.20 Uhr stellen wir das Auto neben dem Visitor Center auf den Parkplatz. Am Seiteneingang hängt ein öffentliches Telefon und ein junger Deutscher telefoniert nach Hause. Er spricht sehr laut, weil Deutschland von hier ja fast 9000 Kilometer entfernt ist. Er hat auch vorgestern Abend an dem Bikertreffen als Zuschauer teilgenommen und schwärmt in den höchsten Tönen in die Muschel. Im Visitor Center kaufen wir die deutschsprachige Tonbandkassette des Rundganges durch Dawson City und bekommen sogar das einlaminierte Blatt mit dem gedruckten Plan dazu geschenkt. Wir bedanken uns und nehmen noch ein paar Postkarten und Info-Materialien mit. Anschließend gehen wir durch den Hauteingang auf die Front Street und fotografieren die SS Keno, die neben dem Yukon River als Museumsschiff ihr Dasein fristet. Ihr geht es jedenfalls besser als den vielen anderen Sternwheelern, die als Schrotthaufen am Flussufer vor sich hin rotten. Die SS Keno war eines der letzten Schiffe, das den Yukon River befahren hat. Heute ist sie eine nationale historische Stätte und kann ganzjährig besichtigt werden.
Es ist jetzt 9.45 Uhr, es sind nur 12 Grad Celsius Außentemperatur und wir beginnen unsere 533 Kilometer lange Tagesetappe nach Whitehorse auf dem Klondike Highway. Wir passieren hinter Dawson City die Tankstelle, die uns gestern gerettet hat, und kurz danach den Abzweig zum Bonanza Creek. Bis zu dieser Stelle hatten wir beobachten können, dass links und rechts der Straße eine unglaubliche Landschaftszerstörung stattfand. Meterhoch türmen sich die Geröllhaufen entlang der Straße auf und diese Durchwühlung des Erdreiches setzt sich bis an die Hänge der hunderte von Metern entfernten Hügel fort. Aber auch nach dem Abzweig fahren wir noch kilometerweit durch diese völlig zerstörte Landschaft. Es ist wirklich kaum zu glauben, was sich hier in den vergangenen über einhundert Jahren abgespielt haben muss. Groteskerweise findet die Natur auch hierauf eine Antwort und fängt zaghaft an, auf den Geröllhaufen niedere Bäumchen wachsen zu lassen.
Der Rauch ist immer noch dicht und begleitet uns weiter auf dem Highway. Teilweise können wir kaum 100 Meter weit sehen und es stinkt ab und zu erneut nach verbranntem Holz. 40 Kilometer hinter Dawson City taucht an der linken Straßenseite die Abzweigung des Dempster Highways auf. Wir biegen ab und parken neben dem Schild. Diese Straße wurde von 1958 bis 1979 gebaut, um einen Zugang zu den Ölvorkommen an der Beaufortsee zu haben. Von hier aus sind es 671 Kilometer Wildnis bis nach Inuvik und im Winter, wenn das Flussdelta zugefroren ist, noch einmal 194 Kilometer Eispiste nach Tuktoyaktuk. Wir begnügen uns mit nur 200 Metern dieser Straße, so weit ist es nur bis zur Brücke über den Klondike River. Dieser durch unzählige Geschichten und Legenden berühmt gewordene Fluss fließt bis hier parallel zu unserem Highway und wir lassen es uns nicht nehmen, einmal an seinem Ufer zu stehen. Es ist, genau wie in Dawson City selbst, schon ein besonderes Gefühl, hier Geschichte erleben zu dürfen. Wir überqueren die Brücke und betrachten den Fluss, der hier nur wenige Zentimeter tief und höchstens zwanzig Meter breit ist. Hier an dieser Stelle sehen wir glücklicherweise auch keine Landschaftszerstörung durch Goldgräber.
Wir lassen die Gegend und den Ort noch einige Minuten auf uns wirken und fahren um 10.40 Uhr weiter. Der Klondike Highway führt oft schnurgerade aus, überwindet dabei immer wieder leichte Hügel und ist an den Rändern von dichtem Wald begrenzt. An einigen Rest Areas halten wir an und machen ein paar Landschaftsaufnahmen, soweit der Rauch es zulässt. Gute Bilder kommen dabei aber nicht heraus. So fahren wir weiter und machen erst um 12.45 Uhr in Steward Crossing eine Pause. Hier tanken wir erneut voll. Der Tank ist zwar erst halb leer, aber nach dem gestrigen Erlebnis sind wir übervorsichtig geworden. In dem Store essen wir eine Kleinigkeit und kaufen noch Erdnüsse für die Fahrt. Den nächsten Stopp legen wir um 13.45 Uhr ein. Ich bin etwas müde und brauche eine Cola für die Weiterfahrt. Pelli Crossing hat ebenfalls eine Tankstelle mit einem kleinen Store. Direkt vor der Tür steht der Rotel Bus, der uns gestern am Bonanza Creek entgegen kam und macht ebenfalls eine Pause. Natürlich muss ich diesen Bus filmen und werde prompt ebenfalls von einem Reisenden gefilmt und fotografiert. Leider haben wir es jetzt doch eilig, weil wir am Abend noch etwas vor haben und noch nicht sehr weit gekommen sind. Deshalb fahren wir gleich weiter, ohne mit den deutschen Touristen zu plaudern.
