Anjas und Winfrieds Reiseseite
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Alaska und das Yukon Territory

vom 10. Juli bis 01. August 2004

Montag 12. Juli 2004

Kenai - Homer

Um 6.15 Uhr wachen wir auch ohne Wecker auf. Die Hitze ist fast unerträglich und in der Nacht sind wir deshalb öfter wach gewesen. Wir quälen uns noch bis 6.45 Uhr hin, stehen dann aber doch auf. Nach Homer sind es 218 Kilometer und unterwegs gibt es einige sehenswerte Orte zu besichtigen. Um 8 Uhr schnappen wir unsere Gutscheine für das Frühstück und begeben uns zur Lobby. Das Restaurant, das uns die füllige Dame vom Vorabend gezeigt hat, ist verschlossen und dunkel. Eine andere Lady tut erstaunt. Frühstück an einem Montag? Nein, montags gibt es in diesem Hotel kein Frühstück. Auf unsere Einwendung, dass wir einen Gutschein erst gestern Abend erhalten haben, reagiert sie nicht und zeigt auf eine Thermoskanne, in der Kaffee sein soll. Wir sind stocksauer. Aber was nützt das Alles. Wir können nicht englisch fluchen und so trollen wir uns zu der Thermoskanne und schütten uns einen Plastikbecher lauwarmen Kaffee ein. Zu allem Überfluss lungert noch ein Holzfäller oder Truckfahrer in der Lobby herum, der uns ein Gespräch aufzwingen will. Dazu haben wir in dieser Stimmung aber gar keine Lust und er hat bestimmt hinterher auf die Ausländer im Allgemeinen geschimpft. Das war uns in diesem Moment aber egal und nach der lauwarmen Brühe aus dem Becher haben wir uns wieder auf unser Zimmer begeben. Die Koffer waren schnell im Auto und Anja hat an der Eismaschine einen Beutel mit Eiswürfeln gefüllt und zu den Getränken in der Kühltasche gelegt. Den Zimmerschlüssel haben wir wortlos auf den Tresen gelegt und im Zimmer haben wir auch kein Geld hinterlassen. Direkt neben dem Hotel befindet sich eine Tankstelle, die wir auch ansteuern. Für 21,25 Dollar haben wir über 10 Gallonen Normalbenzin bekommen. Das sind knapp 40 Liter Sprit für die 320 Kilometer Gestern und die Strecke vom Flughafen zum Hotel in Anchorage. Das macht 10 bis 12 Liter pro 100 Kilometer und damit können wir für den Rest des Urlaubs zufrieden sein. Immerhin haben wir einen Geländewagen gemietet.
Der Tank ist voll und unsere Mägen immer noch leer. Wir fahren auf dem Highway zurück in Richtung Soldotna. Der vierspurige Highway hat aber nur wenige Abfahrten und die Restaurants liegen alle an einer Parallelspur neben dem Highway, den wir aber nicht verlassen können. Das ist hier nur etwas für Ortskundige. Nach wenigen hundert Metern kommt auch schon gleich die Abkürzung nach Kasilov und danach ist Kenai auch schon zu Ende. So fahren wir erst einmal weiter immer an einer sehr schönen Küstenlandschaft entlang und stoßen nach ca. 20 Kilometern auf den Sterling Highway No. 1. Nun ist der Hunger aber bereits gewaltig und wir schauen nun etwas intensiver nach einer Breakfastmöglichkeit. Kurz nach der Einmündung in den Highway entdecken wir ein Schild. Dahinter gibt es eine Art Blockhütte mit einigen Autos davor. Wir biegen kurz entschlossen ab und wollen es wagen. Direkt vor der Tür bekommen wir einen Parkplatz und betreten um 9.40 Uhr das Lokal. Es ist recht rustikal eingerichtet, wirkt aber gemütlich. Wir lassen uns platzieren und studieren die Speisekarte. Anja entscheidet sich für das Single Meal und ich mich für das Old Man Style. Auf das Essen müssen wir zwar über 20 Minuten warten, es schmeckt aber sehr gut und ist reichlich bemessen. An den Portionen sehen wir, dass hier nicht für Touristen gekocht wird, sondern für hart arbeitende Einheimische. Eier, Speck und Bratkartoffeln sind ausgezeichnet und Kaffee gibt es reichlich. Wir sind recht zufrieden, begleichen die gesalzene Rechnung und verlassen gestärkt um 10.30 Uhr das Restaurant. Wir fahren weiter auf dem Sterling Highway durch eine wunderschöne Landschaft. Links wechseln sich dichte Wälder mit satten grünen Wiesen ab und rechts lugt zwischen Bäumen und Hecken hin und wieder das Blau des Cook Inlet hindurch. Den Straßenrand säumen zu beiden Seiten lange Teppiche mit magentafarbigem Fireweed und die Temperatur tendiert wieder in Richtung 30° Celsius. So hatten wir uns Alaska nun wirklich nicht vorgestellt. Es ist ein Traum wahr geworden.
Um 11.30 Uhr erreichen wir den Ort Clam Gulch. Von dem Ort sehen wir nur das Post Office und eine Trading Post, die beide direkt an der Straße liegen. Zum eigentlichen Ort führt eine sehr steile Straße die Steilküste hinunter. Das Postoffice hat geöffnet und wir holen uns bei dieser einmaligen Gelegenheit gleich 20 Stamps für die Postkarten, die wir noch kaufen und schreiben wollen. Nach wenigen Minuten fahren wir weiter. Es gibt hier in den Sommermonaten zahlreiche Baustellen mit Stopp-Menschen. Bei uns sind die Baustellen meist mit Ampelanlagen geregelt. Hier in den USA und in Kanada sehen wir meistens Männer und Frauen, die mit einem drehbaren Schild und einem Funkgerät den Verkehr regeln. In langen Baustellen kommen sogar so genannte „Pilotcars“ zum Einsatz. Auch das werden wir noch erleben. Das junge Mädchen an der ersten Baustelle hält jedenfalls das Schild mit dem Stoppzeichen in unsere Richtung und so halten wir brav an. Es dauert eine ganze Weile, bis die ersten Autos aus der Gegenrichtung kommen. Danach spricht sie einige unverständliche Worte in ihren Apparat und dreht das Schild um 180 Grad. Darauf ist jetzt auf grünem Grund ein Go zu erkennen und sie winkt freundlich mit ihrem freien Arm. Wir dürfen weiter.
Um 12.10 Uhr sind wir in Ninilchik. Von einem Ort mit Häusern sehen wir nichts, es gibt am Highway nur ein kleines Schild mit dem Namen darauf. Intuitiv biegen wir rechts ab und folgen der steilen Schotterstraße hinunter bis zum Strand. Links gibt es einen großen, erstaunlicherweise bewachten und damit kostenpflichtigen Parkplatz. Es gibt nur einen Tagestarif, daher fahren wir nach rechts. Nach einigen Metern steht links eine ziemlich verfallen aussehende Bretterbude. Sie nennt sich „The Bordwalk“ und wirbt mit Kaffee und Espresso. Eine kleine Pause wird uns sicherlich gut tun und so stellen wir das Auto davor ab. Hinter der Eingangstür befindet sich kein Haus, sondern nur eine Terrasse mit einem kleinen Kioskgebäude. Nach dem Studium der bunten Plakate an den Holzwänden, die als Speisekarte dienen, entscheiden wir uns jeder für einen „Iced Tea“. Das ist ganz normaler, ungesüßter Tee mit vielen Eiswürfeln darin. Zusätzlich fällt unser Blick noch auf den Schriftzug „Clam Chowder“. Wir sind wie elektrisiert. Zwar sind wir vom späten Frühstück noch satt, können dieser Spezialität nicht widerstehen. Die „Clam Chowder“ ist eine Jakobsmuschelsuppe mit groben Kartoffelstücken. Und hier an der Küste des Cook Inlet werden die Jakobsmuschel täglich frisch ausgegraben. Wir bestellen also eine Suppe für uns zwei. Mit unseren Getränken und der Suppe suchen wir uns auf der gut besuchten Terrasse einen Sitzplatz. Wir haben Glück und können direkt am Geländer einen schönen Platz ergattern. Ich bin von dem ungesüßten Tee etwas enttäuscht, er soll aber den Durst hervorragend löschen. Anja beginnt mit der Suppe und verdreht buchstäblich die Augen. Dann fängt sie sofort an zu schwärmen. Diese Suppe ist das Beste was sie je in dieser Richtung gegessen hat, bemerkt sie. Ich bin natürlich neugierig und vertreibe mir die Zeit mit dem filmen einer riesigen Möwe, die sich am Strand die Reste eines Lachses schmecken lässt. Bis ich meinen Anteil bekomme dauert es eine Weile und ob ich auch die Hälfte noch bekomme ist auch bis heute fraglich. Jedenfalls ist die Suppe einfach ein Hit und schmeckt ausgezeichnet. Warum wir uns mit nur dem einen Teller begnügt haben, bleibt uns bis heute ein Rätsel.
Um 13 Uhr fahren wir weiter und sind gegen 14 Uhr bereits hinter Anchor Point. Hier halten wir an und machen an einem Parkplatz mit einer tollen Sicht auf den Homer Spit und die Kachemak Bay schöne Fotos und Videoaufnahmen. Bei strahlend blauem Himmel sieht man sogar die Gletschergipfel des Kenai Fjords Nationalparks auf der gegenüberliegenden Seite der Bucht. Nachdem wir noch das markante Ortseingangsschild von Homer abgelichtet haben, fahren wir noch die wenigen Kilometer bis zu unserem Hotel. Es ist das Best Western Bidarka Inn und liegt direkt am Highway. Wir parken vor der Rezeption und checken ein. Wir bekommen Zimmer 218 in der oberen Ebene. Da kann uns jedenfalls niemand auf dem Kopf rumtrampeln. Das Schlafzimmer liegt auch zur Buchtseite, so dass der Lärm des Highways kaum zu vernehmen ist. Durch die dicht stehenden Bäume blitzt ab und zu die glitzernde Wasseroberfläche der Bucht herauf. Wir stellen unsere Koffer ab und ziehen direkt wieder los. Wir wollen den Homer Spit erobern.