Von hier führt der Klondike Highway immer wieder in die Nähe des Yukon River und überquert ihn auch mittels imposanter Brückenkonstruktionen. Rund 20 Kilometer vor der Ortschaft Carmacks, gegen 15.10 Uhr, sind wir am eigentlichen Highlight der Tagesetappe angekommen. Neben dem Parkplatz und etwas tiefer unter uns liegen die Five Finger Rapids im Yukon River. In den 1880er Jahren begannen die Goldsucher den Fluss als Transportweg zu nutzen. Die Stromschnellen stellten dabei ein sehr gefährliches Hindernis dar und sie kosteten vielen Goldsuchern nicht nur Hab und Gut, sondern auch das Leben. Einige der Raddampfer kenterten hier, bis man durch Sprengungen einen der Felsen entfernte und dadurch eine breitere Durchfahrt schaffte. Natürlich wird die Szenerie auch aufgenommen, aber der Rauch ist immer noch störend auf den Bildern zu sehen.
Nach 16 Uhr steigt die Temperaturanzeige kontinuierlich an und der Rauch verschwindet. Die Sonne ist wieder an einem wolkenlosen Himmel zu sehen. Dennoch fahren wir noch zwei Stunden bis zum Abzweig auf den Alaska Highway Nr. 1 nach Whitehorse. Aber auch die letzten fünfundzwanzig Kilometer sind bald geschafft und um 18 Uhr stehen wir vor unserem Hotel. Direkt nach dem Einchecken fragen wir die Dame an der Rezeption, ob sie ein Telefongespräch für uns führen kann. Wir haben einen Ermäßigungs-Gutschein für eine Schifffahrt mit der MS Schwatka von unserem Reisbüro bekommen. Wir müssen uns allerdings anmelden, da die Tour bereits um 19 Uhr beginnt. Die Frau am anderen Ende der Leitung spricht deutsch und ich bekomme den Hörer gereicht. Das Schiff ist von einer Gruppe gebucht, aber wir sollen dennoch vorbei kommen, es könnten eventuell zwei Plätze frei bleiben. Ich bedanke mich bei beiden Frauen und wir bringen schnell die Koffer zum Zimmer. Hier im Hotel hat die Hitzewelle der vergangenen Wochen ihre Spuren hinterlassen. Das Gebäude ist derart aufgeheizt, dass wir fast keine Luft im Flur bekommen. Selbst das Zimmer ist furchtbar warm und hat keine Klimaanlage. Die findet man in Hotels im Yukon natürlich nicht, wozu auch? Wir stellen die Koffer ab und machen sofort wieder kehrt.
Nach Stadtplan fahren wir hinter dem Hotel nach rechts und biegen nach wenigen Kilometern links in die Miles Canyon Road ein, die uns direkt zur Anlegestelle des Schiffes bringt. Wir parken am Office und betreten die Holzhütte. Die noch junge Frau begrüßt uns herzlich in deutscher Sprache und erzählt auch gleich aus ihrem Leben. Ihr Freund ist Kanadier und betreibt hier einen Flugdienst als Buschpilot. Sie hat noch nicht die kanadische Staatsbürgerschaft und muss bald wieder zurück nach Deutschland, um dann erneut einreisen zu können. Aber im nächsten Jahr hat sie die große Hoffnung, endlich Kanadierin werden zu können. So plaudern wir noch eine Weile angeregt bis die Tourbusse kommen. Es sind nur zwei Minibusse mit höchstens 30 Personen, die an Bord gehen. Wir dürfen danach auch an Bord und brauchen dank des Gutscheins anstatt der 50 Can$ Dollar, das ist der Normalpreis für zwei Passagiere, nur 38 Can$ für die zweistündige Schiffstour zu bezahlen.