Das ist eine fast sieben Kilometer lange, natürliche Landzunge in die Kachemak Bay hinaus. Nach dem großen Erdbeben in den 60er Jahren ist der Spit zwar abgesackt, aber ein erheblicher Teil ragt noch immer aus dem Wasser heraus. Hier gibt es eine Fährstation, einem Bootshafen und jede Menge Bootscharterfirmen mit ihren Büros. Homer nennt sich selbst die Hauptstadt des Heilbuttfanges. Hier ziehen Hobbyangler die tollsten Heilbutts aus dem Meer. Dazu noch Lachs und viele andere Fischarten. Wir bekommen einen Parkplatz, was angesichts der noch nicht zurückgekehrten Fangflotte gar nicht so einfach ist, und erobern den Spit zu Fuß. Vorbei am Bootshafen schlendern wir auch an den Zerlegestationen der Charterfirmen entlang. Was wir hier sehen, ist für uns unfassbar. Da hängen an langen Stangen jede Menge Heilbutts und dahinter stehen die stolzen Petrijünger und werden fotografiert. Gleich daneben quälen sich mehrere Arbeiter der Charterer damit, aus den frischen Heilbutts die Filets herauszuschneiden. Der große Rest wandert mit einem lauten klatschen in der Abfalltonne. Auf Wunsch kann der Angler seinen Fang auch einfrieren lassen und dieser wird bis zur Abreise aufbewahrt. Das Treiben hier auf dem Spit ist ein Erlebnis für uns Städter. So etwas haben wir noch nicht gesehen.
Nach zwei Stunden auf dem Spit möchte ich gerne noch zu einer Firma in Homer fahren. Im Internet bot der Kenai Outfitters Flugdienst Flüge zur Bärenbeobachtung in den nahen Nationalpark mit einem Wasserflugzeug an. Daran hätten wir für den nächsten Tag Interesse. Wir finden das Büro, aber die Enttäuschung ist sehr groß. Den Flugdienst gibt es nicht mehr, das Büro ist geschlossen. Das Elend beim Internet ist, dass es viele Seiten gibt, auf denen die Angebote noch existieren, die Firmen aber schon lange nicht mehr. So auch hier.
Auf der anderen Uferseite des Beluga Lakes sehen wir weitere Wasserflugzeuge und wir beschließen, dort hin zu fahren. Eventuell gibt es da noch eine Möglichkeit. Wir fahren um den See herum und biegen von der Hauptstraße in die Lambert Street zum Lake Shore Drive ab. Am Ende der Lambert Street sehen wir ein Oldtimer Flugzeug und einen Mechaniker, der an der Maschine herumbastelt. Wir parken unser Auto vor dem Bürogebäude und schlendern auf den Mechaniker zu. Die Maschine ist Baujahr 1929 und wurde von der Firma Travel Air mfG. Co. in Wichita, Kansas gebaut. Den Typ oder die Bezeichnung kann man nicht erkennen. Die Motorhaube ist ab und der Sternmotor liegt offen. Der Mechaniker unterbricht seine Arbeit an dem offenen Motorgehäuse und hört sich unser Anliegen an. Grundsätzlich sei er bereit, den Flug durchzuführen, aber im Moment sei er bei einer Generalüberholung des Motors und er könne noch nicht sagen, ob morgen ein Flug möglich ist. Wir sollen am nächsten Tag noch einmal nach 14 Uhr nachfragen. Etwas enttäuscht drehen wir um und gehen zum Auto zurück.
Es ist mittlerweile 18.45 Uhr und wir fahren zum Hotel zurück. Hier versorgen wir erst einmal unser gesamtes Kameraequipment. Anja lädt die Speicherchips ihrer digitalen Spiegelreflexkamera auf die mobile Festplatte. Heute gibt es diese Geräte wie Sand am Meer, aber 2004 war sie stolz, eines zu besitzen. Ich spule meine Kassetten zurück und beschrifte sie grob mit dem Inhalt. Die genauen Zählwerksangaben füge ich erst zu Hause hinzu. Es ist mittlerweile 21.30 Uhr geworden und wir sind tatsächlich müde. Die Zeitumstellung ist noch nicht ganz geschafft. Also ist Bettruhe angesagt.

nächster Tag

 

 

 

 

 



Klick für große Bilder:


Das Kenai Merit Inn


Viel Gepäck im Auto


Frühstück am Highway


Das K-Beach-Diner

 

 


Clam Gulch Postamt

 

 


Wunderbares Alaska

 

 


Ninilchik

 

 


Baracke am Strand

 

 


Möwe mit Beute

 

 


Kachemak Bay

 

 


Homer - Alaska

 

 


Hafen von Homer

 

 


Kleiner Mann - großer Fang

 

 


Oldtimer - Flieger

 

 


Best Western Bidarka Inn