Das Schiff heißt MS Schwatka und ist ein relativ kleines, schmales Boot und befährt den Lake Schwatka und den engen Miles Canyon stromaufwärts. Der See entstand durch den Bau eines Dammes mit Wasserkraftwerk im Flussbett des Yukon River, der hier erst 30 Kilometer lang ist. Dadurch verschwanden aber die Stromschnellen, die dieser Stadt den Namen gaben. Die Kämme der Wasserwellen über den Untiefen des Flusses sahen wie die Mähnen von weißen Pferden aus, daher der Name Whitehorse. Außerdem wurde dadurch der Miles Canyon meterhoch überflutet. Wir dürfen an Bord und natürlich sind alle Plätze auf dem freien Oberdeck besetzt. Eine steile, schmale Treppe führt nach unten. Hier ist außer uns nur noch ein Paar und wir setzten uns auf eine Bank an der Fensterseite zum See. Das Boot legt ab und tuckert auf den See hinaus. Dieser verläuft ziemlich genau in Nord-Süd-Richtung und das Schiff nimmt Kurs nach Süden. Es hält sich ziemlich nahe am Ufer und wir haben einen schönen Blick auf die herrliche Natur. Zwischen den Bäumen stehen teils prächtige Wochenendvillen mit eigenen Bootsanlegern und Badestegen.
Nach 20 Minuten langsamer Fahrt nehme ich meine Kamera und steige die Treppe nach oben. Gerade rechtzeitig, denn das Boot nähert sich der sehr schmalen Einfahrt in den Miles Canyon. Aus der Ferne mag man kaum glauben, dass unser Boot überhaupt bei dieser Strömung in die schmale Felsenritze hineinmanövrierbar ist. Ich beziehe Posten hinter dem Bootsführer, einem älteren Herren, der ganz präzise, aber hin und wieder hektisch, an seinem Steuerrad herumdreht. So tuckern wir mit Vollgas in den Miles Canyon hinein. Das anfangs recht flotte Boot wird immer langsamer, fast meint man, es bleibt auf der Stelle stehen. Der Backbord liegende Felsrand des Canyons ist nur noch 50 Zentimeter von der Reling entfernt und die Drehbewegungen des Schiffsführers werden immer hektischer. Gut weitere 20 Minuten braucht das Schiff durch den schmalen Canyon. Nach zwei Dritteln des Canyons unterqueren wir eine Holzbrücke, von der aus viele Zuschauer unseren Ritt auf dem tosenden Wasser gespannt beobachten. Noch eine ganz nahe Felsenklippe und wir haben es geschafft. Hinter dem Canyon wird der Yukon wieder ruhig und etwas breiter, ist hier aber immer noch zu einem kleinen, länglichen See gestaut. Auf dem Oberdeck gibt es über Lautsprecher Country Musik zu hören und im fahlen Licht der untergehenden Sonne bietet sich uns ein landschaftlich tolles Panorama. Unter Deck, wo wir einen Platz gefunden haben, aber nur unsere Jacken den Sitz bewachen, gibt ein kleines Buffet, bestehend aus Käsewürfeln und Crackern. Wir leisten den Jacken ein wenig Gesellschaft und bedienen uns an den Knabbereien. Nach weiteren 30 Minuten dreht der Schiffsführer das Boot herum und nimmt erneut Kurs auf den Canyon. Diesmal nutzt er geschickt die Strömung aus und bringt die MS Schwatka sicher durch den Canyon wieder zurück auf den See und zur Anlegestelle.
Um 21 Uhr gehen wir von Bord und fahren mit dem Auto zurück ins Hotel. Wir bringen die Kameras ins Zimmer und sind um 21.18 Uhr auf der Terrasse des Hotels. Hier ist noch richtig was los. Es ist nur ein Tisch frei und den schnappen wir uns. Durch die Hitze des Nachmittages haben wir ordentlich Durst und wir bestellen gleich einen ganzen Pitcher Yukon Gold Bier. Dieses mittelbraune Bier hat uns bereits in Anchorage gut geschmeckt und es wird auch schön kalt serviert. Da die Käsewürfel und die Cracker schön längst ihre Vorratshaltung in unseren Mägen verloren haben, es aber für ein üppiges Essen bereits viel zu spät ist, bestellen wir uns einen Bar-B-Que Grillburger mit Pommes. Das Teil wird vor unseren Augen, wir sitzen direkt neben der Grillstation, frisch auf Holzkohle zubereitet und ist derart lecker, dass wir es bedauern, nur diesen einen genommen zu haben. Unser Pitcher hält bis nach 22.30 Uhr, aber das Bier darin ist längst warm geworden. Warm, sehr warm ist auch unser Hotelzimmer, auf das wir uns zurückziehen und hier bald eingeschlafen sind.

nächster Tag

 

 

 

 

 



Klick für große Bilder:


Klondike Highway


Dempster Highway 1


Dempster Highway 2

Klondike River

 

 

Yukonbrücke

 

 

Rotel Bus

 

 

Five Finger Rapids 1

 

 

Five Finger Rapids 2

 

 

Lake Schwatka

 

 

Einfahrt Miles Canyon

 

 

Miles Canyon 1

 

 

Miles Canyon 2

 

 

Miles Canyon 3

 

 

Bootsführer

 

 

Ende Miles Canyon

 

 

Ende der Fahrt